Stadtamhof, Thon-Dittmer-Palais, Dachauplatz: Zähes Ringen um einen Gedenkort für Regensburg

Von Heike Haala · 27. November 2025 um 05:00

Über 40 Jahre ist die Forderung nach einem zentralen Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus in Regensburg nun alt. Ein Eröffnungstermin ist aber weiterhin nicht in Sicht. Eine Pressemitteilung der Grünen-Fraktion fördert stattdessen zutage, wie weit die Vorstellungen zu dem Thema immer noch auseinanderliegen.

Video ansehen

Die Grünen fordern den Begegnungs- und Erinnerungsort nun ein. Anlass ihres Schreibens ist, dass die Stadt kürzlich das Ende des Mietvertrags für den Leerstand an der Schierstadt 2 in Stadtamhof bekannt gegeben hatte. Die Räume waren unter anderem als Gedenkort im Gespräch. Aber daraus wurde nichts.

Vorwürfe gegen die CSU

Eine alternative Option im Thon-Dittmer-Palais werde von der CSU politisch in Frage gestellt, wirft die zweitgrößte Partei im Stadtrat der größten vor. „Es ist ein Armutszeugnis, dass die Stadtpolitik es nicht schafft, einen würdigen Ort der Erinnerung und Begegnung zu etablieren“, äußert sich Grünen-Stadtrat Dr. Stefan Christoph. Durch die Blockadehaltung der CSU innerhalb der ehemaligen Koalition seien wertvolle Zeit und Chancen vertan worden. Er spricht von einem Verlangen nach einem kuscheligen Café am Haidplatz in den Reihen der CSU-Fraktion, das dringender sein soll als das nach einem zentralen Gedenk- und Erinnerungsort, was Christoph als „befremdlich und schäbig zugleich“ bezeichnet. Gedenken dürfe nicht an bürokratischen Hürden oder politischen Querelen scheitern, fordert in dem Schreiben auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und OB-Kandidatin, Dr. Helene Sigloch.

Blockadehaltung bei der CSU? „Das ist falsch. Wir sind nicht dagegen“, sagt dazu deren Kreis- und Fraktionsvorsitzender, Michael Lehner. Bei einem Gedenkort im Thon-Dittmer-Palais wäre die CSU seinen Angaben zufolge unter einer Bedingung dabei: Das Zentrum könne in den Räumen rechts des Eingangs Einzug halten, in denen zuletzt eine Bank untergebracht war, wenn dafür in den Räumen des ehemaligen Messergeschäfts links des Eingangs ein Bistro oder ein Café ermöglicht werde. „Das wäre ein tragfähiger Kompromiss“, sagt er. So könnten die städtischen Finanzen geschont werden. Immerhin würde eine kommerzielle Nutzung Miete und Gewerbesteuer ins Stadtsäckel spülen, sagt Lehner.

Auch immer wieder im Gespräch: der Dachauplatz - Foto: Philip Hell

Christoph könne sich den Gedenkort prinzipiell in den von Lehner vorgeschlagenen Räumen vorstellen. Bei der Stadt, der die Räume links und rechts des Eingangs im Thon-Dittmer-Palais gehören, wird gerade aber etwas anderes geprüft. Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sagt, dass es die Räume des ehemaligen Messergeschäfts seien, die als Gedenkort im Gespräch sind. Ein Konzept dafür gebe es aber noch nicht. Denn jetzt gehe es darum, welche Nutzungen dort möglich und passend wären, erklärt sie. Erst dann werde entschieden, wie die Räume genutzt werden könnten. Mit dem Prüfergebnis rechnet sie im ersten Quartal 2026. Die Räume der ehemaligen Bank dagegen sollen ihrer Auskunft nach von der Volkshochschule genutzt werden. Das Referat für Bildung sei aber zuversichtlich, dass sich in der Innenstadt passende Räume für einen Ort der Begegnung und des Erinnerns finden.

Dass die Sache nun vor der Wahl noch einmal aufgegriffen wird, findet Hans Simon-Pelanda, Ehrenvorsitzender Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg, toll. Allerdings verweist er auch darauf, dass es schon eine Stelle gebe, die als zentraler Gedenkort vorgesehen sei: den Dachauplatz. „Nach dem Krieg haben die Amis das schon angeschoben und der Stadtrat beschlossen“, erklärt er. Allerdings sei dies in den 1950er-Jahren aus dem Gedächtnis verschwunden.

Der Kiosk war der Gipfel

Seither sei der Platz zwar umgebaut worden, der Gedanke an einen Erinnerungsort dabei aber nicht mehr aufgekommen. „Als Gipfel der Amoralität ist dann noch der Kiosk aufgestellt worden“, sagt Simon-Pelanda. Um den Dachauplatz zum Gedenkort umzugestalten, müsse er auch nicht gesperrt werden. Zudem gebe es schon eine Erinnerungstafel und eine Stele. „Aber das ist schon sehr eingequetscht zwischen den Hochhäusern und der Bushaltestelle“, zeigt er Handlungsbedarf auf. Als Raum für den Gedenkort schlägt er einen Gebäudeteil des Neuen Rathauses vor: Der befindet sich unter dem Sitzungssaal des Stadtrates und fungiert als Stütze der Durchfahrt für Autos. Auf das Thon-Dittmer-Palais als möglichen Gedenkort angesprochen, sagt er: „Ich werde den Dachauplatz wieder ins Gespräch bringen, sollte das jetzt nichts werden.“