Was passiert da in der Brückstraße? Kran macht Platz für Regensburgs Künstlerresidenz

Bald sollen sich im Wiedamann-Haus Künstler aus der ganzen Welt die Klinke in die Hand geben, um dort einige Zeit zu wohnen, zu arbeiten und ihr Werk den Regensburgern zu zeigen. Bevor es soweit ist, müssen die sich gedulden, bis der Kran sein Werk vollbracht hat.
Voraussichtlich Mitte Dezember soll das soweit sein, sagt Katrin Butz von der städtischen Pressestelle. Bauherr Hans Kotz erklärt, warum das notwendig ist: Es müsse Bauschutt aus dem Haus geschafft werden. Um es den Bauarbeitern leichter zu machen, aber auch um die wertvollen Treppen in dem Haus zu schonen, werde das mit dem Kran erledigt.
Ein paar Hundert Meter weiter, im Thon-Dittmer-Palais, feilt Kulturreferent Wolfgang Dersch am Inhalt für dieses Projekt: Artist in Residence. Sein Vorhaben brachte es im Juni zu einiger Aufmerksamkeit. Dersch bekam die Zustimmung im Kulturausschuss dafür nur, weil die SPD mit dem Großteil der Opposition über die eigenen Bündnispartner hinwegstimmte, was einen Krach in der Koalition nach sich zog. Die Vertreter der CSU, der Freien Wähler und der FDP sorgten sich um die Kosten für das Projekt.
Künstler kommen als Gäste nach Regensburg
Aber was ist das eigentlich, Artist in Residence? Es handelt sich dabei um Stipendien für Künstler, die eingeladen werden, um einige Zeit an einem anderen Ort zu wirken. Dafür bekommen sie in der Regel Wohnung, Gehalt, Arbeitsplatz und Atelier gestellt. Bisher holte etwa der Verein Donumenta auf diese Weise Künstler in die Stadt. Was bei solchen Aufenthalten entsteht, können die Regensburger das nächste Mal am Freitag um 19 Uhr in der Sternwarte sehen. Dann zeigt die rumänische Künstlerin Olivia Mihaltianu Cinema Somnium. Teil dieses Kunstprojekts sind die auffälligen lila Wolkengebilde auf drei Beinen, die in den vergangenen Wochen auf dem Dach der Sternwarte, auf dem Kiosk am Neupfarrplatz und auf dem Balkon des Theaters standen.
Diese von der Künstlerin als Satelliten bezeichneten Objekte sammelten Bilder, die nach einem Vortrag über Satelliten und Umlaufbahnen an diesem Abend erstmals gezeigt werden sollen. Auch die Stadt will nun beim Thema Künstleraustausch mitmischen. Immerhin sei schon im Kulturentwicklungsplan aus dem Jahr 2015 von so einem Artist-in-Residence-Programm die Rede, sagt Dersch. Die Vorteile für beide Seiten liegen für den Kulturreferenten auf der Hand. „Die Künstler können sich durch einen Ort inspirieren lassen und einen neuen Kulturkreis kennenlernen“, erklärt er. Regensburg profitiere, weil sich Künstler dadurch mit der Stadt auseinandersetzen und diese so präsenter in der Kunst wird.
Dafür will die Stadt neben den Kosten für die Ausstattung der Künstlerresidenz 120000 Euro pro Jahr auf den Tisch legen: Von diesem Betrag sollen etwa die Mieten für die Wohnung, das Gehalt der Künstler, aber auch Arbeitsmaterialien und Ausstellungen finanziert werden.
„Wir werden durch Inhalte überzeugen“, ist Dersch sich sicher. Es sei wichtig, den kreativen Gästen nicht nur die Schlüssel für ihre Wirkungsstätte in die Hand zu drücken, sondern sie auch mit der Szene hier zu vernetzten. Ein Hotel und eine Arbeitsstätte, die weiter auseinanderliegen, das bringe in diesem Fall nichts.
Der erste Aufruf steht bereits an
Derzeit bereite Dersch den ersten Aufruf vor oder Verträge, die für das Projekt noch notwendig werden, aber auch Besprechungen mit dem Bauherren stehen in der Sache nun in seinem Terminkalender. Zu klären sei auch noch, ob die Werke der Künstler einmal in Regensburg verbleiben sollen. Im Laufe des Jahres 2025 könnte die Stadt die Gäste in den beiden Wohnungen begrüßen, vermutet Dersch. Ob Tanz, bildende Kunst oder Literatur – bei den Sparten sei er offen.
Inwiefern so ein Stipendium die eigene Arbeit beflügeln kann, weiß Hans Lankes. Der in Eilsbrunn lebende Künstler arbeitet mit scherenschnittartigen Skulpturen. Sie entstehen, wenn an der Rückseite kräftig gefärbtes Papier mit ein wenig Abstand auf dem Hintergrund angebracht wird und so Reflexionen sichtbar werden. Lankes hat solche Arbeiten schon während mehrerer Artist in Residence-Programme in Budapest, Montpellier, Bremerhaven, Görlitz oder Clermont produziert. In der Regel bewerbe Lankes sich mit für den Zielort entwickelten Ideen, die er dann während des Stipendiums realisiert.
„Durch diese Programme habe ich gemerkt, dass ich überall arbeiten kann“, sagt er. Zudem habe Lankes etwa bei dem Aufenthalt in Montpellier noch eine Ausstellung in Paris sowie eine Beteiligung an einer Kunstmesse an Land ziehen können, zu denen er sonst nicht gekommen wäre. Durch die Möglichkeit, an solchen Programmen teilzunehmen, erweitere sich nicht nur sein Netzwerk, er könne seine Arbeit auch weiter verbreiten.
