Schlussstrich in Nittenau: Meierhofer nimmt sein Stadtratsmandat nicht an

Am 22. März haben die Nittenauer CSU-Listenführer Albert Meierhofer erneut in den Stadtrat gewählt. Mit 2522 Stimmen erreichte er dabei parteiintern das beste Resultat. Nun ist aber klar: Der 60-Jährige will sein Amt nicht antreten – und hat mit dieser Entscheidung auch seine Parteikollegen überrascht.
Im Nittenauer Stadtrat gilt Meierhofer als Urgestein. 1997 zog er für die CSU als Nachrücker ins Gremium ein und war dort seitdem ohne Unterbrechung aktiv. Zudem ist der Zollbeamte langjähriger 2. Bürgermeister. „Irgendwann muss man einsehen, dass es vielleicht besser ist, nicht mehr weiterzumachen“, erklärte er auf Nachfrage der Mittelbayerischen und verwies auf die Ergebnisse der Kommunalwahl.
Enttäuschung über den Ausgang der Wahl
Hier hatten die CSU und die weiteren drei Fraktionen jeweils einen Sitz verloren. Dafür gelang drei Mitgliedern der AfD und einem Vertreter der Linken der Einzug. Zudem hatte sich Meierhofer bei der Bürgermeisterwahl Amtsinhaber Benjamin Boml (FW) geschlagen geben müssen. Dieser Wahlausgang sei nicht seine Intention gewesen, so Meierhofer.

Nach 29 Jahren im Stadtrat sei es für ihn nun an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, auch wenn er von den Wählern eigentlich einen Auftrag für den Stadtrat bekommen habe. Diesen Entschluss habe er nach reiflicher Überlegung getroffen. „Ich bin nicht gleich am Tag nach der Wahl ins Rathaus gegangen und habe abgelehnt“, sagte Meierhofer. Er habe das Thema mit seiner Familie besprochen und dann seine Entscheidung getroffen – mit der sei er zufrieden. „Jeden Tag denk ich mir, es war der richtige Entschluss“, sagte er.
Irgendwann muss man einsehen, dass es vielleicht besser ist, nicht mehr weiterzumachen.Albert Meierhofer, CSU-Stadtrat und 2. Bürgermeister
Meierhofers Rückzug ist nicht die einzige personelle Veränderung für die CSU im Nittenauer Stadtrat: Auch ein neuer Fraktionssprecher wird gebraucht, da der bisherige Amtsinhaber Thomas Hochmuth mit 1295 Stimmen den Wiedereinzug ins Gremium verpasst hat. Für diese Personalie gibt es bereits eine Lösung: Markus Fohringer übernimmt künftig diesen Posten.
Parteifreunde ahnten nichts von den Rückzugsplänen
Fohringer wird in der neuen Wahlperiode dienstältester CSU-Stadtrat sein. Der 51-jährige Fischbacher war 2017 Nachrücker für den aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Reinhold Hochmuth gewesen. Von Meierhofers Rückzugsplänen habe er nichts geahnt, sagte Fohringer auf Nachfrage der Mittelbayerischen. „Das war eine Überraschung, da brauchen wir gar nicht reden“, sagte er. Dass Meierhofer künftig nicht mehr der CSU-Fraktion angehören wird, bedauert Fohringer sehr. „Er ist ein sehr erfahrener Kollege, eine Stütze. Für uns ist das ein Verlust, weil auch viel Wissen verloren geht“, so der neue Fraktionschef.
Wie sich die CSU-Fraktion in den kommenden Wochen neu sortiert, müsse sich nun erst zeigen. Es gehe um die Frage, wie man sich am besten für die Zukunft aufstelle. Klar ist bislang neben der Personalie des Fraktionssprechers aber auch schon dessen Stellvertretung: Diese geht an Florian Hummel, der seit 2020 dem Stadtrat angehört.
Gespräche stehen noch ganz am Anfang
Im neuen Gremium muss auch ein neuer 2. Bürgermeister gewählt werden. Bislang hatte Meierhofer dieses Amt inne. Wird die CSU auf dieses Amt Anspruch erheben? Dazu bleibt Fohringer diplomatisch. „Bevor man Forderungen stellt, muss man zunächst Gespräche suchen. Wir stehen noch ganz am Anfang, wenn es um solche Posten geht“, sagte er.
Von der Zusammenarbeit mit den übrigen Fraktionen hat Fohringer dafür aber schon eine klare Vorstellung. „Ich bin ein sehr sachorientierter Typ, und so werde ich das auch künftig handhaben“, sagte der 51-Jährige. Natürlich gehe es im Stadtrat bei manchen Themen auch einmal emotional zu. „Ich liebe es aber, geräuscharm zu arbeiten“, so Fohringer.
CSU-Ortsvorsitzender rückt ins Gremium nach
Von Meierhofers Rückzug profitiert den Wählerstimmen zufolge CSU-Ortsvorsitzender Thomas Auburger, der nun als Nachrücker in den Stadtrat einziehen wird. Auch ihn traf Meierhofers Entscheidung aus heiterem Himmel. „Ich hätte es sehr begrüßt, wenn er sein Amt angenommen hätte“, sagte er. Allerdings sei es Meierhofers persönliche Entscheidung, die es zu akzeptieren gelte.
Nun sei man dabei, sich neu aufzustellen. „Man muss aber erst einmal abwarten, wie die Koalitionsgespräche laufen. Aus meiner Sicht gibt es nur eine Variante, wenn wir in die Verantwortung kommen wollen, und das sind die Freien Wähler“, so Auburger weiter. Mit diesen könne man eine Mehrheit im Gremium erzielen. Allerdings habe es zwischen den beiden Fraktionen bislang noch keinen Kontakt gegeben, so Auburger.