Zwischen Dorf und Glamour: Stephie Braun aus dem Kreis Regensburg will Miss Germany werden

Normalerweise steht die gebürtige Regensburgerin Stephie Braun hinter der Kamera und fotografiert Promis, Politiker und den FC Bayern München. Jetzt rückt die 30-jährige Erfolgsfotografin selbst ins Rampenlicht: Warum Stephie Braun bei Miss Germany antritt – und weshalb Unterpfraundorf für sie wichtiger ist als Berlin.
Frau Braun, normalerweise fotografieren Sie Promis. Jetzt stehen Sie im Rampenlicht. Wo ist für Sie der Unterschied?
Stephie Braun: Das war auf jeden Fall eine neue Erfahrung für mich. Normalerweise bin ich diejenige, die beobachtet und den Raum gestaltet. Jetzt selbst im Fokus zu stehen, hat am Anfang Überwindung gekostet. Über Monate von einem Kamerateam begleitet zu werden, ohne zu wissen, was am Ende gezeigt wird, hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie viel Vertrauen es braucht, sich zu öffnen. Dadurch habe ich die Perspektive der Menschen eingenommen, die sonst vor meiner Kamera stehen. Am Ende geht es immer um Verbindung. Wenn Vertrauen da ist, entstehen die stärksten Bilder und Geschichten.
Das Format Miss Germany ist sehr persönlich. Fällt es schwer, das zuzulassen?
Braun: Ich arbeite viel mit Prominenten und sehe dabei, wie unterschiedlich Menschen mit Öffentlichkeit umgehen. Manche entscheiden sich bewusst dafür, eine Maske zu tragen. Andere, wie zum Beispiel meine Freundin Stefanie Giesinger, zeigen ihren echten Charakter, mit all den Facetten, die da sind. Genau darum geht es auch bei Miss Germany. Ich habe gemerkt, dass genau darin die größte Stärke liegt. Es geht hier nicht nur um meine Arbeit als Fotografin, sondern auch um mich als Mensch: Wer ist Stephie Braun? Woher komme ich? Was hat mich geprägt?
Und wer ist Stephie?
Braun: Stephie ist mit 18 aus Bayern weggezogen. Man kann des Mädl zwar aus dem Dorf nehmen, aber des Dorf ned ausm Mädl! Mein persönliches Fundament ist, nicht zu vergessen, wo ich herkomme. Ich bin ein bodenständiger Mensch vom Dorf – obwohl ich international arbeite und vielleicht ist das sogar mein Erfolgsrezept.
Ist Heimat ein Anker?
Braun: Ja, vor allem meine Familie, auch wenn ich ein Einzelkind bin. Es war und ist immer Familie um mich herum. Aber dann natürlich auch die bayerische Kultur. Das sind Sachen, die man nicht vergisst. Mein Vater hat mir schon als Kind Bücher von Toni Lauerer vorgelesen. Das war schon prägend, durch die bayerische Kultur mit einer gewissen Art von Kreativität in Verbindung zu kommen. Bayern sind Geschichtenerzähler!
Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, sich bei Miss Germany zu bewerben?
Braun: Ich habe im Herbst 2024 Werbeanzeigen auf Instagram gesehen. Dort stand, dass es bei Miss Germany seit der Saison 2019/2020 nicht mehr um Äußerlichkeiten geht, sondern darum, dass Frauen Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen – im Job, wie privat. Da ich genau das auch innerhalb meiner Arbeit als Fotografin möchte, war es direkt ein Match. Als der Brief kam, dass ich in den Top 90 bin, war ich überwältigt und bereit, diese Reise zu starten. Mir geht es bei der Teilnahme vor allem darum, weibliches Potenzial sichtbar zu machen. Da hinkt auch mein Geschäft, die Fotografie, hinterher. Nur ca. zwei von zehn Covern werden von Frauen fotografiert. Und das will ich ändern.
Fotografieren Frauen anders als Männer?
Braun: Ich glaube schon, dass Frauen oft anders fotografieren. Aber nicht, weil sie Frauen sind, sondern weil sie andere Erfahrungen machen. Das prägt, wie sie Dinge sehen. Für mich geht es vor allem um Vielfalt. Ich möchte, dass wir als Gesellschaft mehr unterschiedliche Perspektiven und mehr Menschlichkeit in Bildern sehen. Das prägt meine Arbeit sehr. Und das hat auch viel mit meiner Herkunft aus der Oberpfalz zu tun, wo Gemeinschaft und ein respektvoller Umgang miteinander eine große Rolle spielen.
Was ist denn an Oberpfraundorf besser als an Berlin?
Braun: (lacht) An Unterpfraundorf! Mein Vater hat mir vor unserem Interview mitgegeben, dass ich aufpassen soll.
Entschuldigung! Was ist denn an Unterpfraundorf besser als an Berlin?
Braun: Für mich ist Unterpfraundorf ein Gegenpol. Ich wollte immer international arbeiten, das ist auch toll. Aber ich brauche eine Balance. Mein Heimatdorf, Unterpfraundorf, inspiriert mich!
Sie fotografieren Sportler, aber auch Politiker wie Christian Lindner. Wer war der schwierigste Mensch vor der Kamera?
Braun: Viele prominente Menschen tragen eine gewisse Maske – und das ist völlig verständlich, weil sie ständig in der Öffentlichkeit stehen. Für mich geht es deshalb weniger darum, wer schwierig ist, sondern darum, Vertrauen aufzubauen. Ein Porträt wird immer Teil eines Images, das diese Personen über Jahre aufgebaut haben. Dabei hilft mir mein Female Gaze: Ich arbeite sehr empathisch, mit Nähe und Respekt, um hinter die Fassade zu schauen. Genau diese Herausforderung mag ich am meisten.
Sie arbeiten viel für den FC Bayern, zum Beispiel, wenn der Rekordmeister nach Asien reist. War das eine dieser Herausforderungen?
Braun: Auf jeden Fall. Man muss sich gegen zahlreiche Mitbewerber beweisen. Als erste Frau war ich als Pressefotografin bei der Reise dabei. Das war mega! Aber vor Ort fällt schon auf: Du bist die einzige weibliche Fotografin am Spielfeld, umgeben von etlichen männlichen Kollegen. Das ist absurd! Ab und zu muss man die Quoten-Frau sein. Aber lieber ist da eine Quoten-Frau als gar keine Frau. Im Jahr darauf wurde ich wieder gebucht, weil ich einen guten Job gemacht habe und nicht, weil ich eine Frau bin.
Müssen Sie sich immer noch mehr beweisen als Ihre männlichen Kollegen?
Braun: Ich glaube schon, dass ich hier und da eine Extrameile gehen muss. Ich sehe das im Vergleich zu meinem Partner, der auch Fotograf ist. Er wird bei klassisch männlich konnotierten Themen wie automotive eher gebucht als ich, obwohl ich gleich viele Projekte im Portfolio vorzuweisen habe.
Würden Sie sich als Power-Frau bezeichnen?
Braun: Ich finde den Begriff immer noch etwas lustig, weil es kein männliches Pendant gibt. Haben Sie schon einmal einen Mann „Power-Mann“ genannt? Ich jedenfalls nicht. Aber heute nehme ich ihn für mich mit Humor und besetze ihn positiv. Eine Power-Frau ist für mich eine Persönlichkeit, die weiß, wofür sie steht, Verantwortung übernimmt und ihren eigenen Weg geht. Wenn die Gesellschaft eine ehrgeizige und engagierte Frau so nennen möchte, ist das für mich absolut in Ordnung.
Interview: Amelie Schmid und Philip Hell