Drogendeals statt Taschengeld: „Kokain-Kids“ von Straubing müssen vor Gericht

Von André Baumgarten · 3. März 2026 um 19:00

Acht junge Männer aus Niederbayern, der jüngste gerade 16 Jahre jung, handelten wohl im großen Stil mit Drogen. Deals mit verdeckten Ermittlern wurden ihnen zum Verhängnis – der Mammut-Prozess in Regensburg startet am 12. März.

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In der Rolle als kleine Drogenbarone gefielen sie sich, nannten sich „La Muerta“ oder „unstoppable 2025“. Ihre Geschäfte machten sie in den 5er-BMWs von Mama oder mieteten PS-starke Sportwagen. Der Jüngste unter ihnen war damals gerade 16 Jahre alt. Im April 2025 fliegen die „Kokain-Kids“ von Straubing auf – weil sie Deals mit verdeckten Ermittlern machten. Seitdem sitzen mehrere der Jungs hinter Gittern. Ihr Fall wird der nächste Mammut-Prozess in Regensburg.

Für den Deal auf dem Parkplatz eines Baumarkts in einem Gewerbegebiet in Straubing sind die Kokain-Kids am 7. April bestens präpariert. Einer hat eine Schreckschusswaffe parat, der andere steigt aus, um die vereinbarten 33 500 Euro zu zählen – ohne Geld keine Drogen. 700 Gramm Kokain sollen an jenem Abend übergeben werden. Als die Dealer im Auto des vermeintlichen Käufers sitzen, endet ihr „Ausflug“ in die Welt des Verbrechens. Polizei-Spezialkräfte überwältigen sie und Handschellen klicken.

Ermittler kauften im Auftrag der Staatsanwaltschaft ein

Der Mann, mit dem sie den lukrativen Deal machen wollten, war verdeckter Ermittler. Und er war nicht der erste. Denn die mutmaßliche Bande war seit Monaten im Visier der Kripo. Den Tipp zu einem Straubinger Lokal, von dem aus im großen Stil mit Rauschgift gehandelt werden soll, gab eine geheime Quelle. „Sascha“ heißt die sogenannte Vertrauensperson. So zeigen es Unterlagen, die die Mediengruppe Bayern bei der Recherche einsehen konnte. Die Observation des Objekts und abgehörte Telefonate führten zu den nun Angeklagten. Mehrfach kauften V-Leute mit dem Segen der Staatsanwaltschaft Drogen bei ihnen ein. Rechtlich ist das in engen gesetzlichen Grenzen möglich.

Im Laufe der Ermittlungen kristallisierte sich heraus, dass der Jüngste Ende Februar wohl mit den anderen brach und danach selbst in den Rauschgifthandel einstieg. Da waren die Ermittler schon an ihm dran. Er gab seine Nummer für Deals auf eigene Rechnung selbst an eine Quelle der Polizei weiter. So ordnen zumindest Behörden die Sache ein. Angeklagt sind acht Männer im Alter von 17 bis 23 Jahren wegen teils bewaffnetem und bandenmäßigem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln und Cannabis. Sie werden von einer ganzen Riege namhafter Strafverteidiger aus Regensburg, Straubing und Deggendorf vertreten.

Dieser Fall sorgt aktuell ebenfalls für Schlagzeilen: Prozess mit vermummten Polizisten: Machten Angeklagte Deals mit den Hells Angels?

Über einen besonders bei Jugendlichen beliebten Messenger sollen die Kokain-Kids mit dem Account „straubingcola“ ihre heiße Ware angeboten haben. Gelagert und portioniert worden sein sollen die Drogen in mehreren sogenannten Bunkern in Kellerabteilen, in Hotelzimmern mitten in der Straubinger Altstadt oder in Wohnungen in und rund um Straubing. Gekauft wurde der Stoff nach Überzeugung der Ermittler kurz vor dem Zugriff direkt in Frankfurt am Main. Zum Portfolio eines Angeklagten gehörten offenbar auch Gras und Ecstasy. Dieser Verdächtige soll später zu der zweiten Bande gestoßen sein, so die Überzeugung der Ermittler.

Die nun angeklagten Männer sind zwischen 17 und 23 Jahren alt. Sie stammen aus Straubing, Bogen und Deggendorf. - Foto: Baumgarten

Und genau diesen 19-Jährigen hatte das Amtsgericht in Regensburg zwei Monate nach dem Zugriff am 7. April wieder freigelassen. Eine Chance, die er offensichtlich nicht nutzte: Er soll nur 45 Tage nach seiner Entlassung aus der U-Haft in alte Muster verfallen sein und die Geschäfte wieder aufgenommen haben. Auf dem Gelände einer Schule in Bogen lagerte fast ein Kilo Marihuana, das wurde Anfang September sichergestellt. Der junge Mann landete erneut im Gefängnis.

Lieferten die Angeklagten selbst Beweise für Taten?

Vieles von dem, was die mehr als 20-seitige Anklageschrift enthält, wurde offenbar aus ungesicherten Chats und Mobiltelefonen rekonstruiert. Schwer haben es die Angeklagten der Kripo wohl nicht gemacht – auf Handys fanden sich Fotos, auf denen mit Geldbündeln posiert wird und Videos vom Portionieren und Abpacken des Rauschgifts.

Nur an den Mengen gemessen ist der Straubinger Fall, der von der Jugendkammer am Regensburger Landgericht aufgearbeitet werden soll, selbst für Straubing „unnormal“, sagen Ermittler hinter vorgehaltener Hand. Monatelange waren die Fahnder den Männer und einer Vielzahl von Abnehmern auf den Fersen. Offiziell sagt jedoch keiner was. Dass so junge Menschen so groß ins Drogengeschäft einsteigen, sei „bemerkenswert und alles andere als Alltag“.

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Das dürfte auch für das Mammut-Verfahren gelten, für das die Jugendkammer ab 12. März mit 33 Prozesstagen bis Ende Mai plant, wie Landgerichtssprecher Oliver Wagner auf Nachfrage bestätigte. Der für einen fast einjährigen Prozess gegen einst elf des versuchten Mordes angeklagte Männer im Fall Hemau umgebaut Saal wird dafür genutzt. Ob die Sicherheitsvorkehrungen ähnlich hoch sind, wie im Ende Januar zu Ende gegangenen Verfahren, ist unklar.