Artists in Residence: Entscheidung zu Künstlerprojekt im Wiedamann-Haus in Regensburg gefallen

Die Stadt soll Künstler anwerben und für eine gewisse Zeit in Atelierwohnungen im Wiedamann-Haus in der Brückstraße unterbringen. Die ersten von ihnen könnten schon bald einziehen.
Das Artist in Residence Projekt in der Brückstraße 4 wurde am Mittwoch beschlossen, berichtet Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, aus der nicht öffentlichen Sitzung. Jetzt will das Kulturamt am 1. September mit dem Regensburg Arts-in-Residence (RAiR) starten. Dazu sollen zwei Wohnateliers im Bereich der früheren Zinngießerei des Wiedamann-Hauses angemietet werden. Die Gastkünstler sollen darin wohnen, arbeiten und ausstellen, heißt es in der Vorlage, mit der der Kulturausschuss das Projekt vor zwei Jahren auf den Weg brachte. In dem Papier ist auch von dem Raum mit dem Geheimversteck hinter einem Einbauschrank die Rede, in dem ein Aufenthalts- und Veranstaltungsort entstehen könnte. Aktuell komme es zu den letzten Einbauten, wie der Küche, und Fertigstellungen, wie der Restaurierung der Originaltüren, seitens des Vermieters, erklärte Kulturreferent Wolfgang Dersch zuletzt.

Neben Anschaffungskosten für Möbel sollen jährliche Ausgaben von etwa 120000 Euro für Miet- und Nebenkosten, Stipendien und Honorare sowie Materialbedarf und Veranstaltungen anfallen. Durch die Beteiligung Regensburgs am Netzwerk CreArt könnten einige Positionen wie Honorare, Reisekosten, teilweise Miete und Ausstattung kompensiert werden, kündigte Dersch an.
Um Künstler zu finden, die diese Räume mit Leben füllen, will das Kulturreferat auf die Partnerstädte zugehen, aber auch einen Open Call bei CreArt mit seinen 13 Partnern aus mittelgroßen europäischen Städten und Institutionen veröffentlichen. Über 400 Künstler sowie 200 Kuratorinnen und Kulturmanager haben laut der Vorlage bereits von so einem Aufruf profitiert. Alleine in der Förderperiode bis 2026 habe das Konsortium 45 Artist-in-Residence-Aufenthalte in 15 europäischen Städten, 40 öffentliche Veranstaltungen zum European Month of Creativity in über 13 Städten des Netzwerks, 13 Bildungsprogramme zur Förderung von Kreativität und Erweiterung des Wissens rund um zeitgenössische Kunst, 18 Street-Art-Festivals und zehn Festivals der Galerien in insgesamt neun Städten sowie sechs europaweite Konferenzen geplant. Regensburg beteilige sich neben der Anwerbung von Gastkünstlern mit drei weiteren Projekten.
Diese Einrichtungen sind Teil von Create
• Spanien: Valladolid, Fundación Municipal de Cultura
• Portugal: Aveiro
• Polen: Lublin
• Kroatien: HDLU-Zagreb, Croatian Association of Fine Artists
• Mazedonien: Skopje
• Litauen: Artkomas-Kaunas
• Frankreich: Rouen und Clermont-Ferrand
• Italien: Venedig
• Lettland: Liepaja
• Tschechien: Kulturhauptstadt Budweis 2028
• Finnland: Oulu
• Atelierhaus Salzamt Linz
• Bluecoat Liverpool
• Hafenkombinat Leipzig
• Artists Council Dialogue Lviv
Als das Projekt im Kulturausschuss vor zwei Jahren zum ersten mal zuer Sprache kam, gab es die Rathauskoalition noch. Die Abstimmung während der Sitzung sollte in einem Debakel enden und tiefe Gräben offenbaren. Zuletzt überstimmte die SPD ihre Bündnispartner mit der Opposition. Dagegen waren aber die Partner der CSU, der Freien Wähler und der FDP. Erhard Brucker von der AfD war ebenfalls gegen Derschs Projekt. Und so waren es die Stimmen der Grünen, der Brücke, der ÖDP und von Jakob Friedl (Ribisl) aus der Opposition, die die Abstimmung im Sinne der Oberbürgermeisterin, des Kulturreferenten und der SPD-Fraktion drehten.
In der Zwischenzeit hat das Wiedamann-Haus in der Brückstraße riesige Umbauarbeiten erfahren, die in der vergangenen Woche während eines Rundgangs gezeigt wurden. Projektleiterin Prisca Schank zählte auf, was entstanden ist: In dem über 1000 Quadratmeter umfassenden Komplex gebe es nun 15 Wohnungen mit einer Größe zwischen 30 und 130 Quadratmetern, zwei Ladeneinheiten zur Brückstraße und ein Büro. Das soll sich laut Investor Karl Kotz einmal in dem Raum mit den mittelalterlichen Malereien befinden. Er habe noch keinen Mieter. Aber der Saal mit den einander zugewandten Figurenpaaren, die über Spruchbänder miteinander zu kommunizieren scheinen, sei für Publikumsverkehr vorgesehen.

Sieben Millionen Euro habe er in das Gebäude gesteckt. Nicht in diesem Betrag enthalten seien der Erwerb des Grundstücks und des Altbestands. Vom Bund habe es 800 000 Euro an Fördergeldern gegeben. Zudem habe die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Fenster bezahlt und die Reparatur des Treppenhauses gefördert. „Die Wohnungen sind zum Großteil vermietet oder verkauft“, sagt Kotz. Bei dieser Besichtigung kündigte er auch an, dass die Künstler eine Anleitung für diese Wohnungen bekommen werden.