Neues Museum und Azubi-Wohnheim: Das hat die Regensburger Spitalstiftung in Stadtamhof geplant

Von Christian Eckl · 28. November 2025 um 17:00

Die Stadt Regensburg wird ein neues Museum bekommen. Und es wird wertvolle Stücke ausstellen, die deutschlandweit ihresgleichen suchen. Die Spitalstiftung hat den Zuschuss aus dem Etat vom Beauftragen der Bundesregierung für Kultur, Wolfram Weimer, genehmigt bekommen. Doch neben einem Museum ist das Projekt im alten Ökonomiegebäude aus den 1700er Jahren viel größer: Auch Wohnungen für Auszubildende sollen entstehen.

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„Als ich 2018 Spitalmeister wurde, stellte ich fest, dass wir einen erheblichen Leerstand hatten – und das an dieser Stelle mitten in der Stadt“, sagt Wolfgang Lindner. Tatsächlich umfasst das Areal des Spitals insgesamt 10.000 Quadratmeter an Fläche. 3000 Quadratmeter davon waren ungenutzt. Seither ist viel passiert: Das Schreiberhaus wurde saniert und zum zentralen Begegnungsort für Vereine ausgebaut. Die Räume sind für diese buchbar. Auch das alte Spitalmeisterhaus wurde auf Vordermann gebracht und modernisiert. Jetzt soll die nächste Bauphase eingeläutet werden: Im kommenden Jahr feiert das Spital seinen 800. Geburtstag. Bis 2028 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Das Projekt trägt den Titel „OIKOS. Katharinenspital.Leben.Arbeit.Kultur.“

Das Spital ist die älteste bis heute durchgehend bestehende Sozialstiftung dieses Landes. Einst gegründet, um die ärmere Bevölkerung zu versorgen. Bischof Konrad IV. zementierte seine Macht, machte gemeinsame Sache mit den immer mächtiger werdenden Bürgern der Stadt und gründete das St. Katharinenspital schließlich im Jahr 1226. Als die Reichsstadt evangelisch wurde, wurde die Leitung des Spitals paritätisch besetzt. Bis heute sitzen neben kirchlichen auch städtische Vertreter in der Stiftung. Spitalmeister Wolfgang Lindner ist zwischenzeitlich der 124. in einer langen Reihe.

Einzigartige Geschichte

Das Spital ist dementsprechend auch ein einzigartiges Stück Stadtgeschichte. Stadtamhof wurde erst 1924 ein Stadtteil Regensburgs. Bis zur Säkularisation Anfang der 1800er Jahre war immer wieder umstritten, ob das Spital nun auf herzöglich bayerischem Grund liegt oder noch zur Reichsstadt Regensburg gehörte. Das Spitalarchiv beherbergt deshalb wohl auch das älteste wächserne Sigel der Stadt Regensburg, das künftig im Museum gezeigt werden soll.

Wir hätten gerne 17 Sozialwohnungen gebaut, aber die Stadt wollte 500.000 Euro Ablöse für Stellplätze von uns. Das wollten wir aber nicht als Sozialstiftung.Wolfgang Lindner, 124. Spitalmeister

Aufregend für historisch Interessierte dürften auch die Urkunden sein, die Bischof Albertus Magnus in seinen zwei Jahren in Regensburg unterzeichnete – eine davon ist aus dem Jahr 1260, also aus den ersten Jahrzehnten des Spitals. Auch Bilder von Albrecht Altdorfer aus einem Altar, die derzeit noch an das Historische Museum verliehen sind, werden gezeigt. Eine Katharinenstatue aus dem 13. Jahrhundert soll ebenfalls in die Ausstellung.

Aber auch ein ganz anderes Stück: „Wir zeigen einen Teddybären, ein Stück eines Heimbewohners, der in seinen letzten Lebensmonaten das als das wertvollste Stück in seinem Leben betrachtete“, sagt Lindner. Goldbarren wärmen nicht, wenn man bettlägerig ist. „Diese emotionalen Stücke wollen wir auch zeigen, um damit auch den Bedürfnissen unserer 78 Bewohner Geltung zu verschaffen, denn um die geht es in allem, was wir hier machen.“

Diese wertvolle Urkunde aus dem Jahr 1260 wurde von Bischof Albertus Magnus unterschrieben. Sie ist bisher im Spitalarchiv gelagert, soll aber ausgestellt werden. - Foto: Isabel Käser

Dass das Spital nördlich von Regensburg 700 Hektar Wald besitzt und bewirtschaftet, wissen zudem viele Regensburger nicht. Deshalb wird auch ein Stück „Spitalwald“ zu sehen sein im neuen Museum, das sinnbildlich für die Einnahmequelle steht, mit der die Stiftung sich und die Bedürftigen durch die Jahrhunderte brachte. Heute ist die Bewirtschaftung des Waldes ein wichtiger Bestandteil für die Finanzierung des Altenheims und den Löhnen im höchsten Tarif in der Pflege.

Eine historische Bierflasche steht für die älteste Stiftungsbrauerei der Welt. - Foto: Hammerich

Doch nicht nur ein Museum soll in dem ehemaligen Ökonomie-Gebäude entstehen. Im ersten Stockwerk baut die Stiftung genau das, was die Stadt nach Angaben der Oberbürgermeisterin nicht selbst kann: Wohnungen für Auszubildende. Zehn sollen es werden, knapp 30 Quadratmeter ist jede einzelne groß.

Mietpreis wird festgelegt

„Wir hätten gerne 17 Sozialwohnungen gebaut“, erzählt Lindner. Doch er hatte nicht damit gerechnet, dass die Stadt ihn dazu verpflichtet hätte, 24 Stellplätze vorzuhalten. Die hatte der Spitalmeister nicht. Die Stadt „wollte dann 500.000 Euro Ablöse für Stellplätze von uns“, sagt Lindner. Doch das könne doch eine Stiftung nicht zahlen, wenn der Stiftungszweck allein das Soziale sei. „Bei Azubi-Wohnungen gilt diese Regelung nicht, wir brauchen jetzt zwei Stellplätze – und die kann ich entbehren.“

Spitalmeister Wolfgang Lindner im Dachstuhl des Alten Ökonomiegebäudes. - Foto: Florian Hammerich

Dafür legt die Regierung der Oberpfalz die Preise für die Appartements fest, die übrigens nicht nur von Azubis im Spital bewohnt werden können, sondern auch von anderen Auszubildenden, die sich darum bewerben. Im Gegenzug für die staatlichen Mittel, die für die Errichtung fließen, ist der Mietpreis auf knapp 300 Euro kalt begrenzt – für Stadtamhof ein tatsächlich sehr günstiger Preis. Bisher denken die meisten Regensburger an Bier und Biergarten, wenn sie ans Spital denken. „Darüber hinaus steht die Spitalstiftung noch für viele weitere Aspekte von Regensburger Kultur“, verlautet es dann auch von Braumeister Wolfgang Gabler. Kultur, Soziales und Bier: Im Spital ein Dreiklang, zu dem sich mit der Spitalkirche und der Geschichte der Stiftung auch noch als Viertes der Glaube gesellt.