Ringen um Räume im Colosseum in Regensburg: Sie sind auch als Gedenkort im Gespräch

Seit die Bar Seppy’s in den Räumen des Colosseums im Regensburger Stadtteil Stadtamhof im Herbst ihre Türen für immer geschlossen hat, ist es still darin geworden. Im Hintergrund tut sich gerade aber einiges in Bezug auf die Frage, wie es hier weitergehen könnte. Klar ist bisher nur: Ein bereits angekündigtes Café wird darin nicht einziehen.
Was ist passiert? Ab dem Jahreswechsel kursierten einige Beiträge in den sozialen Medien, laut derer ein neues Café in Stadtamhof eröffnen soll. Via Instagram suchte jemand bereits nach Baristas für einen Pop-Up Coffee und Breakfast Club mit Barkultur und Events. Einen Eröffnungstermin hatte die Person, die auf Fragen der Mittelbayerischen zu dem Projekt nicht reagierte, aber nicht genannt. „Das Café hat sich inzwischen erledigt“, antwortet Spitalmeister Wolfgang Lindner nun auf Anfrage. Er verfügt laut eigenen Angaben noch 7,5 Jahre über einen Mietvertrag für die Einheit.
Termin von Kulturreferent und Spitalmeister anberaumt
Zuletzt habe es weiterhin ein Gespräch mit Kulturreferent Wolfgang Dersch über eine mögliche Anmietung der Räume durch die Stadt oder einen Verein gegeben, gibt Lindner Auskunft. Spruchreif sei da noch nichts, ein weiterer Termin aber anberaumt, erklärt er. Mehr könne er noch nicht sagen. Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, verwies auf die Frage zum Inhalt dieses Gesprächs auf den Spitalmeister.
Auch ein kürzlich versandter Antrag der Brücke-Fraktion im Stadtrat nimmt die Räume in den Fokus. Die Vorsitzenden Thomas Thurow und Joachim Wolbergs sowie Initiator Thomas Mayr fordern, dass die Verwaltung damit beauftragt wird, umgehend Kontakt mit dem Eigentümer und dem Mieter des Erdgeschosses des ehemaligen Colosseum-Gebäudes in Stadtamhof 5 aufzunehmen, um zu prüfen, ob und zu welchen Konditionen die ehemalige Gaststätte im Erdgeschoss von der Stadt angemietet und als zentraler und moderner Gedenk- und Erinnerungsort genutzt werden kann.
Die Antragsteller schreiben, erfahren zu haben, dass diese Räume zur Vermietung durch die Spitalstiftung anstehen. „Vor dem Hintergrund der langjährigen Suche nach einem zentralen Ort, an dem die Erinnerungskultur der Stadt Regensburg gelebt werden kann, wäre eine mögliche Anmietung und Nutzung dieses Raumes geradezu optimal. Gerade weil das Gebäude in der Nazizeit als Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg genutzt wurde“, heißt es in dem Papier. In den knapp fünf Wochen, in denen das Colosseum im Jahr 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg war, starben über 40 der 460 inhaftierten Gefangenen.
Sollte die Idee der Brücke-Stadträte realisiert werden können, müsse umgehend mit entsprechenden Verhandlungen begonnen werden, fordern diese. Denn in den Augen von Thurow, Wolbergs und Mayr könnte sich die Chance bieten, dort einen lebendigen und modernen Gedenkort zu gestalten. Soweit die Fraktion den Antrag nicht zurückzieht, werde er behandelt werden, kündigt von Roenne-Styra an.
Die Suche nach einem Gedenkort läuft weiter
Zuletzt lief die Suche der Stadt nach einem Gedenkort noch. Ende Dezember hieß es, dass noch keiner gefunden sei und dass es sich um ein laufendes Verfahren handle, weswegen die Stadt keine Antwort auf die Frage geben könne, wie viele Objekte zur Debatte stehen. Es gebe aber ein Konzept, das Gedenkveranstaltungen und die Einrichtung pädagogischer Arbeit im Hinblick auf Extremismusprävention, Demokratiebewahrung sowie Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts vorsehe. Es werde ein Ort benötigt, der die Arbeit der Stabsstelle transparent macht, an dem die Fäden zusammenlaufen und externe Angebote erfolgen können. Dabei bleibt von Roenne-Styra auch jetzt.
Nicht von dieser Debatte tangiert ist der Betrieb im Café Friedl Zwo, das im Colosseum rechts des Eingangs untergebracht ist: Der soll laut Auskunft von Chef Sebastian Plate wie gehabt weitergehen.