Gemüse, das Menschen zusammenbringt: Solawi in Grafenwiesen sucht neue Mitglieder und Heu

Wiesen und Felder sind von Schnee bedeckt. Vieles befindet sich noch im Winterschlaf. Doch mit jedem Tag rückt der Frühling ein kleines Stück näher – und mit ihm die Pflanzsaison. Deshalb sucht die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) in Grafenwiesen neue Mitglieder, die die Arbeit auf dem dortigen Feld unterstützen, um später von der frischen Ernte zehren zu können.
Doch damit nicht genug. Die Mitglieder der Solawi in Grafenwiesen sind nämlich nicht nur reich an frischem Gemüse, sondern auch an Gemeinschaft, Austausch und dem Bewusstsein dafür, was einem die Natur schenkt, wenn man im Einklang mit ihr arbeitet, macht Initiatorin Eva Rautenberg deutlich. Die Grafenwiesenerin hat die Solawi, die Teil des Dachvereins Lebensgärten Bayerwald mit Sitz in Traitsching ist, 2023 in ihrer Heimatgemeinde ins Leben gerufen. Seitdem erfreuen sich die Mitglieder jährlich einer reichen Ernte, so Rautenberg.
Auf einem 1000 Quadratmeter großen Feld, das den Akteuren vom Hotel Birkenhof zur Verfügung gestellt wurde, bauen die Mitglieder seither Salate, Bohnen, Kartoffeln, Karotten, Mangold, Zwiebeln, Lauch, Sellerie, Rote Bete, Mais, Kürbis, Fenchel, Kräuter, Erdbeeren und vieles mehr an. Wer beispielsweise keinen Garten zuhause hat, sich aber gerne mit selbst Angebautem versorgen möchte, findet hier seinen Platz. Gegen einen monatlichen Beitrag von 49 Euro, mit dem beispielsweise Saatgut finanziert wird, bekommen die Mitglieder jede Woche eine Kiste voll frischem Gemüse. Diese reiche für mindestens zwei Personen. Als Single könne man eine halb gefüllte Kiste zur Hälfte der Kosten erhalten.

Zwei gelernte Landwirte bringen Wissen mit ein
Derzeit bestehe die Solawi in Grafenwiesen aus zehn Erwachsenen und zwei Kindern. „Ein Kernteam aus sechs Leuten plant alles. Wir überlegen uns zum Beispiel, welches Saatgut oder welchen Dünger wir brauchen und kümmern uns darum. Wir sind ein sehr gutes Gefüge“, sagt Eva Rautenberg. Ein großer Gewinn für die Solawi seien Maike Schamberger und Alexander Weigl – zwei gelernte Landwirte. „Mit ihnen sind wir bestens versorgt mit Wissen und Know-how“, freut sich die Initiatorin.

Während der Saison, die im März starten soll, seien die Mitglieder 1,5 Stunden pro Woche (sechs Stunden im Monat) auf dem Feld zugange. Ein fester Termin für alle Beteiligten sei der Samstagvormittag. „Wenn mehrere Leute auf dem Feld sind, geht’s so schnell voran. Viele Hände, schnelles Ende – da ist alles gleich erledigt, das ist so toll“, sagt Rautenberg.
Aber nicht nur weil die Arbeit schneller voran geht, sei es ihr wichtig, dass möglichst immer viele Mitglieder gleichzeitig auf dem Feld mit anpacken. „Der Wunsch ist, dass wir es gemeinsam machen. Das macht mehr Spaß und stärkt das Miteinander. Dieses Menschliche ist der größte Ertrag.“

Zudem schaffe das selbst Anbauen wieder mehr Bewusstsein für die Lebensmittel, die die Natur schenkt – und zwar nur dann, wenn die Zeit reif für sie ist. „Zum Essen, das ich selber anbaue, habe ich einen anderen Bezug, weil ich weiß, welche Arbeit dahintersteckt. Es hat eine hohe Wertigkeit und man lernt die Natur wieder mehr zu verstehen und zu schätzen“, sagt Eva Rautenberg.
Neuzugänge sind willkommen – Heuspender werden dringend gesucht
Da das Feld noch Kapazitäten hat, sind die Mitglieder der Solawi in Grafenwiesen auf der Suche nach weitern Hobbybauern. „Wer Freude am Draußensein und Lust auf gutes Gemüse hat“, ist laut Rautenberg willkommen. Gerne auch Familien mit Kindern. Besondere Kenntnisse seien nicht erforderlich. Zudem seien die Akteure auf der Suche nach einem Spender von Heu, mit dem die Beete bedeckt werden können – bestenfalls schon im Frühjahr.
Wenn dann die Saison beginnt, soll es erst einmal mit dem Anbau von Salaten und Radieschen losgehen. Heuer wolle die Solawi mehr Winter- und Lagergemüse anpflanzen und dafür auch eine Lagermöglichkeit schaffen. Auch wollen die Beteiligten die reiche Ernte im Sommer wieder gemeinsam einkochen. Und nach getaner Arbeit soll wie bisher auch gemeinsam gegessen, gespielt oder gefeiert werden.
„Für mich ist es eine Seelennahrung, wenn ich auf dem Feld bin und mich mit der Natur verbinden kann. Das ist sehr heilsam. Hochwertige Lebensmittel sind Grundlage für unsere Gesundheit. So können wir unserem Körper etwas Gutes tun“, sagt Eva Rautenberg.
Vortrag im Hotel Birkenhof Grafenwiesen – Kontaktdaten für Interessierte
■ Ein Info-Vortrag zur Solidarischen Landwirtschaft in Grafenwiesen findet am Dienstag, 10. Februar, um 19 Uhr im Hotel Birkenhof in Grafenwiesen statt.
■ Interessierte können sich bei Eva Rautenberg unter 01 71 / 7 52 17 21 melden.
■ Wer Mitglied bei Lebensgärten Bayerwald werden möchte, meldet sich bei Ewald Hausladen unter Tel. 0171 / 7 15 32 60.
■ Verkauft wird das Solawi-Gemüse nicht, auch wenn es laut Rautenberg immer wieder Anfragen gebe. Nur wer mitarbeitet, erhalte die Ernte. „Die Arbeitskraft wird gebraucht“, so die Initiatorin.