Neues Amazon-Projekt schockt Gegner – Droht Kreis Kelheim eine Lkw-Flut über die B16?

Von Martin Rutrecht · 14. März 2026 um 19:01

Dass das geplante Logistikzentrum bei Rohr i. Nb. (Landkreis Kelheim) auf Widerstand stößt, ist bekannt. Nun macht sich bei Gegnern wegen eines weiteren Amazon-Projekts Sorge breit: ein Verteilzentrum bei Ingolstadt. Was die Befürchtung auslöst, dass es dorthin vom Logistikpark Rohr über die B16 zu einem massiven Lkw-Verkehr kommt. Amazon versucht, die Bedenken zu zerstreuen.

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Der Online-Versandhändler stellte am Donnerstag im Ingolstädter Stadtentwicklungsausschuss sein neues Vorhaben vor. Auf einem Industriegelände im Gewerbegebiet südlich der Manchinger Straße, nah an der B16 und der A9, soll ein Verteilzentrum mit rund 300 Mitarbeitern entstehen. Dort werden Waren in Vans verladen und zu Kunden gefahren.

„Jeder Artikel muss aber erst von einem Logistikzentrum in ein Verteilerzentrum transportiert werden. Und der Logistikpark Stocka wäre, wenn er gebaut wird, mit 40 Kilometern Entfernung der nächstgelegene“, sagt Roland Weiß von der BIA („Bürgerinitiative Region Abensberg und benachbarte Gemeinden“), die sich gegen das Projekt in Rohr wehrt. Die direkte Route vom Stocka-Areal bei Bachl nach Ingolstadt verläuft über die B16.

Ein Verteilzentrum in Ingolstadt hätte – bei einer parallelen Realisierung des Projekts in Rohr – „zusätzliche gravierende Auswirkungen auf den Verkehr in der Region, insbesondere die Ortsdurchfahrt Offenstetten, vielleicht auch Schambach“, so Weiß. „Wir sind schockiert“, setzt er hinzu.

Vertreter von Amazon beschrieben die Lieferwege im Ingolstädter Ausschuss anders. Nach der Bestellung durch einen Kunden werde der Artikel in einem Logistikzentrum verpackt – und gehe in ein Sortierzentrum (also nicht Verteilzentrum), wo die Eingänge nach Postleitzahlen geordnet werden. Die nächste und letzte Station ist ein Verteilzentrum. Ein Lieferverkehr zwischen Rohr und Ingolstadt würde demnach nicht entstehen.

Unterschiedliche Aussagen von Amazon

Unsere Zeitung fragte beim Online-Versandkonzern nach. Und bekam von einem Sprecher folgende Antwort: „In einem Verteilzentrum sortiert Amazon Pakete aus den Logistikzentren für die Auslieferung an die Kunden.“ Nach diesen Worten besteht doch eine Verkehrsbeziehung zwischen Logistik- und Verteilzentrum. Das sei „nicht auszuschließen“, sagt der Sprecher. Derzeit betreibt Amazon in Bayern Logistikzentren in Graben bei Augsburg sowie Hof-Gattendorf. Ein Sortierzentrum steht in Eggolsheim (Kreis Forchheim).

Bei der BIA leuchten die Alarmzeichen rot. „Wir werden so schnell wie möglich belastbare Verkehrsprognosen einholen“, erklärt Weiß. Zugleich wolle man die Bürgermeister in Abensberg und Saal a. d. Donau „wach rütteln und wir hoffen, dass sie auf die Barrikaden gehen“. Die mögliche Verkehrsachse Rohr – Ingolstadt über die B16 „ist ein weiterer triftiger Grund, den Logistikpark bei Bachl zu verhindern“.

Scheidende Bürgermeisterin hält sich raus

Rohrs scheidende Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer erklärt zu den neuen Plänen: „Das Vorhaben in Ingolstadt steht in keiner Verbindung mit Rohr.“ Wie sie ist auch ihr Nachfolger Matthias Hermann, bisher 2. Bürgermeister, ein Befürworter des Logistikzentrums in der Gemeinde. Die jüngsten Beschlüsse fielen einstimmig. „Vielleicht gibt es noch ein Umdenken. Aber die Hoffnung ist gering“, sagt Weiß.

In Ingolstadt soll es mit einer Umsetzung des Verteilzentrums zügig gehen. Die Verwaltung will am 20. März eine Beschlussvorlage präsentieren kann. Am 26. März entscheidet der Stadtrat. Die Reaktionen auf die Vorstellung des Projekts waren positiv. Man freue sich, dass Arbeitsplätze jenseits der Automobilindustrie entstünden und ein altes Industrieareal aufgewertet werde.

Das Vorhaben in Ingolstadt

Größe: Die Sortierhalle in Ingolstadt soll zwischen zwischen 7000 und 10.000 Quadratmeter messen. Für 685 Transporter wird ein Parkhaus gebaut, mit zusätzlich 160 Stellplätzen für Mitarbeiter. Ferner entsteht ein Tiefhof mit neun Docks für Lastwagen.

Ablauf: Unter einem großen Vordach werden die Vans beladen, die zu den Kunden fahren. Der Betrieb läuft Montag bis Samstag rund um die Uhr.