Eine Ladung voller Kunst: Donumenta schenkt frischen Blick aufs Welterbe

Von Michael Scheiner · 30. Juni 2023 um 12:00

Jedes Jahr erkunden Künstler aus Donauländern Regensburg. Jetzt sind vier kluge und eindrucksvolle Installationen mitten der Stadt entstanden.

Die Schwarzmeer-Grundel ist eine invasive Art. Auf einer anderen Ebene könnte man sagen, sie ist eine Migrantin, die auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in die Donau und viele andere Gewässer eingewandert ist. Mit Migration und Fluchtbewegungen beschäftigt sich auch die Kroatin Tonka Malekovic. In ihrem künstlerisch-soziologischen Projekt „Compositions of Flow“ ist sie Migrationsbewegungen speziell im Donauraum auf der Spur.

Am internationalen Donautag (zu finden unter www.danubeday.org) stellte Tonka Malekovic mit den Organisatorinnen der Donumenta und drei weiteren Kulturschaffenden ihr Projekt an der Steinernen Brücke vor. Bevor es auf einen längeren Spaziergang zu den Installationen und Kunstprojekten quer durch die Altstadt ging, sprach Kulturamtsleiterin Maria Lang Künstlerinnen und Gäste im Besucherzentrum Welterbe wohl gesetzt über Grenzen und die „verbindende Kraft“, die sowohl Kunst und Kultur besitzen, genau wie die Donau, die auf ihrem Weg zehn Länder durchfließt oder berührt – so viele wie kein anderer Fluss auf der Erde.

Stör gibt’s hier nicht mehr

Es gebe „keinen besseren Tag“, freute sich Donumenta-Gründerin Regina Hellwig-Schmid, um die Ergebnisse des Programms von Artists in Residence, das der Verein regelmäßig veranstaltet, zu präsentieren. Sie lud Josef Feuchtgruber, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, ein, den Kunstparcours mitzulaufen.

Gleich um die Ecke des Salzstadels, unter der Steinernen hindurch, präsentierte Dimitar Solakov seine buchstäblich einleuchtende Neon-Installation „Historical/Future Presence“ an einer Hausmauer auf Höhe einer historischen Hochwasserlinie. Mit einem Stör, der aus der Flut auf- und wieder abtaucht, macht er den Zusammenhang zwischen Hochwasser, der Veränderung im Ökosystem und dem geringen Vorkommen der Störart Glattdick bewusst. Aufgrund von Überfischung und Niedrigwasser gibt es den Stör an der Oberen Donau kaum noch.

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Nur ein paar Schritte weiter blickt man von der Brücke auf eine Ansammlung von Taschen und Koffern. Die Gepäckstücke, mit Hilfe eines Bergkletterers auf einem Beschlächt arrangiert, lassen auf eindringliche Weise den Verlust von Heimat, das Gefühl von Einsamkeit und den Wunsch nach Sicherheit und Auskommen ins Bewusstsein sickern.

Ein weiterer, eher soziologisch fundierter Teil der Projekts ist am M26, dem Künstlerhaus in der Maximilianstraße zu entdecken. Hier haben Tonka Malekovic und Sophia Freidhoff Stimmen und Aussagen von Migrantinnen gesammelt und grafisch aufbereitet. Eine Arbeit, die großen Respekt verdient. Legen doch die beiden Künstlerinnen auf klare und einfach nachzuvollziehende Weise offen, wie es vielen Menschen im Innersten geht, die sich in einer oft abweisend erscheinenden, ungewohnten Umgebung zurecht finden wollen. Die Ausstellung im M26 ist nur bis zum 9. Juli zu sehen, die Installation an der Steinernen Brücke nur bis 30. Juni, während die übrigen Projekte und Installationen des Programms Artists in Residence bis Ende September für jedermann zugänglich sind.

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Nix zu sehen war an der nächsten Station der Kunsttour: Vor dem Theater am Bismarckplatz ist „Cinema Somnium“ von Olivia Mihaltianu und einer von drei nachgebauten Satelliten – Titel: „Satellite Somnium“ – aufgebaut. Wegen der prallen Sonneneinstrahlung blieb der Bildschirm schwarz und der Trailer zu der Science-Fiction-Filmerzählung nicht erkennbar. Olivia Mihaltianus Arbeit entfaltet ihre Wirkung vor allem abends und nachts, wenn viele, auch jüngere Menschen unterwegs sind und hier ihrer Neugier, was es mit der Videoinstallation auf sich hat, nachgeben können.

Die emotional direkteste Arbeit steht am Domplatz vor dem Hotel Achat. Hier hat die serbische Künstlerin Jelena Gajinovic „Power Heart“ aufgebaut. Auf vier drehbaren Tafeln ist der mittelalterliche Holzschnitt „Frau Venus und der Verliebte“ – ein spektakulärer Fund, den sie im Archiv entdeckt hat – und auf der Rückseite die Übersetzung dieser sehnsuchtsvoll-schmerzlichen Minne-Geschichte zu sehen. Die Künstlerin transferiert den Holzschnitt von Meister Caspar in die Gegenwart – als Smartphone-Chat. Eine wundervolle, spielerische Arbeit, die Parallelen zwischen der Bildsprache der mittelalterlichen Minne und dem heutigen Herzchen-Code aufzeigt.

• Alle Details und Hintergründe zur Donumenta und zum Programm Artists in Residence bei: www.donumenta.de

Moderne Venusversion: „Power Heart“ von Jelena Gajinovic Foto: Michael Scheiner
Tonka Malekovic (2. von rechts) erläutert ihr Konzept, neben ihr: Regina Hellwig-Schmid. Foto: Michael Scheiner