Älteste Sozialstiftung der Welt: Spital in Regensburg feiert 800-jähriges Bestehen

Von Rainer Wendl · 27. Februar 2026 um 09:00

Die Spitalstiftung, eine Regensburger Institution, will im zarten Alter von 800 Jahren ihre Schüchternheit ablegen und zeigen, dass sie nicht nur eine Brauerei und einen Biergarten zu bieten hat.

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Die Brauerei und der Biergarten, dafür ist Spital in Regensburg und Umgebung bekannt und beliebt. Ein Segen, zweifellos. Aber irgendwie auch ein Fluch. Mit ein wenig gespielter Verzweiflung meinte Spitalmeister Wolfgang Lindner am Donnerstag sogar: „Das ist schrecklich.“ Denn er und sein Team betonen Jahr und Tag, dass die am Fuß der Steinernen Brücke beheimatete St. Katharinenspitalstiftung so viel mehr ist. Zum großen Jubiläum nehmen sie über zwölf Monate einen neuen Anlauf, um diese Botschaft endlich flächendeckend zu verankern.

Mit 800 Jahren ist Spital nicht weniger als die älteste Sozialstiftung der Welt. „Eine Gemeinschaft, die auf sechs Säulen steht“, wie es Lindner formuliert. Neben der Brauerei und der Gastronomie zählen dazu das Alten- und Pflegeheim, das Archiv, der Forstbetrieb und die Pfarrei. Vom 8. April an, das ist der Todestag des Gründungsbischofs Konrad von Frontenhausen, soll jeder dieser Bereiche ins Licht der Öffentlichkeit treten. „Wir wollen dafür sorgen, dass man uns als Gesamt-Konstellation wahrnimmt“, lautet der Plan des Spitalmeisters.

Auch der Bundespräsident ist eingeladen

Der Spitalforst steht schon am Anfang der Feierlichkeiten im Mittelpunkt. Am 9. April wird bei Ziegelhütte im Gemeindebereich von Lappersdorf ein neuer Eichenwald mit 800 Bäumen gepflanzt, um gleich einmal ein Zeichen für die nächsten Jahrhunderte zu setzen.

Die Spital-Familie ist startklar fürs Jubiläumsjahr: Archivarin Kathrin Pindl, Braumeister Stefan Ertel, Spitalmeister Wolfgang Lindner, Heimbeiratsvorsitzende Elfriede Sedlaty, Braumeister und Technischer Leiter Wolfgang Gabler, Sozialdienst-Leiterin Claudia Dobler, Spitalgarten-Wirt Anton Sperger und die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Isabel Käser (v. re.) - Foto: Wendl

Der erste Höhepunkt des Jubiläums ist der Festakt für das Pflegeheim am 20. Mai. „Das wird ein bunter Nachmittag und ein schöner Abend, bei dem die Bewohner im Mittelpunkt stehen“, führte Sozialdienst-Leiterin Claudia Dobler aus.

Für den größten Publikumsandrang wird trotz allem aber wieder die Brauerei sorgen. Sie wird am Wochenende 19. bis 21. Juni im Spitalgarten gefeiert, unter anderem mit einem Auftritt der Kapelle Josef Menzl zum Auftakt. Zum Finale am Sonntag gibt es einen Festzug und einen Tag der offenen Tür, bei dem alle Sparten des Spitals in Stadtamhof inspiziert werden können.

Wir haben den Bundespräsidenten eingeladen. Da wir die älteste Sozialstiftung der Welt sind, haben wir uns gedacht, dass er durchaus bei uns vorbeischauen könnte.Wolfgang Lindner, Spitalmeister

Ein dritter großer Termin ist der Festakt für die Stiftung am 20. September, möglicherweise mit einem außergewöhnlich hohen Gast. „Wir haben den Bundespräsidenten eingeladen. Da wir die älteste Sozialstiftung der Welt sind, haben wir uns gedacht, dass er durchaus bei uns vorbeischauen könnte“, so Lindner. Die Antwort aus Berlin steht noch aus, ebenso wie ein lang erwarteter Förderbescheid vom Bund. Diesen braucht Spital, um beim Umbau des alten Ökonomiegebäudes in ein Museum und zu Azubi-Wohnungen auf die Zielgerade einbiegen zu können. „Wir rechnen jeden Tag damit“, zeigte sich Spitalarchivarin Kathrin Pindl zuversichtlich.

Zahlreiche Führungen und Vorträge sowie kulturelle Highlights wie ein Ableger des Re:Light-Lichtkunstfestivals in der Spitalkirche runden das Jubiläumsprogramm ab.

Der Blick geht nach vorn: „Für die Ewigkeit konzipiert“

Warum dieses unter dem Motto „800+“ steht, erklärte Pindl ebenfalls: „Wir wollen nicht nur zurückblicken, sondern auch nach vorn. Der Gründungsbischof hat das Spital ja für die Ewigkeit konzipiert.“

Damit für nachfolgende Generationen auch etwas von der 800-Jahr-Feier bleibt, gibt es begleitend zwei große Publikationen. Eine wissenschaftliche zur europäischen Spitalgeschichte ist bereits erschienen, ein hochwertiger Bildband wird am 30. April präsentiert.