Endlose Suche nach einem NS-Gedenkort für Regensburg: diffuse Ideen und kein Raum

Von Heike Haala · 11. Januar 2026 um 19:00

Ein ehemals von der Stadt angemieteter Leerstand in Stadtamhof, die Räume links oder rechts des Eingangs ins Thon-Dittmer-Palais, ein Raum unter dem Sitzungssaal des Stadtrats: In Regensburg gab es schon etliche Standortideen zu einer zentralen Stelle, an der der Schrecken der Nazizeit gedacht werden soll. Auch die Vorstellungen dazu, wie der Ort aussehen soll, liegen weit auseinander.

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Dieser Auffassung ist Joachim Buck vom Arbeitskreis Kultur (AKK). Er ist eines der 40 Mitglieder des Runden Tisches für Gedenk- und Erinnerungskultur. Diese Institution tagt zweimal pro Jahr, wird in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle für Gedenk- und Erinnerungsarbeit sowie Extremismusprävention organisiert und hat beratende Funktion. „Unter diesem Gedenkort stellt sich jeder etwas anderes vor“, sagt Buck. Den Begriff bezeichnet er als unscharf. Das sorge für Schwierigkeiten bei der Diskussion über das Thema.

Probleme bei der Debatte

Für Buck spielen zwei Aspekte eine Rolle. Zum einen gehe es um einen Ort, an dem die Geschichte präsentiert wird. Dafür brauche es einen Lernort und dafür sei ein Museum geeignet. Der soll nach den Vorstellungen des AKK bei der Neukonzeptionierung des Historischen Museums am Dachauplatz verwirklicht werden.

Davon zu trennen sei der Aspekt des Gedenkens. Der sei prinzipiell an vielen Stellen möglich. „Aber man muss vorher wissen, was man machen möchte“, erklärt er. Seiner Meinung nach könnten an dieser Stelle Stadtführungen etwa mit Schulklassen starten. Buck wisse aber noch nicht, wohin diese Debatte führe. Hans Simon-Pelanda, Ehrenvorsitzender der ebenfalls am Runden Tisch vertretenden Arbeitsgemeinschaft ehemaliges Konzentrationslager Flossenbürg, hat in der Vergangenheit schon mehrfach einen Raum bei der Durchfahrt unter dem Sitzungssaal des Stadtrats im Neuen Rathaus am Dachauplatz für ein Dokumentationszentrum ins Spiel gebracht. Im Dachauplatz sieht Buck laut einer Pressemitteilung aus dem Dezember aber einen „NS-Opfer- und -Täter-Ort“. Und seiner Meinung nach sei durchaus zu diskutieren, inwieweit ein Gedenkort dazu in Konkurrenz treten sollte.

Forschung: Regensburg zur Nazizeit

• Aufarbeitung: Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Regensburger Stadtverwaltung in der NS-Zeit in Kooperation zwischen der Stadt und der Universität hat nun mit der Forschung zu zwei ersten Themenblöcken begonnen. „Während sich Dr. Michael Rösser der Wirtschaft, vor allem dem Unternehmen Messerschmitt widmet, erforscht Eileen Weiß die lokale Kulturverwaltung und -politik“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

• Sachstand: Beide Forscher haben drei Jahre Zeit. „Und die wird es auch brauchen“, sagt Coprojektleiter Prof. Dr. Bernhard Löffler vom Zentrum Erinnerungskultur an der Universität. Momentan laufe die Archivarbeit, erklärt er. „Jetzt geht es um das Sichten und Finden von Quellen“, verdeutlicht Löffler. In diesem Jahr soll der Stadtrat über Zwischenergebnisse informiert werden. Weiterhin könnte es ein Veranstaltungsformat zu dem Thema geben.

Aus Sicht der Stadt wird dagegen laut Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra ein Ort benötigt, der die Arbeit der Stabsstelle für Erinnerungs- und Gedenkarbeit transparent macht. Dazu gehören städtische Gedenkveranstaltungen und pädagogische Arbeit zu den Themen Extremismusprävention, Demokratiebewahrung sowie Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Weiterhin sollen dort einmal die Fäden zusammenlaufen und externe Angebote möglich sein.

Als Räume waren zuletzt die Einheiten links und rechts des Eingangs ins Thon-Dittmer-Palais im Gespräch. Während es im November so schien, als könnten sich mit der CSU und den Grünen die beiden größten Fraktionen im Stadtrat auf die ehemalige Bankfiliale rechts des Eingangs einigen, erteilte die Stadt die Auskunft, zu prüfen, ob dies im ehemaligen Messergeschäft links des Eingangs möglich sei.

Auch der Dachauplatz wird immer wieder als Gedenkort vorgeschlagen. - Foto: Philip Hell

Gefunden wurden die Räume für diesen Gedenkort inzwischen aber noch nicht, wie von Roenne-Styra erklärt. Auf die Frage, wie viele Objekte zur Debatte stünden, antwortet sie: „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann die Stadt diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht beantworten.“

Derweil ist der Bezirk Oberpfalz da schon einen Schritt weiter. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die dessen Pressestelle zuletzt veröffentlichte. Demnach hat der Bezirk einen Arbeitskreis Erinnerungskultur gestartet. Es sei geplant, die Weinschenkvilla , die vom jüdischen Bankier Max Weinschenk 1899 in der Regensburger Hoppestraße erbaut wurde, nach der anstehenden Generalsanierung in den Schwerpunkt Erinnerungskultur einzubinden.

Ausstellungen geplant

Klar ist auch schon, dass die Regensburger Geschichte im Nationalsozialismus wie von Buck gefordert in der Ausstellung des Historischen Museums aufgearbeitet werden soll. „Dieser Prozess wird aber noch Zeit benötigen, da die planerischen Vorarbeiten erst im nächsten Jahr starten werden“, erklärt von Roenne-Styra. Sie kündigt eine kleinere Ausstellung für Ende Februar und im Oktober eine große Ausstellung über Regensburg in den 1950er-Jahren an, die sich intensiv mit dem Themenkomplex auseinandersetzen soll. Bis zum Beginn der Sanierung des Museums sollen weitere Sonderpräsentationen folgen.