„Es blieb kein Cent übrig“: Vom harten Kampf einer Einzelhändlerin in Regensburg

Von Philip Hell · 3. März 2026 um 07:00

Auf einen Schlag verlassen drei Geschäfte die Straße Unter den Schwibbögen – Claudia Rauscher bleibt. Sie führt dort das Peacehändchen. Auf Instagram hat sie einen Hilferuf abgesetzt und hat eine Bitte an die Regensburger.

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„Was mach ich nur ohne euch?“, schreibt Rauscher in dem Post. Am Freitag hat sie ihn verfasst, inzwischen haben ihn 50.000 Menschen gesehen. „Die Claudia aus dem Carakess hat ein Reel gepostet, dass sie aufhört. Das hat für mich den Ausschlag gegeben.“ Der Vintage-Laden wird am 30. April schließen. Die Hintergründe werden in dem Video nicht genauer erläutert – für Peacehändchen-Chefin Rauscher war allerdings ein Punkt erreicht, an dem sie sich Luft machen musste. Denn neben dem Carakess werden mit dem Peacehand und dem Vintastique noch zwei weitere Läden aus der unmittelbaren Nachbarschaft in wenigen Wochen schließen.

Wegweiser zu Lädchen in den Regensburger Gassen?

Für Rauscher steht eine Frage im Mittelpunkt: „Was passiert denn, wenn jetzt überhaupt nichts mehr da ist, was die Menschen in die Straße lockt?“ Ihr Family conceptstore liege relativ weit hinten in der Straße. „Wenn ich vorschaue, sehe ich, dass dort alles voll ist.“ Nur: Die biegen alle von der Goliathstraße in Richtung Donau ab. „An mir kommt kaum jemand vorbei.“ Einheimische verirrten sich kaum durch die Straße. „Im Moment halten uns noch die Touristen am Leben.“

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Um das Thema Sichtbarkeit anzugehen, hätte Rauscher eine Idee: So eine Art Wegweiser an jedem Gasseneingang, der den Leuten zeigt, welche Geschäfte es dort gibt. Ein Designer könnte die Schilder gestalten, die Gewerbetreibenden sie bezahlen. Sie fühlte schon bei der Stadt vor, stieß allerdings nicht auf besonders großes Interesse an der Idee. Der Stadt wolle sie allerdings keinen Vorwurf machen. „Die haben bestimmt wichtigere Sachen zu tun.“

Irgendwie müsse man das Problem allerdings angehen. Denn: „Ich finde schon, dass unsere Stadt vom Einzelhandel lebt.“ Es gebe zwar noch viele Einzelhändler in der Stadt, aber sie nehme wahr, dass es weniger werden. Der Rückgang in ihrer Gasse spreche da für sich. „Der Einzelhandel leidet im Moment.“ Durch Corona habe der Online-Handel massiv zugelegt – zugleich hätten die Menschen schlicht weniger Geld zur Verfügung. „Die Leute schauen natürlich genau, wo sie was ausgeben.“ Das bekommt Rauscher täglich zu spüren: „Januar und Februar waren heuer bitter. Das war der schlechteste Jahresstart, seit ich hier aufgemacht habe. So wenig Umsatz habe ich noch nie gemacht. Das ist schon übel.“ Rauscher sah sich gezwungen, ihre beiden Minijobber für die beiden Monate auszustellen. Sie arbeitete alleine, sechs Tage die Woche – und kam am Ende bei Null raus. „Es blieb kein Cent übrig.“

Peacehändchen in Regensburg: Menschen kommen aus Franken für Barfußschuhe

Ursprünglich war das Peacehändchen ein reiner Kinder-Secondhandladen. Dann wuchs das Projekt, inzwischen gibt es in ihrem Geschäft ein breites Sortiment für die Familie. Zugleich versucht Rauscher, sich zu spezialisieren. Auch, um neue Kunden in ihr Geschäft zu locken. Derzeit setzt sie etwa auf Barfußschuhe. „Das gibt es gar nicht so in Regensburg.“ Sie machte eine extra Ausbildung und hat ein Zertifikat bekommen. „Da habe ich echt eine Nische entdeckt.“ Teilweise kämen Leute aus Franken, nur um Schuhe zu kaufen. „Ich habe schon Hoffnung, dass es auf diese Art und Weise weitergeht. Dann ist es nämlich auch egal, ob ich am Neupfarrplatz sitze oder hier.“

Zugleich betont Rauscher: „Ich liebe diese Gasse. Ich möchte gar nirgends anders hin.“ Trotzdem schmerze sie der Abgang der drei anderen Läden – auch auf einer menschlichen Ebene. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid. „Gerade wenn wenig los war, hatte man nie das Gefühl, allein zu sein. Wir saßen halt im selben Boot.“ Andererseits verstehe sie, warum man den Laden zusperrt. „Das hat ja auch mit Lebensqualität zu tun.“ Es stellt sich schon die Frage: „Wofür macht man das?“

Ein Appell an die Regensburger: Haltet Regensburg am Leben

Auch Rauscher hat sich diese Frage schon gestellt. Aber, sagt sie: „Ich will nichts anderes machen. Dieser Laden ist mein zweites Zuhause geworden.“ Das Geschäft sei die Erfüllung eines Traums. „Es stecken so viel Herzblut, Schweiß und Tränen drin.“ Rauscher ist nicht bereit, das alles aufzugeben. Einen Appell an die Regensburger hätte sie allerdings: „Macht euch Gedanken. Muss man wirklich alles online kaufen – auch wenn es mal günstiger ist? Da kann ein Einzelhandel nicht mithalten.“ Letztlich gehe es darum, die Stadt, in der man lebt, lebenswert zu halten. „Es bringt nix, immer nur zu sagen, dass man so schöne kleine Läden hat, wenn man nicht hingeht.“

Peacehändchen in Regensburg: Weitere Informationen zum Laden

• Adresse: Das Peacehändchen befindet sich in der Straße Unter den Schwibbögen in Hausnummer 6.

• Zeiten: Zwischen 10 und 12 Uhr, sowie zwischen 13 und 17.30 Uhr hat das Geschäft geöffnet. Am Samstag hat der Laden zwischen 10 und 17.30 Uhr durchgehend offen.

• Sortiment: Das Peacehändchen ist auf Familien spezialisiert. Dort gibt es unteranderem Spielzeug, Kleidung, Mode, Dekoration und Schuhe.

• Gebraucht: Der Laden von Claudia Rauscher bietet sowohl Ware aus erster Hand, als auch Second-Hand-Dinge an.

• Kontakt: Zu den Öffnungszeiten ist der Laden unter der Telefonnummer (0941) 78 84 05 90 erreichbar.