Ausstellung des Donau-Gymnasiums macht „Armut im Landkreis Kelheim“ sichtbar

Im Landkreis ist Armut ein größeres Problem als vielen bewusst ist. Schüler des Leistungsfachs Politik und Gesellschaft der 13. Klasse des Donau-Gymnasiums haben deshalb eine interaktive Ausstellung zum Thema „Armut im Landkreis Kelheim“ zusammen mit ihrer Lehrerin Janine Pfau gestaltet. Fast drei Monate dauerte die Entwicklung der sechs Stationen, die sich mit verschiedenen Aspekten rund um das Thema Armut auseinandersetzen. Die MZ hat mit den Schülern der Projektgruppe gesprochen.
„Das Thema Armut ist Teil des Lehrplans. Wir haben uns überlegt, wie man es anschaulich umsetzen könnte“, sagt Lisa Stöckl. Ziel der Ausstellung sei es, über Armut aufzuklären und Vorurteile zu beseitigen.
Auch externe Partner wie die Tafel Kelheim, Caritas, das Jobcenter und das Landratsamt unterstützten das Vorhaben und teilten ihre Erkenntnisse mit den Schülern. Auch Landrat Martin Neumeyer war Teil des Projekts. Die Schüler interviewten ihn zu der Thematik. Das Interview ist Teil der Ausstellung und lässt sich über einen QR-Code abrufen.
Professionelle Unterstützung von Professorin für Armut
Zusätzlich erhielten die Schüler Unterstützung von der Professorin für Armut an der OTH Regensburg: Dr. Ina Schildbach stellte einen Armutsbericht über die Stadt Regensburg zur Verfügung. Zitate von Betroffenen aus dem Bericht sind in der Ausstellung zu finden. „Ich bin alleinerziehend. Wohin mit dem Kind? Da bleibt mir nichts anderes“ steht auf einer der Plakatwände. „Mit den echten Zitaten sollen die Probleme der von Armut betroffenen Menschen verdeutlicht werden“, so Lara Fuchs.
Die Projektteilnehmer entwickelten darüber hinaus einen Fragebogen rund um das Thema Armut im Schulalltag, welcher anonym beantwortet werden konnte. Die Auswertung der Fragen sind ebenfalls Bestandteil der Ausstellung.
Die erste der sechs Stationen trägt den Titel „Was ist Armut wirklich?“. Dort sind typische Vorurteile wie „Arme Menschen sind faul“ und „Menschen in Armut bekommen alles vom Staat bezahlt“ aufgeführt. „Armut ist schwer definierbar. Für mich beginnt Armut, wenn man aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen kann“, findet Pauline Riedl.
Ein weiteres interaktives Angebot ist das Budgetspiel, bei dem mit dem Betrag der Grundsicherung für einen Monat gehaushaltet werden muss. „Dadurch soll klar werden, dass mit diesem Einkommen ein gutes Leben nicht möglich ist, entgegen dem Vorurteil in der Gesellschaft“, sagt Lisa Stöckl.
Die vierte Station zeigt ein Schaubild, in dem verschiedene soziale Bereiche wie Wohnen, Gesundheit und soziale Teilhabe durch eine Schnur miteinander verbunden sind. „Die Darstellung macht klar, dass Armut nicht nur in einem Bereich stattfindet, sondern alle Lebensbereiche einbindet“, so Lena Höfler.
Im Rahmen des Projekts befragten die Schüler darüber hinaus Parteien aus dem Landkreis zu ihren Standpunkten. Unter dem Punkt „Was wird getan“ sind Auszüge aus dem jeweiligen Parteiprogramm zu finden sowie Hilfsangebote von Tafel, Caritas und der Schule. „Dabei haben wir festgestellt, dass viele einfach nicht Bescheid wissen, welche tatsächlich zur Verfügung stehen“, sagt Pauline Riedl. In diesem Zusammenhang spiele auch Scham eine entscheidende Rolle. „Anträge auf finanzielle Hilfe zu stellen ist vielen Menschen unangenehm. Deshalb stellen viele diese erst gar nicht“, so Christina Schöls.
Größeres Bewusstsein für Thema durch Projekt
Durch das Projekt sei den Schülern vor allem bewusst geworden, wie groß die Bedeutung des Themas im eigenen Landkreis ist und wie schnell man in Armut gerät. „Ein Schicksalsschlag reicht aus, um in eine Abwärtsspirale zu rutschen“, so Jacob Mühl. Deshalb solle die Ausstellung verdeutlichen, dass das Annehmen von Hilfsangeboten keine Schande ist, so Lisa Stöckl. Überrascht habe die Schüler vor allem, dass es auch in Kelheim Obdachlosigkeit gibt und wie viele Menschen tatsächlich von Armut betroffen sind.
Bei der letzten Station – „Was können wir tun?“ – veröffentlicht der Kurs eigene Vorschläge zur Armutsbekämpfung. „Regelsätze der neuen Grundförderung erhöhen, Sanktionen reduzieren und Mindestlohn anheben, finanziert durch eine stärkere Besteuerung von Reichen“ ist einer davon. An der Pinnwand ist aber noch Platz für die Ideen der Ausstellungsbesucher, die ihre Vorschläge dort einfach anheften können.
Bis Freitag, 20. März, ist die Ausstellung für die Schüler des Donau-Gymnasiums zu sehen. Am Tag der offenen Tür am heutigen Mittwoch ist sie für alle Besucher zugänglich.