TWF-Gelände in Schwandorf: Mitarbeiter beklagen mehr Straftaten – Anzeigen gibt es kaum

Regelmäßige Diebstähle, Jugendliche, die Drogen konsumieren, und sogar ein sexueller Übergriff – die Zustände auf dem TWF-Gelände beim Rewe-Center in Schwandorf sorgen schon länger für Kritik. Die Situation werde immer schlimmer, heißt es von Mitarbeitern, die nun Alarm schlagen. Die Zahlen der Polizei sprechen jedoch eine andere Sprache.
Kurz vor Weihnachten hatte in einem der Geschäfte vor Ort ein unbekannter Mann – geschätzt zwischen 40 und 45 Jahren – einer dortigen Mitarbeiterin eine Massage angeboten, sie ungewollt auf den Mund geküsst und ihr auch Geld gegeben, um ihren BH zu sehen. Erst mit Nachdruck konnte die Mitarbeiterin, die anonym bleiben will, den aufdringlichen Kunden des Ladens verweisen.
Häufung von Straftaten durch großes Handelsangebot
Der Vorfall kam noch am selben Abend bei der Schwandorfer Polizei zur Anzeige. Diese leitete nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung ein.
Oberstaatsanwalt Carsten Reichel erklärte auf MZ-Anfrage: „Das Verfahren richtete sich gegen einen unbekannten Täter, von dem nur eine vage Personenbeschreibung existiert. In Ermangelung weiterer Ermittlungsansätze musste das Verfahren eingestellt werden.“ Bei Vorliegen weiterer Hinweise könne es laut Reichel wieder aufgenommen werden.
Im Vorjahr wurden von der Schwandorfer Polizei auf dem TWF-Gelände insgesamt 83 Straftaten, darunter allein 38 Diebstähle, zehn Körperverletzungen, fünf Sachbeschädigungen und sieben Beleidigungen, registriert. Bei den Diebstählen handelt es sich laut Polizei bei 25 um Ladendiebstähle. Diese würden sich hauptsächlich auf die beiden Lebensmittelmärkte sowie in geringerer Zahl auf den dortigen Baumarkt und den Drogeriemarkt konzentrieren. Ein Fall wurde von einem Bekleidungsgeschäft zur Anzeige gebracht.
„Das große Einzelhandelsangebot bedingt naturgemäß eine gewisse Häufung von Diebstahlsdelikten, vorwiegend Ladendiebstählen, aber auch Diebstählen an und aus geparkten Kraftfahrzeugen oder auch Missbrauch von Kreditkarten“, teilte Polizeioberkommissar Stefan Dirnberger auf Nachfrage der MZ mit.
Angestellte finden oft nur noch die leeren Verpackungen
Da es sich um eine belebte Einkaufsörtlichkeit und eine auch zur Nachtzeit frequentierte Verkehrsachse handele, könnten die Zahlen als normal betrachtet werden, so Dirnberger weiter. Die 83 Anzeigen stellten einen Schnitt von 1,6 Vorgängen pro Woche dar, so dass hier aus Sicht der Polizei in keiner Weise von einem Brennpunkt gesprochen werden könne.
Vor Ort sieht das der eine oder andere Mitarbeiter anders. Die Zahl der Diebstähle hat sich nach Einschätzung der Verkäufer stark erhöht. In einem der Geschäfte seien innerhalb von drei Wochen zehn Produkte gestohlen worden. Nur ein Teil der Diebe könne laut Aussage der Mitarbeiter gestellt werden, oft finde man nur noch die leeren Verpackungen. Oft seien es auch mehrere Personen, die bei der Tat gemeinsam agierten. Während eine die Verkäuferin ablenke, stecke die andere das Produkt in die Tasche.
Von den 38 Diebstahlsdelikten entfallen lediglich 25 auf den Bereich Ladendiebstahl.Stefan Dirnberger, Polizeioberkommissar
Nach MZ-Informationen haben Geschäftsleute vom TWF-Gelände zuletzt die Sicherung ihrer Produkte verstärkt. Doch dadurch können Diebstähle auch nicht komplett verhindert werden. Die Täter zerstören auch immer wieder die Sicherungen.
Warum gibt es angesichts der Schilderungen der Mitarbeiter aber so wenige Anzeigen bei der Polizei? Dafür haben die Geschäftsinhaber eine klare Begründung. Anzeigen würden häufiger nicht gestellt, weil man die Täter in der Regel nicht zu fassen bekomme, erklärte ein Ladeninhaber, der ebenfalls seinen Namen nicht nennen möchte. Auch würden oft erst im Nachgang bei der Warenpflege abgeschnittene Warensicherungen gefunden.
Neben den zunehmenden Diebstählen beunruhigt die Mitarbeiter auch ein Treffpunkt von Jugendlichen auf der Gebäuderückseite. Dort würden bei lauter Musik und Drogen Partys gefeiert, berichtete eine Angestellte. Im Vorjahr sei es deutlich schlimmer geworden. Bei Beschwerden werde die Musik noch lauter aufgedreht, so die Mitarbeiterinnen. Verkäuferinnen würden sich inzwischen nicht mehr trauen, etwas zu sagen.
In der Polizeistatistik des vergangenen Jahres finden sich nur zwei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. „Natürlich halten sich auch nachts Jugendliche im Bereich der Parkplätze und in den Grünanlagen um und hinter dem Gelände auf. Eine Problematik diesbezüglich lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht ableiten“, erklärte Polizeioberkommissar Dirnberger.
Beschäftigte wünschen sich mehr Kontrollen der Polizei
Er fügte aber hinzu: „Wobei natürlich hier nicht verkannt wird, dass es sich bei Drogendelikten um sogenannte Kontrolldelikte handelt.“ Eine Annäherung durch die Polizei für Kontrollen sei sowohl im Bereich der Parkplätze durch die Schrankenanlagen, als auch in dem Bereich hinter dem Rewe-Markt durch Poller erschwert. Diesem Umstand könne die Polizei laut Dirnberger in begrenztem Umfang aber durch Fahrradstreifen begegnen.
Die Poller hatte die Stadt Schwandorf bereits 2014 an beiden Enden des hinter dem Rewe-Center verlaufenden Schotterweges installiert, um ein unerlaubtes Befahren des Weges zu verhindern. Diese Maßnahme beruhte auf einem gemeinsamen Ortstermin von Polizei und städtischem Ordnungsamt.
„Sollte sich die Situation künftig anders darstellen, wären in Abstimmung Anpassungen oder eine Entfernung selbstverständlich denkbar“, teilte der städtische Pressesprecher Andreas Hofmeister mit Blick auf die Poller mit.
Die Mitarbeiter der Geschäfte auf dem TWF-Gelände wünschen sich, dass die Polizei dort mehr kontrolliert. Die Polizei macht ihre Präsenz auch anhand der Zahl der Straftaten fest. Die Statistik mache keine Problematik deutlich. Dennoch: Die Beamten wollen dem Hinweis der Mitarbeiter nachgehen. „Der Bereich ist eine zentrale Verkehrsachse. Natürlich ist die Polizei hier regelmäßig präsent“, so Dirnberger.