Wegen der Weidepflicht: Bio-Landwirte aus Hohenwarth ziehen harten Schlussstrich

Von Sabrina Kauer · 27. Februar 2026 um 11:00

In Sachen Bio leistete die Familie Zoglauer/Schmid aus Hohenwarth-Gotzendorf Pionierarbeit im Landkreis Cham. Doch seit einem Jahr trägt ihr Bauernhof dieses Siegel nicht mehr. Der Betrieb ist zur konventionellen Landwirtschaft zurückgekehrt. Grund dafür ist die Weidepflicht, die nicht jeder Betrieb im Landkreis Cham so einfach umsetzen kann.

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Das Wort „Bio“ auf dem Schild vor dem Bauernhof der Familie Zoglauer/Schmid in Gotzendorf ist überklebt. Die Milch, die von hier kommt, ist seit 1. März 2025 nicht mehr der Haltungsform 5 (Bio) zugeordnet, sondern jetzt nur noch der Haltungsform 3 (Frischluftstall). Katrin Zoglauer (43) hat sich für den Schritt, vom Biobetrieb auf einen Konventionellen umzusteigen, entschieden. „Ich hab’ gewusst, dass die Weidepflicht kommt. Das war keine Überraschung“, sagt sie bei einem Besuch auf ihrem Bauernhof. Die 43-Jährige ist Diplom-Agraringenieurin und Mutter eines vierjährigen Sohnes. Sie hat den Bauernhof von ihren Eltern Josef und Josefine Schmid übernommen.

Bio war einmal: Auf dem Schild des Bauernhofs der Familie Zoglauer/Schmid wurde die „ausgezeichnete Bio-Milch“ beworben. Jetzt ist das Wort „Bio“ abgedeckt. - Foto: Sabrina Kauer

Flächenstruktur im Landkreis Cham passt nicht

Nach Vorschrift der EU-Kommission gilt seit 2025 auch für Betriebe in Deutschland die Weidepflicht, schreibt der Bayerische Bayernverband auf seiner Internetseite. Eine Vorschrift, die viele Bauern in der Region nicht einhalten könnten. „Im Landkreis Cham ist es mit der Weidehaltung schwierig, weil die Flächenstruktur nicht passt“, sagt Franz Kerscher, der die Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbandes in Cham leitet. Hier gebe es kaum Weideflächen, die nahe an den Höfen liegen. Zudem seien die Wiesen und Felder unter anderem wegen der Straßen und Ortschaften zerstückelt. Manche Bauernhöfe lägen außerdem mitten im Dorf.

Ein weiteres Problem sei, dass die Kühe in einzelne Gruppen eingeteilt werden müssen und somit auch mehrere Weiden benötigt werden. „Da tun sich die Milchviehbetriebe schwer“, sagt Kerscher. Ein Grund, der für den Rückgang zum Konventionellen beim Betrieb der Familie Zoglauer/Schmid in Gotzendorf maßgebend ist. Katrin Zoglauer hat etwa 150 Rinder, die sie in bis zu zehn Gruppen aufteilen muss, sagt sie. „Ich kann nicht die Kälbchen mit den Kühen mischen. Wenn du die Gruppen durcheinanderbringst und die Tiere zusammenkommen, dann raufen sie“, sagt Zoglauer.

Zwar gebe es hinter einem der Ställe ein Feld, auf das die Kühe, die dort untergebracht sind, problemlos gelangen können. Doch das sind bei weitem nicht alle Tiere, wie beim Rundgang auf dem Hof ersichtlich wird. Dort gibt es nicht nur diesen einen Stall direkt am Feld, sondern auch welche, die sich in der Hofmitte befinden. Die Viecher, die dort leben, auf die Weide zu bringen, sei ein hoher logistischer Aufwand. „Du wärst die ganze Zeit nur damit beschäftigt, Kühe hin- und herzutreiben. Und dann braucht nur ein Stier drunter sein, dann ist das schon auch gefährlich“, sagt Josefine Schmid.

„Ich bin nicht dagegen, dass die Kühe draußen sind. Mir würde das gefallen“, sagt Katrin Zoglauer. Doch unmittelbar neben dem Hof und dem Feld führen auch eine Straße und ein Bahngleis entlang, weswegen die Familie die Kühe ungerne auf die Weide lassen möchte, da es immer mal wieder vorkomme, dass ein Tier ausbüxt.

Hinter dem Stall steht ein Feld zur Verfügung. Unmittelbar daneben führt aber eine Straße entlang. Die Tiere dort hin- und hertreiben zu müssen, wäre zu gefährlich. - Foto: Sabrina Kauer

Nicht kaputt machen, was Eltern aufgebaut haben

„Meine Eltern waren Bio-Pioniere in der Region. Sie haben alles gemacht und geschaut, wie’s am besten funktioniert. Ich wollte nicht das, was meine Eltern aufgebaut haben, kaputt machen. Aber der Papa hat gesagt, dass ich nicht darauf achten soll, sondern darauf, dass der Hof weiterläuft“, sagt Katrin Zoglauer. Wegen der Weidepflicht sei für sie klar gewesen, „dass wir von Bio weggehen“, so die 43-Jährige, und Mutter Josefine Schmid fügt hinzu: „Da tut einem s’Herz schon weh.“

Die Familie Zoglauer/Schmid ist nicht die einzige, die auf konventionelle Landwirtschaft umgestiegen ist. Wie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Cham auf Anfrage unseres Medienhauses mitteilt, haben im Landkreis Cham vergangenes Jahr 13 Bio-Betriebe wegen der Weidepflicht aufgehört. Von insgesamt 2550 Landwirtschaften gebe es im Moment noch 103 Bio-Betriebe im Landkreis Cham. Zum Bauernhof der Familie Zoglauer/Schmid sagt Franz Kerscher vom Bauernverband Cham: „Die würden das nicht umstellen, wenn’s machbar wäre. Die leben für das. Sie waren einer der ersten Bio-Betriebe.“