Das Konzept ist bereits geliefert: Amazon will in Ingolstadt Verteilzentrum bauen

Von Christian Silvester · 12. März 2026 um 20:05

Die Vorstellungen des Unternehmens sind schon sehr präzise, jetzt geht es in das Genehmigungsverfahren. Der Online-Händler Amazon will in Ingolstadt ein Verteilzentrum errichten. Rund 300 eigene Mitarbeiter am Standort sowie viele weitere von Logistik-Partnerfirmen sollen die Lieferungen in der Region beschleunigen.

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Amazon möchte dazu ein Industriegelände an der Carl-Benz-Straße im Gewerbegebiet südlich der Manchinger Straße erwerben, nah an der B16 und der A9. Sobald die Baugenehmigung vorliege, würden die alten Gebäude abgerissen.

Altes Industriegelände im Ingolstädter Südosten wird von Amazon neu bebaut

Am Donnerstag stellten Vertreter des Online-Riesen das Projekt im Stadtentwicklungsausschuss des Ingolstädter Stadtrats vor, angeführt von Entwicklungsmanager Björn Siebert und Florian Amann, dem Regionalmanager für Bayern. Die Resonanz unter den Stadträten war durchweg positiv. Man freue sich, dass Arbeitsplätze jenseits der Automobilindustrie entstehen und keine Fläche für das Zentrum versiegelt werden müsse, sondern ein altes Industrieareal aufgewertet werde.

Was passiert genau in einem Verteilzentrum? Es ist kein Logistikzentrum, also Lager. Siebert und Amann erklärten den Weg der Waren: Der Kunde gibt eine Bestellung auf. In einem Logistikzentrum wird der Artikel verpackt, dann geht es weiter in ein Sortierzentrum, wo die Eingänge nach den Postleitzahlen geordnet werden. Die nächste Station ist ein Verteilzentrum. „Das letzte Glied in der Logistik.“ Hier werden die Waren in Vans verladen und zum Kunden gefahren.

Betrieb Montag bis Samstag rund um die Uhr

Die Amazon-Manager visualisierten in einer Präsentation die Umrisse ihres Projekts: Die Sortierhalle messe zwischen 7000 und 10 000 Quadratmeter. Unter einem großen Vordach werden die Vans der Subunternehmer beladen. Sie ziert das Amazon-Logo, alle fahren e-mobil. Für diese 685 Fahrzeuge wird ein viergeschossiges Parkhaus erbaut, jeder Stellplatz mit Wallbox. Dort können zusätzlich rund 150 Pkw der Mitarbeiter geparkt werden. 160 weitere Parkplätze sind für eine „externe Lösung“ vorgesehen. Ferner entsteht ein Tiefhof mit neun Docks für Laster.

Lieferwagenflotte fährt zu 100 Prozent elektrisch

Ein großes Ziel sei die Klimaneutralität. In seinen Gebäuden in Deutschland erreiche das Unternehmen schon heute einen Anteil an erneuerbaren Energien von 100 Prozent.

Betrieb wird von Montag bis Samstag rund um die Uhr sein. 280 Beschäftigte arbeiten in drei Schichten. Dazu kommen bis zu 30 Managementpositionen. „Wir sind ein Ausbildungsbetrieb“, sagte Siebert. „Auch ein Duales Studium ist bei uns möglich.“

Auch hochqualifizierte Mitarbeiter sehr gefragt

Der verbreiteten Vorstellung, bei Amazon würden im Wesentlichen Mitarbeiter von Regal zu Regal rennen und nur schlichte Tätigkeiten ausüben, hielt er entgegen: „Wir beschäftigen immer mehr Techniker und Mechatroniker.“ Mit den Fortschritten bei Automatisierung und KI-Einsatz wachse der Bedarf an gut qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Es geht hier nicht nur um Logistik“, betonte Siebert. „Es geht also nicht nur darum, Pakete von A nach B zu transportieren. Sondern um viel mehr.“

Auf diesem Gelände an der Carl-Benz-Straße im Ingolstädter Südosten will Amazon das Logistikzentrum bauen. Nach dem Erwerb des Grundstücks sollen die alten Gebäude abgerissen werden - aber natürlich erst, wenn eine Baugenehmigung vorliege, erklärten Amazon-Manager jetzt in Ingolstadt. - Foto: Stefan Eberl

