Interview mit Kultur-Chef: „Regensburg wird um Pfingsten kulturell explodieren“

Von Marianne Sperb · 5. März 2026 um 11:20

Andere Städte knapsen, in Regensburg ist das Angebot riesig, sagt Referent Wolfgang Dersch und verweist auf Re.Light, Bayerische Theatertage, Tage Alter Musik oder den Bundeswettbewerb Jugend musiziert. Andererseits: Das Velodrom wird dem Theater seiner Einschätzung nach noch bis 2030 fehlen.

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Was hat der Kulturreferent für 2026 Schönes auf der Pfanne?

Wolfgang Dersch: Scharfes, Brutzelndes und was Krosses – das Kulturreferat und die vielen Initiativen in der Stadt bieten ein Riesenprogramm. Eine besondere Freude: Der Bundeswettbewerb Jugend musiziert kommt erstmals nach Regensburg. Die Austragung war bisher nicht möglich wegen der Tage Alter Musik, beides findet an Pfingsten statt. Durch die Aufteilung mit München gelingt das heuer.

Wie viele junge Talente wird Regensburg erleben?

Dersch: Sicherlich 800 bis 1000, dazu Lehrer, Eltern, Familien, Jury aus ganz Deutschland. Es wird mehrere Konzerte geben, wir werden öffentliche Bühnen haben, damit die ganze Stadt die besten Nachwuchsmusiker hautnah erleben kann.

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Ein buchstäbliches Highlight steht schon an: das internationale Lichtkunstfestival.

Dersch: Die zweite Ausgabe von Re.Light zieht ab 12. März wieder ganz spannende Künstler und Künstlerinnen an, etwa aus England, Ungarn, Japan, Spanien. Es wird neue Orte und neue ortspezifische Installationen geben. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Besucher das aufnehmen. Ich bin jedenfalls schwer begeistert. Das Kulturamt hat wieder fantastische Arbeit geleistet.

Wie viele Gäste erwarten Sie?

Dersch: 2024 hatten wir 15 000 Gäste an jedem der zehn Tage. 2026 gehe ich insgesamt von 150 000 Besuchern plus x aus.

Es bleibt bei 15 Schauplätzen?

Dersch: Ja, das hat sich bewährt. Den Rundgang aufzubauen ist logistisch extrem aufwendig und teuer. Wir haben zwei Indoor-Shows: Wir dürfen ins Velodrom, das ist super, und in die Minoritenkirche. Für diese Shows gibt es ein Kombi-Tickets für 14 Euro, für alles andere ist der Eintritt frei.

Wie viel Geld kostet Re.Light?

Dersch: Um die 700.000 Euro. Der Freistaat und örtliche Sponsoren unterstützen, so dass an Regensburg 200.000 bis 300.000 Euro hängen bleiben.

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Die Gäste dürfen ins Velodrom, das wegen Sanierung geschlossen ist. Wie geht’s da weiter?

Dersch: Glücklicherweise hat sich die Politik in Regensburg sehr stark für die Sanierung gemacht, auch dafür, dass Planungsmittel im Haushalt stehen. Jetzt werden die nächsten Schritte der Planung veranlasst, sodass wir hoffentlich spätestens 2030 eröffnen können.

Bislang war die Rede von 2029. Das Theater braucht diese wichtige aber Spielstätte dringend. Muss das so lang dauern?

Dersch: Ich hätte es auch gern schneller. Aber wer sich Kulturprojekte anschaut, etwa in Augsburg oder Würzburg: Da muss man froh sein, wenn das Velodrom zeitgerecht fertig ist.

2006 lag sich halb Regensburg in den Armen: Die Stadt wurde Welterbe. Was ist zum Jubiläum 20 Jahre später geplant?

Dersch: Die bundesweite Auftaktveranstaltung findet in Regensburg statt, am Ende der Pfingstferien. Wir feiern im überregionalen Kontext, eine Auswahl an Vertretern von Welterbestädten aus ganz Deutschland, über 50 insgesamt, präsentieren sich und natürlich gibt es viele Führungsangebote.

Die Bayerischen Theatertage fallen ebenfalls in die Zeit der Pfingstferien.

