Frischer Wind und Ärger im Regensburger In-Viertel: Stadtamhof in ständigem Wandel

Immer wieder eröffnen im Regensburger Stadtteil Stadtamhof neue Läden. Andere tun sich mit der Nutzung der Ladenzeile schwer. Etliche Themen sorgen für Gesprächsstoff auf den auch im Herbst noch beliebten Freisitzen Spitaliens.
Ob es die Rückkehr des Perivoli ist, die Eröffnung des Bistros Karls am Brückenbasar oder die des Lokals Green Heaven – die Geschäftswelt zwischen Bruckmandl und Pylonentor hat sich in diesem Jahr rasant verändert. Inzwischen gibt es auch Klagen über Belastungen durch die Gastronomie und Feste sowie Kritik an der geplanten Verkehrsberuhigung.
■ Nach Neuauflage: Wie geht es mit dem Weinfest weiter?
Mit dem Weinfest gaben Stefan Kappl und Stefan Hurzl-meier Stadtamhof im September eine Institution zurück – nach sechs Jahren Pause seit 2019. An dem Wochenende pilgerten Tausende über die Steinerne Brücke, um sich die Neuauflage anzusehen. Wie soll es damit also weitergehen? Gerade sind die beiden Organisatoren aus dem Urlaub zurückgekehrt. In den kommenden Wochen wollen sie sich Weihnachtsmärkten widmen. Im neuen Jahr aber wollen sich die beiden zusammensetzen und überlegen, ob sie das Weinfest auch weiterhin veranstalten wollen, sagt Kappl. So viel verrät er schon: Die Rückmeldungen, die er bekommen habe, seien durchwegs positiv gewesen. Deswegen geht er davon aus, dass das Weinfest höchstwahrscheinlich wieder stattfinden wird.

■ Zieht eine neue Apotheke oder ein Einzelhandel ein?
An dem Leerstand mit der Adresse Stadtamhof 3 hängt ein Zettel, mit dem nach einem Mieter für die Gewerbeeinheit gesucht wird. Auf Anfrage meldet sich der Rechtsbeistand der Eigentümerfamilie (Name der Redaktion bekannt) zurück. Er will anonym bleiben, kündigt aber an, dass diese Räume einer dem Stadtteil und insbesondere den Anwohnern der Stadtamhofer Hauptstraße dienenden Funktion zugeführt werden sollen: als Ärztehaus, Apotheke oder nahversorgender Einzelhandel. Eine gastronomische Nutzung sei nicht beabsichtigt. Der Mann spricht von außergewöhnlichen Belastungen, die ansässige Gastronomiebetriebe, Dultwochen, vor allem aber Feste und Veranstaltungen für die Hauptstraße mit sich bringen. Diese sollen nicht noch weiter anwachsen – so der Wunsch der Eigentümer. „Die Zustände hinsichtlich Ruhestörungen, Vandalismus, Pöbeleien und sonstigen Zumutungen werden seitens der Anwohner in den letzten Jahren als stetig zunehmend und erheblich belästigend wahrgenommen“, schreibt der Rechtsbeistand der Eigentümerfamilie. Die Pläne für die Verkehrsberuhigung bezeichnet er zudem als wenig zweckdienlich bis erheblich störend für die Vermietung. Auch eine Fußgängerzone werde als völlig ungeeignet empfunden, schreibt er für die Eigentümerfamilie. Es seien bereits Vorhaben im medizinischen Bereich und eine unverbindliche Vorplanung eines überregionalen Einzelhändlers an dieser Überlegung gescheitert.
■ Abschied vom Seppy's nach nur eineinhalb Jahren
Auch ein paar Meter weiter steht eine Einheit im Erdgeschoss leer: Dort war bis vor kurzem das Seppy's untergebracht, das seine Türen erst im April 2024 geöffnet hatte. Martha Michal hatte die Bar nach ihrem Dackel benannt und sich auf das eigene Lokal gefreut. Seit einigen Wochen aber ist der Freisitz verwaist. Durch das Schaufenster sind noch Saftkisten zu sehen. Michal wollte sich nicht dazu äußern, warum sie das Lokal schloss.
■ Miete für nichts: Stadt trennt sich von Leerstand
Unklar ist auch, wie es mit den Räumen im Erdgeschoss An der Schierstadt 2 weitergeht. Die Stadt hatte sie vor fünf Jahren angemietet, um dort eine Mittagsbetreuung oder einen Erinnerungsort einzurichten. Beides wurde nichts. Jetzt erklärte Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt: Das Mietverhältnis endet mit diesem Monat.

■ Naturwissenschaft pur: Neuer Lernort für Kinder
Andere dagegen wagen einen Neustart. Das sind Susanne Brunner, Nina Sindersberger, Sabine Wallender und Luisa Scheck vom Projekt Forschjung. Im Juni haben sie Räume hinter einem der Schaufenster in Stadtamhofs Ladenzeile bezogen. Hier geben sie Experimentierkurse für Kinder. In diesem Monat stehen beispielsweise noch die Ernährungsdetektive auf dem Plan. Aber auch Erkältungskrankheiten, Milchzähne oder optische Täuschungen sind Thema bei diesen Veranstaltungen. Die vier Frauen haben schon bemerkt, dass viele Passanten neugierig durch die Scheibe schauen und wissen wollen, was hier passiert.
■ Kaffeeröster ist heimisch geworden und hat Ideen
Im März hat Sebastian Plate ein Café mit angeschlossener Rösterei in Stadtamhof eröffnet, der ein weiteres Café mit dem gleichen Namen in der Obermünsterstraße betreibt. Auch er freut sich über Nachfrage. So habe sich die Kundschaft bei ihm erkundigt, ob es hier nicht einen Mittagstisch geben könnte. Darüber denkt er nun nach.