Es müsse niemand befürchten, dass Amazon Ingolstadt in zehn Jahren verlasse. „Das ist nicht unser Ansatz. Amazon trete als Käufer, Bauherr und Betreiber des Grundstücks auf. „Wir haben in Deutschland seit 2014 rund 90 Milliarden Euro in Standorte investiert. Wir kommen, um zu bleiben.“

Fester Vorsatz der Logistiker: Staus in Ingolstadt unbedingt vermeiden

Amazon-Bayern-Chef Florian Amann entkräftete die Sorge, das Verteilzentrum könne in naher Zukunft vollautomatisch und damit mitarbeiterlos laufen: „Trotz mehr Automatisierung beschäftigen wir mehr Mitarbeiter, weil mehr auf der Fläche passiert.“ Höherer Umsatz – höherer Personalbedarf.

Verantwortliche des Onlinehändlers haben das Bauvorhaben am Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss des Ingolstädter Stadtrats vorgestellt. Sie beantworteten bereitwillig jedwede Fragen. - Foto: Christian Silvester

Noch ein Wort der Manager zum steigenden Verkehrsaufkommen, wenn an die 700 Vans sowie zig Trucks Tag und Nacht den Amazon-Stützpunkt nahe der Manchinger Straße ansteuern: Das Letzte, was man wolle, seien Staus. Die werde man unbedingt vermeiden. Man denke bei Amazon immer vom Kunden her. „Wir haben unseren Kunden ein Lieferversprechen gegeben!“ Je schneller der seine Ware bekomme, desto besser für alle. Und für die 500.000 Mittelständler, die über Amazon verkaufen und damit Anschluss an globale Märkte erhalten.

Ingolstädter Stadtrat entscheidet am 26. März

Zum Zeitplan konnten die Manager noch nichts sagen. Alles hänge jetzt vom Genehmigungsverfahren ab. Die Bauvoranfrage sei im Februar eingegangen, berichtete Stadtbaurätin Ulrike Wittmann-Brand. Die geänderten Pläne kamen in dieser Woche, „also recht kurzfristig“. Jetzt prüft die Verwaltung alles so schnell wie möglich, damit sie am 20. März eine Beschlussvorlage präsentieren kann. Am 26. März entscheidet dann der Ingolstädter Stadtrat.

Hier an der Carl-Benz-Straße soll der Amazon-Stützpunkt entstehen. Das Gelände liegt nah an der Manchinger Straße und ist damit nicht weit von B16 und A9 entfernt. - Foto: Stefan Eberl

So reagieren Ingolstädter Stadträte - und das waren ihre Fragen an Amazon

Hans Achhammer (CSU) findet sie „insgesamt positiv“, wies aber auf die „enormen Fahrzeugbewegungen“ hin. 685 Vans sollen in Ingolstadt stationiert werden. „Es wäre schön, wenn die dann alle von Volkswagen sind.“ Das konnten die Gäste von Amazon freilich nicht versprechen.

Finanzreferent Franz Fleckinger interessierte sich für finanzielle Aspekte: Wo werden die Lieferwagen angemeldet? Stichwort Meldegebühren. Antwort: Darum kümmern sich die Logistik-Partner von Amazon. „Das sind klassische Fuhrunternehmer. Sie melden die Vans an.“

Ausbau der B16? Braucht Amazon nicht

Markus Meyer (JU) sagte: „Amazon rennt bei uns offene Türen ein. “ Welches Einzugsgebiet werde von Ingolstadt aus bedient? Antwort: „Wir fahren in alle Himmelsrichtungen und liefern über Ingolstadt hinaus.“ Roland Meier (Die Linke) sieht „eine Chance für Ingolstadt“. Er ist Ingenieur und in der Logistikbranche tätig.

Jochen Semle (Grüne) fragte, ob Amazon für den Ausbau der B16 sei. Amazon-Bayern-Chef Florian Amann antwortete: „Die Verkehrsanbindung in Ingolstadt ist so attraktiv, dass wir damit nichts zu tun haben.“ Amazon brauche keine breitere B16.