Dersch: Ein Highlight! Tatsächlich wird Regensburg um Pfingsten kulturell explodieren: Bayerische Theatertage, Tage Alter Musik, Bundeswettbewerb Jugend musiziert, 20 Jahre Welterbe. Innerhalb von drei Wochen hochkarätigste Kultur. Man sollte frühzeitig seinen Kalender koordinieren.

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Wie sind Sie als Kulturreferent ins Theater eingebunden?

Dersch: Im Verwaltungsrat und überregional. Ich bin in der Vorstandschaft des Deutschen Bühnenvereins Landesverband Bayern und im Verwaltungsrat des Deutschen Bühnenvereins. Man sieht hier gut, wie Regensburg gegen den Trend erfolgreich ist. Wir haben ein unglaublich prosperierendes Theater, das Allerschönste: Es erreicht das Publikum. Über 90 Prozent Auslastung, das ist sensationell. Dafür gab es jetzt ja absolut zurecht den Oper! Award.

Dazu kommt am 8. Mai die Erhebung zum Staatstheater. Was erwarten Sie von dem Titel?

Dersch: Viele Städte ringen mit ihren Kultureinrichtungen. Wir haben das Thema auch im Deutschen Bühnenverein. Präsident Carsten Brosda, Hamburger Kultursenator, sagt: Der Bund überträgt ein Viertel seiner Aufgaben an Kommunen finanziert aber nur ein Siebtel. Das Geld, das hier fehlt, ist am Ende das Geld für die kommunale Selbstverwaltung und damit die freiwilligen Leistungen.

Das Theater Regensburg wird künftig halbe-halbe von Stadt und Freistaat gefördert. In Ingolstadt dagegen ist die Situation desaströs, es ist unklar, wie es dort mit dem Theater weitergeht. Wie schauen Sie auf das Spannungsfeld von Geld und Kultur in Regensburg?

Dersch: Ich bedauere sehr, dass Ingolstadt Kulturreferent Marc Grandmontaigne beauftragt hat, Einrichtungen auf ihre Notwendigkeit zu prüfen, also: Braucht man ein Theater noch? Eine Bibliothek? Ein Museum? Das ist fatal. Regensburg darf sich noch glücklich schätzen. Aber ich bin der Meinung, wir sollten aufgrund der Haushaltslage nun konsolidieren und nicht zu hohe Forderungen aus der Kultur stellen.

Bayerns Museen melden gerade Rekordzahlen. Schwimmt Regensburg im Trend mit?

Dersch: Die städtischen Museen, seit 2025 geleitet von Dr. Sebastian Karnatz, sind auf einem wirklich guten Weg. Es wird 2026 mehrere Ausstellungen geben. Die sind auch notwendig, um Besucher zu generieren. Mit der Dauerausstellung allein schaffen wir das momentan nicht, aber die ist ja in der Neukonzeptionierung. Im Februar war der wissenschaftliche Beirat hier. Der ist sehr zufrieden mit der aktuellen Entwicklung.

2024 hatte das Historische Museum nur 22 264 Besucher. Sind die Zahlen konstant niedrig oder noch weiter abgerutscht?

Dersch: Die sind konstant niedrig – aber nicht rückläufig.

Das Dauerproblem im Museum, zu dem die Minoritenkirche gehört: die Skandal-Orgel. Sie wurde für 750 000 Euro aus Steuergeld saniert und produziert nur schrille Heuler. Gibt’s da endlich eine Perspektive?

Dersch: Das ist ein laufendes Verfahren, Details kann ich nicht nennen – aber im März gibt es ein hoffentlich letztes Gespräch der Beteiligten, dann herrscht hoffentlich Klarheit über den weiteren Weg.

Regensburg steht international im Fokus, sagen Sie. Woran machen Sie das fest?

Dersch: Wir haben viele Anfragen. Die Bayerische Museumsakademie tagt heuer hier, die Internationale Napoleon Society, Bayerns Chorleiter und viele mehr. Regensburg ist sehr gefragt. Die Gäste wissen: Man kann hier gut tagen, gut essen, gut trinken und viel Kultur genießen.

Interview: Marianne Sperb