Bei Donumenta Regensburg: Eine volle Ladung Kunst

Das Team präsentiert ein pralles Programm für 2023 und zieht eine Top-Frau an Land: Rona Kopeczky kuratiert in Regensburg – und 2024 den ungarischen Pavillon der Biennale Venedig.
Im Donauraum fließen Flüchtlingsströme ineinander. Aber die Menschen aus Kroatien, Serbien oder der Ukraine: Sie bleiben auch in der neuen Heimat unter sich. Das Zusammenleben gelingt nicht wirklich. Tonka Malekovic (Kroatien) und Sophia Freidhoff haben Migrationswellen in Interviews untersucht. Ihre Forschung ist nun Futter für eine Installation, das Herzstück: An der Steinernen Brücke türmt sich Fluchtgepäck, schiebt sich geradewegs in den großen europäischen Strom.
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„Compositions of Flow“ isteiner der Beiträge,die das Welterbe im Sommer für drei Monate neu aufladen. Am 29. Juni, internationaler Donau-Tag, gehen vier Interventionen an den Start, die Artists in Residence 2022 entwickelt haben. Sie klopfen Regensburg auf Geschichte und Gegenwart ab, nehmen Traditionslinien auf und schreiten gesellschaftliche Abrisskanten ab, setzen verstörende, erhellende, auch amüsierende Akzente – alles im Auftrag der Donumenta. Das Team des Vereins stellte gestern sein pralles Programm für 2023 vor.
Meister Caspar illustrierte „die Macht der Frau Minne“ im 15. Jahrhundert mit blutenden, gebrochenen, gegrillten und durchstochenen Herzen. Jelena Gajinovic (Serbien) übersetzt die Bildsprache seines Holzschnitts in Kommunikation von heute: in Emoijs, auf Glaswände gedruckt. Die stellt sie auf den Alten Kornmarkt, im mittelalterlichen Regensburg ein Hotspot der Minne.
„Power Love“ nimmt „Weltkulturerbe reloaded“, den Titel des Donumenta-Projekts, als Auftrag und erfüllt ihn geradezu exemplarisch. „Am Ende stehen wir staunend vor einem Werk, das uns die eigene Stadt besser kennenlernen lässt“, sagt Julia Weigl-Wagner von der Donumenta.
Der Donau-Stör in Neon
Eine ähnliche Intention treibt Dimitar Solakov (Bulgarien). Er fand bei seinem Regensburg-Besuch 2022 heraus, dass 1914 der letzte Stör bis Regensburg geschwommen ist, und widmet dem Wanderfisch, früher in großer Zahl in der Donau heimisch, nun eine Neonarbeit. In „Historical / Future Presence“ fragt er nach der Beziehung von Mensch und Natur, nach Artensterben und Renaturierung der Donau. Im Leuchtbild kehrt der Stör, springend und schwimmend, ans Ufer vor dem Amberger Stadel zurück.
Olivia Mihaltianu (Rumänien) schließlich umkreist in ihrem Beitrag einen berühmten Regensburger. Wie Meteoriten lässt sie „Cinema Somnium“ und „Satellite Somnium“ in der Altstadt landen und setzt Johannes Kepler ein Denkmal.
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Die Donumenta und ihre Gründerin, die europaweit bestens vernetzte Regina Hellwig-Schmid, zeigen verblüffendes Gespür für Kunst am Puls der Zeit und für Kreative auf dem Sprung zur Karriere.Die Avantgarde des Donauraumskommt nach Regensburg. Viele Künstler waren vor dem Donumenta-Kontakt vielversprechende, aber wenig bekannte Talente – und danach international gefragte Stars der Szene. Damit das so bleibt, setzt der Verein noch stärker auf externe Expertise. Das Ziel, formuliert Hellwig-Schmid, ist „ein wahrhaft internationaler Aufschlag“. Dazu verkündete sie gestern einen echten Coup: Der Verein hat mit Rona Kopeczky eine Top-Kuratorin an Land gezogen.
Die Kunsthistorikern mit Wurzeln in der multikulturellen Vojvodina wechselte gerade von der Sorbonne nach Ungarn, als sie 2004 mit Hellwig-Schmid in Kontakt kam. Heute leitet sie die acb Galery in Budapest, eine aufregende Adresse für zeitgenössische Kunst, und: 2024 kuratiert sie den ungarischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. „Unsere Traumbesetzung“, sagt Hellwig-Schmid über Kopeczky. Die Expertin für Kunst in Osteuropa gibt zurück: „Ich musste nicht überlegen, als Regina fragte.“
Nach dem Projekt ist vor dem Projekt: Im August 2023 werden sechs neue Artists in Residence die Stadt erkunden, um Interventionen für 2024 zu entwickeln. Danilo Milovanovi (Slowenien), Milica Jankovic (Montenegro), Alina Ion (Rumämien), Loránd Bögös (Ungarn), Marlene Hausegger (Österreich) und Stano Masár (Slowakei) bleiben einen Monat hier, bekommen Studio, lokalen Input und 900 Euro, dank Förderer wie Schmack, Stadt und Freistaat – und geben eine Fülle an Ideen zurück.
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Die Kunst, die nach drei Monaten aus der Stadt abzieht, bleibt auf Dauer im weltweiten Netz geborgen: in der App vr.donumenta.de. Die virtuelle Galerie für Beiträge der Artists in Residence bekommt Zuwachs. Vier neue Werke werden abrufbar.
„Weltkulturerbe reloaded“ ist nur eins der Vorhaben 2023.Im Art Lab am Bahnhof, dem Labor für multimediale Kunst, startet mit Erik Mátrai (Ungarn) am 20. April die erste von vier Ausstellungen, die in neue Bildwelten führen. In „Spectrum Rating“ wird der Tunnel zum Lichtraum, zum Ort berührender Erfahrung.
