Spanier zeichnet Domdetails: Der erste Gastkünstler ist im Wiedamann-Haus in Regensburg eingezogen

Von Heike Haala · 30. Oktober 2025 um 07:00

Ein Krach in der im Sommer 2023 noch bestehenden Koalition, das Rätsel um ein Geheimversteck hinter einer Tresortür und den Garderobenhaken eines Einbauschranks, die Sanierung des denkmalgeschützten Komplexes mit etlichen Gebäudeteilen aus dem 13. Jahrhundert und 100 Räumen für sieben Millionen Euro: Die Adresse, an die Víctor Sánchez de la Peña vor zehn Tagen zog, hat in den vergangenen Jahren für etliche Schlagzeilen gesorgt.

Der Spanier ist der erste Künstler, der eines der beiden Ateliers im Wiedamann-Haus bewohnt. Er soll hier bis 14. Dezember leben und arbeiten. Möglich wurde das durch das Künstleraustauschprogramm Regensburg Arts-in-Residence (RAir), das nun Fahrt aufnimmt. 120 000 Euro lässt die Stadt sich das Projekt pro Jahr kosten. Darin ist die Miete für die Räume enthalten, zu deren Höhe es keine Auskünfte gibt. Hinzu kamen die Kosten für die Erstausstattung. Hervorgegangen ist das Programm aus dem Gastatelier im Andreasstadel, wohin das Kulturamt bereits zuvor internationale Künstler eingeladen hatte.

Die ersten Eindrücke

Sánchez de la Peña ist 1987 geboren und kommt aus Valladolid. Das liegt zwischen Madrid und der nordspanischen Atlantikküste. Der Künstler beschreibt die Landschaft dort als flach und voller Getreidefelder.

Himmelsblick aus dem Innenhof eines der Ateliers - Foto: Heike Haala

Hier sei ihm in den vergangenen Tagen besonders die Steinerne Brücke im Gedächtnis geblieben und diese lange, gerade Straße mit der Häuserzeile auf der anderen Seite des Flusses: Er spricht von Stadtamhof. Am Wochenende hat ihm ein Besuch im Kunstverein Graz große Freude bereitet, erzählt er. Außerdem kundschafte Sánchez de la Peña gerade aus, welcher Supermarkt ihm am meisten zusagt.

Aber natürlich, er ist zum Arbeiten hier. Deswegen habe er sich eine Führung durch das Innere des Doms geben lassen, um Detailaufnahmen zu machen. Erste Skizzen davon hängen schon an einer Tafel in dem Atelier. Außerdem hat der Künstler sogenannte Moodboards erstellt. Dafür hat er im Internet nach Begriffen mit dem Wortteil „core“ (Deutsch: Kern) gesucht und geschaut, welche Bilder die Suchmaschinen für ihn zusammenstellen. Diese hat er auf dem Laptop mit seinen Fotografien aus Regensburg gemischt. Dabei beschäftigt ihn die Frage, warum das Mittelalter viele junge Menschen bewegt. Sánchez de la Peña glaubt, dass die Gegenwart vieles mit dem Mittelalter gemeinsam hat: Beides sind für ihn Zwischenzeiten, in denen eine Ära zu Ende geht und eine neue Beginnt. Von diesem Dialog könnte sein Werk handeln.

Weitere Künstler stehen fest

Heute soll auch die zweite Künstlerin einziehen. Das ist Anastasiia Leliuk aus der Ukraine, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt an. Ihr Aufenthalt ist bis 19. Dezember geplant. Die Werke, die Leliuk und Sánchez de la Peña in den kommenden Wochen schaffen, sollen voraussichtlich im Dezember im Schaukasten „neunkubikmeter“ in der Pustet-Passage gezeigt werden. Am 15. November werden die Räume in der Brückstraße – in denen sich auch der berühmte Schrank mit Versteck befindet – erstmals für Besucher geöffnet sein. Weiter plane das Kulturamt, die Kunst- und Kulturszene an der Gestaltung des RAiR-Programmes teilhaben zu lassen.

Die ersten Skizzen für das Abschlusswerk. - Foto: Heike Haala

Auch die nächsten Kunstschaffenden, die nach Regensburg kommen, stehen laut von Roenne-Styra schon fest: Frédéric Storup aus Frankreich wird von Januar bis März in Regensburg zu Gast sein. Nika Perne aus Slowenien soll im März zur zweiten Ausgabe des Re-Light Festivals in die Brückstraße ziehen. Sie kuratierte bereits die gefeierte Premiere des Festivals vor zwei Jahren. Von Mitte April bis Mitte Juni soll Martina Mezak aus Kroatien im Rahmen des Month of Creativity zu Gast sein. Im März sowie von April bis Mai ist im Gegenzug vorgesehen, dass Regensburger Künstler in Linz sowie in Clermont-Ferrand arbeiten.

An diesem Tag haben die Studios geöffnet

• Einblicke: Am 15. November sind die Ateliers in der Brückstraße erstmals für Besucher geöffnet. Zwischen 14 und 19 Uhr können sie die Räume erkunden und mit den Gastkünstlern Anastasiia Leliuk aus der Ukraine sowie Víctor Sánchez de la Peña aus Spanien ins Gespräch kommen.

• Führungen: Um 14 Uhr und um 18 Uhr starten Führungen durch die Atelierwohnungen.

• Vorträge: Um 14.30 Uhr und um 16 Uhr sind Vorträge von Dr. Caroline Ebeling über die Historie des Wiedamann-Hauses geplant. Sie ist Leiterin der städtischen Galerie im Leeren Beutel und hat im Juli 2019 ihre Promotion zum Thema „Silber für jedermann: Die Zinnkunst der Firma Wiedamann“ abgeschlossen.