Wiedamann-Haus: 7-Millionen-Euro-Projekt mit Geheimraum in Regensburg fast fertig

Von Heike Haala · 24. Juli 2025 um 19:00

32 Einzeldenkmale hat Architekt Ferdinand Weber bereits saniert – aber das Wiedamann-Haus in Regensburg sei mit Abstand das komplexeste und forderndste davon gewesen, sagt er kurz vor Abschluss des Sieben-Millionen-Euro-Projektes. Der Rundgang war eine der letzten Gelegenheiten, große Teile des Wohngebäudes zu sehen, bevor im September die ersten Bewohner einziehen.

Video ansehen

Die meisten Abschnitte des Komplexes zwischen Brückstraße und Posthorngässchen stammen aus dem 13. Jahrhundert, 100 Räume gebe es darin, verteilt seien die auf elf Ebenen wie Kellern, Zwischengeschossen oder einem grünen Turm mit sechs Etagen, nannte Weber einige Eckdaten. Bis zu 110 Zentimeter dicke Wände seien bei der Sanierung gefunden worden. Bauforscher Roland Benke sprach von freigelegten Malereien, die in der Zeit vor dem Jahr 1350 entstanden sein könnten. Zur ersten Erwähnung des Komplexes sei es im Jahr 1178 gekommen.

Das Haupttreppenhaus: Knackpunkt war hier, die Fluchtwege einzubauen und vieles von der alten Anmutung zu erhalten – beispielsweise das Geländer und Teile der Bemalung. Heike Haala - Foto: Heike Haala

Und dann ist da noch dieser Einbauschrank mit einer Garderobe, die sich bei genauerem Hinsehen als Schiebetür entpuppt. Wer auch noch den Stahlschrank hinter dieser wegklappt, gelangt in einen 3,5 Quadratmeter großen Geheimraum mit Lüftung, der mit dem Treppenhaus zum Posthorngässchen verbunden ist. Laut Weber sei der Ende der 1930er Jahre entstanden und für einen Aufenthalt im Notfall geeignet. „Welche Schlüsse man daraus auch immer ziehen mag“, schob er noch nach.

Multiepochales Bauwerk

Kein Wunder, dass Bauunternehmer und Investor Karl Kotz nach seinem allerersten Rundgang angesichts dieser multiepochalen Kuriositätenkammer, deren Details 800 Jahre Baugeschichte umspannen, zu Weber gesagt hat: „Wir werden durchdrehen oder einen Preis gewinnen.“ Jetzt, am Ende der Maßnahme, habe er schon etliche graue Haare mehr, bilanzierte Kotz auf einer der vier Dachterrassen, während eine Schwalbe über seinem Kopf Sturzflüge mit scharfen Kurven flog. Weber dagegen sagte, ganz gut beieinander zu sein. Und: „Das mit dem Preis wird sich zeigen.“

Diese Malereien könnten aus dem 14. Jahrhundert stammen. - Foto: Heike Haala

Projektleiterin Prisca Schank zählte auf, was entstanden ist: In dem über 1000 Quadratmeter umfassenden Komplex gebe es nun 15 Wohnungen mit einer Größe zwischen 30 und 130 Quadratmetern, zwei Ladeneinheiten zur Brückstraße und ein Büro. Das soll sich laut Kotz einmal in dem Raum mit den mittelalterlichen Malereien befinden. Er habe noch keinen Mieter. Aber der Saal mit den einander zugewandten Figurenpaaren, die über Spruchbänder miteinander zu kommunizieren scheinen, sei für Publikumsverkehr vorgesehen.

Einer von vielen traumhaften Ausblicken in die Altstadt - Foto: Heike Haala

Sieben Millionen Euro habe er in das Gebäude gesteckt. Nicht in diesem Betrag enthalten seien der Erwerb des Grundstücks und des Altbestands. Vom Bund habe es 800 000 Euro an Fördergeldern gegeben. Zudem habe die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Fenster bezahlt und die Reparatur des Treppenhauses gefördert. „Die Wohnungen sind zum Großteil vermietet oder verkauft“, sagt Kotz.

Förderer und Sanierer des Wiedamann-Hauses - Foto: Heike Haala

Entscheidung im Stadtrat

In der kommenden Woche wird sich herausstellen, ob auch die Stadt zu den Mietern mit der Adresse Brückstraße 4 gehört. Denn Kulturreferent Wolfgang Dersch plant in dem Haus ein Artist in Residence-Projekt, das vor zwei Jahren für heftigen Streit zwischen den ehemaligen Koalitionären gesorgt hat: Für 120 000 Euro pro Jahr plus Anschaffungskosten sollen zwei Wohn-Ateliers entstehen. Diese Kosten haben sich laut Dersch seither nicht verändert. Der Stadtrat soll im nicht öffentlichen Teil der Sitzung am Mittwoch über die Anmietung entscheiden, kündigt der Kulturreferent an.

Es gibt vier Dachterrassen. - Foto: Heike Haala

Sollte es dazu kommen, starte das Projekt zum 1. September. Bis dahin seien noch letzte Einbauten wie die Küche oder die Restaurierung der Originaltüren seitens des Vermieters zu erledigen. Nach der Entscheidung des Stadtrats soll auch der Aufruf veröffentlicht werden, auf den hin sich Künstler bewerben können. Das soll im internationalen Netzwerk CreArt geschehen, das 13 europäische Städte wie Venedig, Kaunas oder Aviero umfasst. „Der Einzug der ersten Künstlerinnen und Künstler wird voraussichtlich zum 1. Oktober erfolgen“, kündigt Dersch an.