Vier Bischöfe waren dagegen: Jetzt soll Rom den Bruderzwist schlichten

Von Christian Eckl · 25. November 2025 um 11:00

Die Katholische Kirche in Deutschland steht vor einer Zerreißprobe. Am vergangenen Wochenende kamen in einem sogenannten Synodalen Ausschuss 70 Mitglieder zusammen – eigentlich hätte das Gremium 74 Mitglieder. Doch die Bischöfe von Eichstätt, Regensburg, Passau und Köln hatten sich gegen das Gremium ausgesprochen.

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Sie blieben dem Treffen fern. Jetzt wurde eine Satzung für einen Synodalen Rat beschlossen. Spaltet der Synodale Weg die Katholische Kirche in Deutschland?

Um den für Laien schwer verständlichen Streit auf den Punkt zu bringen: Eine Mehrheit der deutschen Bischöfe glaubt, dass man durch Beteiligung von Laien an Entscheidungen der Bischöfe die Krise der Katholischen Kirche überwinden könnte. Die vier Bischöfe, die sich gegen diese Beteiligung von Laien stellen, hatten aber bislang stets die Kurie und den Papst an ihrer Seite. Im Kern geht es darum: Während Bischöfe in der evangelischen Kirche gewählt sind und die Leitung demokratisch aufgebaut ist, glauben Katholiken daran, dass das Bischofsamt von Gott gestiftet ist und man sich als Bischof in der Nachfolge der Aposteln befindet.

Dürfen Laien in der Katholischen Kirche jetzt mitreden?

Was in der demokratischen Gesellschaft sperrig klingt, beschreibt den Streit in der Deutschen Bischofskonferenz: Dürfen Laien Entscheidungen mittreffen? Die neue Satzung sieht dies explizit vor. Allerdings hat man einen Satz eingefügt, der wohl auch als Resultat der römischen Intervention zu werten ist: Die Synodalkonferenz „achtet die verfassungsgemäße Ordnung der Kirche und wahrt die Rechte der Diözesanbischöfe und der Deutschen Bischofskonferenz sowie der diözesanen Verfahren und Gremien“, heißt es darin. Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer hatte im Verband der Diözesen Deutschlands ebenso wie der Passauer Bischof Stefan Oster und der damalige Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke gegen einen Synodalen Rat gestimmt.

Sitzung des Ständigen Rates der Bischofskonferenz thematisiert die neue Satzung

Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gehört zu den Kritikern des Synodalen Wegs. Da im Diözesen-Verband das Einstimmigkeitsprinzip in Finanzfragen gilt und vier Bischöfe dagegenstimmten, mussten die restlichen 23 deutschen Bischöfe einen eigenen Verein gründen. Aus dem heraus wurde nun eine Satzung beschlossen, die für die einen die Kirche in Deutschland nachhaltig reformieren soll. Möglicherweise wird diese aber den Spaltpilz weiter in die Bischofskonferenz treiben.

Fraglich ist, wie die vier kritischen Oberhirten nun die neue Satzung bewerten. Was sagt nun der Regensburger Bischof zu der neuen Satzung? Gegenüber dieser Zeitung zunächst einmal gar nichts. Auf Anfrage ließ er mitteilen, dass er sich nun auf dem Weg zum Ständigen Rat befinde, wo die am Wochenende beschlossene Satzung Thema sein werde. Bei der Deutschen Bischofskonferenz hieß es auf Anfrage, der Ständige Rat komme nichtöffentlich meist in Würzburg zusammen.

Regensburgs Bischofs Rudolf Voderholzer (li.) – hier mit seinem Generalvikar Roland Batz kürzlich bei einem Medienempfang – hat sich bisher kritisch zu einem Synodalgremium geäußert. Er und drei weitere Bischöfe sahen sich dabei unterstützt von Rom. - Foto: Eckl

Bereits am 12. November kam es zu einem erneuten Treffen deutscher Bischöfe mit Vertretern der Kurie in Rom. Mit dabei waren neben den Bischöfen von Augsburg, Trier und Essen mit Georg Bätzing der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Als Gast hatten sie den Passauer Bischof Stefan Oster mitgenommen. „Der Dialog war erneut von einer ehrlichen, offenen und konstruktiven Atmosphäre geprägt“, hieß es in einem sehr knappen Statement. Und weiter: „Es wurden verschiedene Punkte des künftigen Statuts eines synodalen Gremiums der Kirche in Deutschland – Synodalkonferenz genannt – in Bezug auf seinen Charakter, seine Zusammensetzung und seine Kompetenzen erörtert.“

Uns haben die Bischöfe gesagt, dass Rom für diese Satzung die Recognitio erteilt. Das haben uns die Bischöfe erzählt, die mit in Rom dabei waren.Thomas Schüller, Kirchenrechtler und im Synodalen Weg aktiver Laie

Von Seiten der Kurie beteiligten sich die Kardinäle Kurt Koch und der Präfekt der Glaubenskongregation, Victor Fernández. Er wurde noch von Papst Franziskus eingesetzt, der den Synodalen Weg in Deutschland eher kritisch sah. Auch der Glaubenspräfekt hatte sich in der Vergangenheit sehr kritisch geäußert: „Das Risiko des Synodalen Wegs liegt darin zu glauben, dass die Kirche in Deutschland aufblühen wird, wenn sie einige progressive Neuerungen zulässt“, sagte er in einem Interview.

Ob das nach wie vor die Position Roms ist, ist unklar. Doch es gibt angeblich Signale. „Uns haben die Bischöfe gesagt, dass Rom für diese Satzung die Recognitio erteilt“, sagte der Kirchenrechtler Thomas Schüller. „Das haben uns die Bischöfe erzählt, die mit in Rom dabei waren.“ Auch dass Stefan Oster mit dabei gewesen sei, sei ein Zeichen, „dass sich der Wind dreht“.

„Resozialiserung für die vier“

Recognitio bedeute laut Schüller „mehr als eine Billigung“, so der Kirchenrechtler. Sie bedeute vielmehr, dass eine Satzung mit päpstlichem Recht konform ist. Er vergleicht das neue Gremium übrigens mit den Kirchensteuergremien: „Da sitzen Leute aus der Basis wie der Caritas mit den Bischöfen zusammen, das wurde von Rom auch als kirchenrechtlich einwandfrei eingestuft.“ Würde Rom sein Placet geben, dann müssten laut Schüller die vier Bischöfe, die bislang dagegen waren, „resozialisiert werden“, scherzt der Theologe.