Eine Stadt in der Stadt mitten in Regensburg: „Spitalien“ öffnet sich

2026 wird das Regensburger Spital 800 Jahre alt. Zu diesem runden Geburtstag schenkt die Einrichtung, die zu den ältesten Sozialstiftungen weltweit gehört, den Bürgern eine Stadt in der Stadt.
In der Jugendsprache bekommen auch Regensburger Orte mitunter neue Namen. Die Fürst-Anselm-Allee wird „Pilzpark“ genannt, Stadtamhof mutiert zu „Spitalien“. Wegen der mediterranen Lebensart, die sich ganzjährig am Brückenbasar breitmacht, sobald länger als 15 Minuten die Sonne scheint.
Aber: „Spitalien“ gibt’s in gewisser Weise wirklich, denn die St. Katharinenspitalstiftung verfügt wenige Meter von dieser Amüsiermeile entfernt über ein großes, der Öffentlichkeit bislang kaum zugängliches Areal. Das wird gerade gründlich umgestaltet. Zur 800-Jahr-Feier des Spitals 2026 soll alles fertig sein.
„Wir haben hier 3000 Quadratmeter Fläche, die nicht genutzt ist – und das mitten in Stadtamhof.“ Spitalmeister Wolfgang Lindner muss schmunzeln, wenn er sich die Ausgangslage des riesigen Bauprojekts vor Augen führt, mit dem die Stiftung seit gut fünf Jahren beschäftigt ist.
Ein Stall als Bürger-Treffpunkt
Es begann 2019 mit der Sanierung der Spitalkirche. Diese war zwar schon früher relativ gut frequentiert, doch neuerdings wird sie ein immer gefragterer Ort für Hochzeiten und Taufen.
„Ich kann das verstehen, das ist ja auch ein wunderbarer Raum. Weil die Kirche tagsüber immer geöffnet ist, kommen auch viele Leute zwischendurch rein, um einfach mal ein bisschen Ruhe zu haben. Und wer im Sommer der Hitze entfliehen will, hat es da drinnen zehn Grad kühler“, sagt Lindner und führt weiter zum zweiten Sanierungsobjekt, dem Spitalmeisterhaus. Hier ist die neue Nutzung bürotechnischer Art, die Sektion Regensburg des Deutschen Alpenvereins, ein Architekt sowie der Kinderhospiz-Dienst haben sich eingemietet.
Gleich nebenan liegt die große Baustelle des Schreiberhauses. Dieses ist knapp 600 Jahre alt und hat im Lauf seiner Geschichte unter anderem als Wohnung des Spitalschreibers gedient, daher der Name.
Nach langem Leerstand soll es demnächst richtig aufblühen, wie der Spitalmeister erläutert: „Es gibt allein in Stadtamhof und Steinweg 48 Vereine. Die und viele weitere Vereine und Organisationen im gesamten Stadtgebiet stehen oft vor dem Problem, dass es zu wenig günstige Räumlichkeiten für Versammlungen gibt. Das Schreiberhaus wird zum Vereinsheim für die Regensburger Bürger.“
Herzstück ist der ehemalige Pferdestall im barrierefrei gestalteten Erdgeschoss. Er wird zum Veranstaltungssaal mit Platz für 40 Personen, Küche und modernster Technik umgewandelt, bei schönem Wetter lässt sich der direkt danebenliegende 150 Quadratmeter große Garten gleich mitnutzen. Drei Büroräume im ersten Stock, die ebenfalls flexibel gemietet werden können, runden das Angebot ab.
Am 1. Dezember der Stadt übergeben
Das Konzept eines Bürger-Treffpunkts und vor allem der enorme Bedarf für einen solchen haben auch die Stadt überzeugt. Nach Abschluss der zwei Millionen Euro teuren Sanierung und der Einweihung am Hochfest der Heiligen Katharina am 25. November wird die Immobilie am 1. Dezember an die Stadt übergeben. Sie pachtet das Haus für 25 Jahre und kümmert sich um Betrieb und Buchungsmanagement.
Die Nutzungsregeln hat schon vorab das Spital festgelegt. Für Feste und Feiern stehen die Räumlichkeiten nicht zur Verfügung, eine Ausnahme sind lediglich zweimal in der Woche Kindergeburtstage. Und: Politische Parteien dürfen das Schreiberhaus ebenfalls nicht für Veranstaltungen nutzen. Ansonsten aber soll das sanierte Kleinod an möglichst vielen Tagen bis 22 Uhr allen offenstehen. „Es wird eine Anlaufstelle für die ganze Stadtgesellschaft, so wie es das Spital seit 1226 ist“, freut sich Kathrin Pindl, Wissenschaftliche Leiterin der Stiftung.
Sie und Lindner haben aber noch viel mehr vor. Wenn das Schreiberhaus fertig ist, geht es mit der Sanierung des Ökonomiegebäudes weiter.
Wie eine Stadt in der Stadt
In dessen Obergeschoss sind zwölf Wohneinheiten für das Pflegepersonal des Spitals geplant, im Parterre entsteht ein Museum. Exponate hat Pindl dafür mehr als genug, unter anderem sollen das bislang im Archiv schlummernde älteste Siegel der Stadt und eine 550 Jahre alte Katharinen-Statue dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Den naheliegenden Gedanken, sich mit dem Spital-Museum in die städtische „document“-Riege einzureihen, hat man übrigens verworfen. „Wir haben es jetzt 800 Jahre geschafft, weder zur Kirche, noch zur Stadt zu gehören. So soll es bleiben, das Museum machen wir selber“, sagt der Spitalmeister so selbstbewusst, wie man eben sein kann mit einer derartigen Historie im Rücken.
Deshalb wird zum großen Jubiläum auch nicht gekleckert, sondern geklotzt. Insgesamt 15 Millionen Euro kostet die Umgestaltung des Areals, die das Spital sich selbst und den Regensburgern zum runden Geburtstag schenkt. Dazu gehört neben den Gebäuden auch der große Innenhof mit Linde und Sitzbank sowie die Grünfläche des ehemaligen Friedhofs. All das wird dauerhaft und rund um die Uhr zugänglich sein. „Spital macht auf, eine Stadt in der Stadt“, sagt Lindner dazu. Man könnte es auch so formulieren: „Spitalien“ öffnet sich.


