Keine Zufahrt mehr zu Wirtshaus: „Frauenhäusl“ bei Kelheim muss über Wochen schließen

Straßensanierungen ringsum – mittendrin ein Wirtshaus, das nicht erreichbar ist. Das „Frauenhäusl“ bei Kelheim wird ab Mitte April von der Außenwelt abgeschnitten. „Wir machen deshalb für zwölf Wochen zu“, sagt das Wirtepaar Angelika und Anton Hamberger zerknirscht. Das tut den Pächtern nicht nur wirtschaftlich weh.
Ausflugs- und Wanderziel, Hochzeiten und andere Feiern, Stammtische: Das „Frauenhäusl“ ist eine Institution als Gaststätte, das erst im Vorjahr das Prädikat „Musikantenfreundliches Wirtshaus“ erhielt. Schon 1866 zählte eine kleine Gastwirtschaft zum damaligen Sitz eines Forstwarts. Ab 13. April wird ein bitteres Kapitel aufgeschlagen. „Wir haben überlegt trotz der Straßenbaustellen offen zu lassen, aber es macht keinen Sinn. Die Gäste könnten nur zu Fuß zu uns kommen“, sagt Angelika Hamberger, die das Gasthaus seit 2015 von der Brauerei Schneider Weisse gepachtet hat.
Die 38-Jährige und ihr Ehemann (40), der hauptberuflich bei BMW arbeitet, sind Leidtragende von zwei Straßenmaßnahmen, die ab Mitte April parallel laufen: Zum einen beeinträchtigt bereits seit 2024 die Sanierung der Rennstrecke (ST2233) den Weg zur Wirtschaft, zum anderen wird nach Ostern auch die KEH25, die am „Frauenhäusl“ vorbei führt, zur Baustelle. Eine Zufahrt ist nicht mehr möglich, zumindest keine „verkehrssichere“, wie die Hambergers die Worte von Planern wiedergeben.
Weder Lieferverkehr noch Einsatzkräfte kommen hin
Über irgendwelche Schleichwege wolle man die Autos nicht lotsen. „Gar nicht machbar wäre der Lieferverkehr für unsere Waren.“ Rettungsdienst und Feuerwehr kämen ebenso wenig zum Wirtshaus. „Das will ich mir gar nicht vorstellen, wenn irgendwas bei uns wäre und die Einsatzkräfte könnten nicht durch“, sagt Angelika Hamberger. Darum sei der Entschluss zur vorübergehenden Schließung unausweichlich.
Das Dilemma näherte sich in Schritten mit Beginn der Rennstrecken-Sanierung vor zwei Jahren. „Zunächst blieben die Gäste aus Richtung Ihrlerstein aus, weil der Abschnitt von dort bis zur Abzweigung Alling gemacht wurde. Im vergangenen Jahr war dann die Verbindung nach Kelheim dicht.“ Zwei Stammtische, die überwiegend von Kelheimern besucht wurden, blieben leer.

Da heuer auch die Abzweigung Alling für den Bau eines Kreisels bis Mitte des Jahres gesperrt ist, „geht aus Richtung Kelheim und Ihrlerstein gar nichts mehr“. Sie selbst kommen von ihrem Wohnort auf der Brand nur mehr über Nebensträßchen zu ihrem Wirtshaus.
„Die Schäffler haben ihren Auftritt abgesagt, weil die Zufahrt zu umständlich war.“ Einzig von Alling aus ist das „Frauenhäusl“ über die KEH 25 noch erreichbar. Der Gästerückgang liege bei 70 bis 80 Prozent, so die Wirte. „Wir hatten versucht, auch unter der Woche offen zu halten. Aber da saß ich teils alleine da“, sagt die Pächterin. Bis 13. April ist noch an Freitagen und Samstagen (jeweils ab 11 Uhr) sowie sonntags (ab 10 Uhr) geöffnet.
Vor dem Start der Straßenarbeiten zählte das „Frauenhäusl“ an Sonntagen im Sommer gut und gerne 600 Gäste, rechnet das Ehepaar vor, selbst im Winter waren es zum Mittagstisch und Nachmittagskaffee 150 bis 200. Die Einbußen über die vermutlich acht bis zwölf Wochen könne man nicht genau beziffern, „aber wir reden von einem Umsatzverlust im sechsstelligen Euro-Bereich“, so Anton Hamberger.
Finanzielle Hilfen stehen nicht in Aussicht
Kosten laufen weiter: die Sozialabgaben für eine Mitarbeiterin und die Wirtin, Steuervorauszahlungen. Ein finanzieller Ausgleich sei nicht in Sicht. „Wir haben eine Betriebsunterbrechungsversicherung. Dafür bräuchten wir einen Schließungsbescheid, der uns jedoch nicht ausgestellt wird, da wir zu Fuß weiter erreichbar sind.“ Von der Stadt oder dem Landkreis sei auch nichts zu erwarten. Schneider Weisse kommt der Pächterin entgegen. „Wir werden für die Schließungszeit pachtfrei gestellt.“

Gäste äußern auch Bedauern. „Einige zählen schon die Tage, wann wir wieder aufmachen können“, berichten die Hambergers. Anfang Juli könnte das sein. Die Auszeit wollen sie mit ihren Kindern (13 und 11) an Pfingsten zu einem Urlaub nutzen. „Ich war noch nie am Meer“, erzählt die Wirtin. Doch die Füße hoch legen möchten sie eigentlich nicht. „Wir sind Wirtsleute und wollen in unserem Betrieb stehen.“ Mit Pflege der Außenanlage und einem Update der Social-Media-Auftritte könne man zumindest etwas tun.
„Es geht uns auch psychisch an die Substanz“, sagen beide. Angelika Hamberger erinnert sich an den Lockdown in Corona-Zeiten. „Da bin ich daheim gehockt und hab’ manchmal gedacht: Ach, was wäre jetzt in unserer Wirtschaft los!“ Eines tröstet das Wirteehepaar: „Im Sommer sind wir zurück.“