Solawi in Grafenwiesen trotzt zum Start selbst extremen Wetter-Bedingungen

Von Stefan Weber · 23. August 2023 um 11:00

Mitte Mai setzten Eva Rautenberg und Johannes Zeitzler noch die ersten Pflanzen auf dem 1000 Quadratmeter großen Feld, das sechs Mitglieder des Projektes Solidarische Landwirtschaft (Solawi) erst seit Ende April bewirtschafteten. Jeder arbeitet mit auf dem Feld und zahlt 50 Euro pro Monat – eine Kiste an Gemüse pro Woche und Mitglied hatte sich die Gruppe um Initiatorin Rautenberg damals versprochen.

Drei Monate später hat sich sichtlich viel getan auf dem Feld: Der damals braune Acker ist grün, und Eva Rautenberg hat die Jeans und das lange Oberteil gegen ein Sommerkleid und einen Strohhut getauscht. 14 regelmäßige Landwirte, die eigentlich ja keine sind, arbeiten im Moment auf dem Feld – und mit rund zwölf Kisten pro Woche ist das Ziel erreicht worden.

Samstags wird geerntet

Wobei der Start natürlich nicht ganz einfach gewesen sei, sagt Eva Rautenberg. Erst sehr trocken, dann längere Zeit nur Regen. Wobei Letzterer gar nicht so dar große Probleme gewesen sei, die Trockenheit aber schon. „Was wir bereits gepflanzt hatten, kam mit der Trockenheit schon zurecht“, erinnert sich Rautenberg. Doch alles, was in diesen Wochen neu gepflanzt worden wäre, hätte gegossen werden müssen. Folglich habe der 1000-Liter-Tank mit Wasser gleich zum Start bald nicht mehr ausgereicht, um den Wasserbedarf zu decken. Ein zweiter Tank in selber Größe musste beschafft werden. Gegossen wurde meistens am Abend.

Abgesehen von den extremen Hitze-Tagen falle das Gießen aber zu großen Teilen aus. Viel werde mit Mulchen erledigt, und auch speziell hergestellte Holzkohle, sogenannte Terra preta, trage ihren Teil dazu bei, dass ansonsten relativ wenig gegossen werden müsse.

Natürlich kämen auch keine Chemikalien zum Einsatz, weshalb das Auszupfen von Unkraut durchaus Zeit in Anspruch nehme. Etwas Zeit spart da, wer sich mit Beikräutern wie Urspinat auskenne. Der wachse auch auf dem Feld und könne zubereitet werden.

Dienstag, Donnerstag und Samstag treffen sich die Solawi-Mitglieder in der Regel, um auf dem Feld zu arbeiten. Bei sechs Stunden pro Monat ergeben sich so anderthalb Stunden die Wochen, „wobei die meisten sicher noch länger hier sind, weil es auch einfach Freude macht“, sagt Rautenberg. Das sei ja einer der Hauptansätze gewesen, das, was man esse, selbst anzubauen und zu ernten und dadurch wieder bewusster zu erleben. Geerntet werde übrigens meistens am Samstag, „es kann aber auch mal Dienstag sein, wenn schon viel reif ist“, sagt die Initiatorin.

Erwartungen erfüllt

Insgesamt sei der Ertrag der Solawi in Grafenwiesen also so, wie man ihn sich vor dem Start vorgestellt habe – aber natürlich habe es auch Rückschläge gegeben. So seien Radieschen und Rettich dieses Jahr eher nichts geworden, und auch die eine oder andere Gurke habe während der großen Hitze bisweilen etwas matt ausgesehen. Aber Rote Beete, Salat, Bohnen, Erbsen, Fenchel, Kohl. Kohlrabi, diverse Kräuter, Tomaten und vieles mehr sei bereits gewachsen, der Kürbis wachse jetzt bereits sehr gut.

Ein Problem mit Schnecken gebe es überraschenderweise nicht auf dem Feld – dafür seien die Krähen irgendwann einmal auf den Plan getreten. Seitdem hat die Solawi eine neue Mitarbeiterin: Franziska. Die Vogelscheuche stehe seit Ende Juni auf dem Feld bereit und tue ihren Dienst unverdrossen und sehr zur Zufriedenheit der Solawi-Landwirte.

Wie lange die „Saison“ noch dauern werde auf dem Feld, das sei noch nicht zu sagen, meint Eva Rautenberg. Aber natürlich werde der Ertrag nach dem Sommer zurückgehen. Doch es gebe ja verschiedene Sorten, die auch über den Winter eingelagert werden könnten und so auch zur Verfügung stünden, wenn auf dem Feld nicht gearbeitet werden müsse. Etwas Arbeit stehe bis dahin aber schon noch an. So müsse der Feld, wenn alles einmal abgeerntet sei, gemulcht und mit Stroh und Mist bedeckt werden, damit sich der Boden wieder anreichern könne. Dafür entfalle im nächsten Frühjahr zumindest die grundlegende Arbeit des Feldumgrabens.

Ein kleines Stück Land gäbe es noch, das bewirtschaftet werden könnte, weiß Eva Rautenberg. Vielleicht Platz für noch mehr Mitstreiter? Denen stünde nicht nur die wöchentliche Kiste Gemüse, sondern auch noch etwas ganz anderes in Aussicht: Die gute Stimmung in der Gemeinschaft, die die Arbeit auf dem Feld gar nicht so sehr zur Arbeit, sondern zur Freude für die Solawi-Mitglieder mache.

Rückblick zum Mai dieses Jahres: Eva Rautenberg und Johannes Zeitzler pflanzen noch.