Kaiser-Therme in Bad Abbach: So steht es aktuell um den Verkauf

Im Bad Abbacher Wahlkampf schlugen die Wogen um die Zukunft der Kaiser-Therme besonders hoch. „ProTherme“ attackierte Bürgermeister Benedikt Grünewald – der wiedergewählte Gemeindechef konterte. Untergegangen ist der Stand der Verkaufsbemühungen. Die Uhr tickt. In einem halben Jahr ist sonst Schluss mit der Therme im Landkreis Kelheim.
Spätestens am 30. September 2026 muss die Privatisierung der Kaiser-Therme in trockenen Tüchern sein. An diesem Tag löst sich der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach, der derzeitige öffentliche Träger, nach eigenem Beschluss auf. Die Frage, ob sich die zeitliche Perspektive halten lässt, beantworten Zweckverbands-Geschäftsführerin Katrin Landes und der Bürgermeister auf aktuelle Anfrage mit einem klaren „Ja“.
Was nach einem positiven Abschluss mit einem Interessenten klingt, wird durch eine andere Aussage relativiert: Man könne „keine belastbaren Einschätzungen zum Ausgang abgeben. Alles andere wäre spekulativ und unseriös.“ Nach wie vor werden keine inhaltlichen Details zum Verkaufsprozess preisgegeben. Demnach ist auch nicht bekannt, ob und wie viele potenzielle Investoren es gibt.
Zank zwischen „ProTherme“ und Bürgermeister hält an
„Grundsätzlich sehen wir das Verfahren planmäßig voranschreiten“, sagen Landes und Grünewald. Vonseiten der BI „ProTherme“ wird das von Beginn an angezweifelt. Von einem „Verkaufstheater ohne seriösen Investor“ wurde gesprochen, der Bürgermeister hätte die Therme „feil geboten“. Was Grünewald strikt zurückweist: Bad Abbach habe nur 20 Prozent Anteil am Zweckverband (Bezirk Niederbayern: 60 %, Landkreis Kelheim: 20), in dem der Verkaufsbeschluss im Frühjahr 2024 fiel.
Die Gräben bleiben auch nach Grünewalds Wiederwahl. „Wir akzeptieren das Ergebnis, sind aber enttäuscht, dass die Mehrheit damit auch dem Verkauf zugestimmt hat“, so BI-Sprecher Ralph Schäfer. „ProTherme“ fordert den Weiterbestand in einer markteigenen Genossenschaft. „Wie das aussehen soll, hat die BI noch nie konkretisiert“, lautet darauf Grünewalds Replik. „ProTherme“ will „weiter kämpfen“, bekundet Schäfer.

Das marktinterne Geplänkel wird auf den Verkaufsprozess wenig Einfluss haben, zumal der Zweckverband Regie führt. Mit einer EU-weiten Ausschreibung im Oktober 2025 wurde das Verfahren eingeleitet. Danach folgte „ein neuer Schritt, in dessen Rahmen die Abgabe von Angeboten sowie Verhandlungen stattfinden“, sagte Landes im Dezember.
Um das Ziel Privatisierung zu erreichen, spreche man „mit so vielen geeigneten Investoren wie möglich und gleichzeitig“, ergänzt sie jetzt. „Es liegt in der Natur der Dinge, dass die aufeinanderfolgenden Schritte immer konkreter werden.“ Auch wenn Bad Abbacher und andere gerne wüssten, was sich hinter „konkret“ verbirgt, bleiben Landes und Grünewald bei ihrer Haltung. „Wir haben Verständnis für das große öffentliche Interesse, wir werden uns aber weiterhin konsequent und verlässlich an die rechtlichen Vorgaben halten.“
Hotel, Chalets, Ferienpark: Was wird aus diesen Ideen?
Spannende Frage bleibt auch, was mit der Therme und dem umliegenden Areal, das Käufer mit erwerben können, nach einem Verkauf geschieht. Der Zweckverband steigt aus, weil er eine Sanierung und einen Ausbau der Angebote für rund 50 Millionen Euro nicht schultern kann. Nimmt ein Investor das Geld in die Hand? Oder wird die Therme mit ihren knapp 50 Mitarbeitern auf Abteilungen wie die Saunalandschaft verschlankt? Vor Beginn des Verkaufverfahrens kursierte ein Exposé, wonach ein Hotel neben der Therme vorstellbar wäre, zusammen mit Ferienappartements oder Chalets. Auch eine Art Freizeitpark zählte zu den Ideen. Von alledem ist noch keine Rede.
Die Zweckverbands-Geschäftsführerin und der Bürgermeister sagen vage: „Je nachdem, wie sich das Verfahren entwickelt, können unterschiedliche Szenarien eintreten. Wir bereiten uns auf verschiedene Wege zur Zielerreichung vor.“ Je nach Ausgangslage gebe es „mehrere grundsätzlich denkbare Vorgehensweisen“. Das hänge von vielen Faktoren ab, „die wir nicht öffentlich bewerten und vorab bekannt geben“.
Nach gesicherten Informationen unserer Zeitung findet am 23. März eine Personalausschuss-Sitzung in der Therme statt. Ob den Mitarbeitern dabei mögliche Wege aufgezeigt werden, ist offen. „Unser Ziel bleibt ein erfolgreiches Verfahren, das sowohl die Sicherung der Arbeitsplätze als auch den Weiterbetrieb der Kaiser-Therme gewährleistet“, sagen Landes und Grünewald nicht zum ersten Mal.
Initiator von „ProTherme“ zieht sich zurück
Aktion: Dass es die BI „ProTherme“ überhaupt gibt, geht auf einen Regensburger Senior zurück. Im Sommer 2024 wollte der damals 69-jährige Kurbad-Stammgast Jochen Wollenweber die Privatisierung nicht einfach hinnehmen. Er verteilte selbst entworfene Flugblätter in Bad Abbach.
Mitstreiter: Aus diesem Widerstand heraus entstand die Gruppe „ProTherme“ um Wollenweber und den früheren Bad Abbacher Freie-Wähler-Vorsitzenden Josef Geitner. Sie sammelten Hunderte Unterschriften und richteten auch eine Petition an den Bayerischen Landtag.
Rückzug: Jetzt verabschiedet sich Wollenweber aus der BI. Die Bad Abbacher hätten sich bei der Wahl in der Mehrheit für den Bürgermeister und somit auch für seine Vorstellungen entschieden. „Das gilt es zu respektieren. Aber ich sehe meine Arbeit hiermit als beendet“, sagt der Rentner.