Sechs Nicht-Landwirte bewirtschaften ihr eigenes Feld auf 1000 Quadratmetern

Wie wichtig Sonne und trockene Tage sind, das wissen seit Ende April nicht nur Landwirte, sondern auch sechs Menschen, die sich in Grafenwiesen ein großes Ziel gesetzt haben: Sie wollen mit einer solidarischen Landwirtschaft (Solawi) Obst und Gemüse selbst anbauen. Seit rund drei Wochen läuft das Projekt, das selbst erst wachsen musste.
Am Dienstag versehen Initiatorin Eva Rautenberg und Landschaftsgärtner Johannes Zeitzler gerade ihren „Dienst“ auf dem Feld. Es wird gepflanzt und gemulcht, und endlich scheint die Sonne. Seit März warten die Solawi-Mitglieder – sechs an der Zahl – darauf, dass es losgehen kann. Erst Ende April konnte das Feld umgegraben werden, davor war es zu regnerisch.
Kosten: 50 Euro pro Monat
Landwirte finden sich dabei nicht unter den Solawi. Einige bewirtschaften immerhin einen eigenen Garten, so wie Eva Rautenberg. Andere haben aber auch den nicht und sind darum bei der Solawi mit dabei. Mitgebracht hatte diese Idee Eva Rautenberg von ihrem früheren Wohnort im Chiemgau. Als sie mit Mann und Kindern wieder zurück in die Heimat nach Grafenwiesen gezogen war, schloss sie sich der bereits bestehenden Solawi in Radling an. „Irgendwann habe ich mir aber gedacht, dass es auch nichts ist, immer so weit für eine Kiste Gemüse zu fahren“, sagt sie – und brachte die Idee in Grafenwiesen seit Oktober unter die Leute.
Etwas eigenständiger werden, „selbst im Garten zu buddeln“, den „Bezug zum eigenen Essen wieder herstellen“ und mit ökologischem Anbau auch noch die Gemeinschaft stärken – das sind die Ziele, die das Projekt verfolgt. 50 Euro zahlen die Mitglieder als Unkostenbeitrag pro Monat und verpflichten sich auch zu sechs Stunden Arbeit pro Monat auf dem Feld. „Im Frühjahr natürlich etwas mehr, im Herbst und Winter dafür weniger“, sagt Rautenberg. Vom Ertrag des Feldes versprechen sie sich eine Kiste Gemüse pro Woche und Mitglied. Aber natürlich gelte es auch hier, erst einmal Erfahrungen zu sammeln.
Feld mit 1000 Quadratmetern
An Erfahrung reicher seien die Mitglieder jetzt schon. Das habe schon mit der Suche nach einer passenden Fläche begonnen, die sie schließlich vom Birkenhof-Chef „Birkerl“ Johann Gmach pachten konnten. Sie liegt unweit des Hotels Birkenhof in Grafenwiesen oberhalb des Freibad-Parkplatzes und umfasst 1000 Quadratmeter.
Eine Wiese aber einfach in einen Acker zu verwandeln, das geht nicht, erfuhren die Solwai-Mitglieder schon vor Beginn. Eine Grünfläche umzuwandeln, das habe einen naturschutzrechtlichen Ausgleich verlangt, erfuhren sie vom Landratsamt. Da die Solawi keine andere Fläche „umwandeln“ konnte, wurde ihnen vorgeschlagen, Obstbäume zu pflanzen.
„Eigentlich war es dann doch ganz unkompliziert“, erinnert sich Eva Rautenberg. Die Montessori-Schule wenige Meter weiter half mit den Obstbäumen, die jetzt am Rand des Feldes gepflanzt wurden und das Landratsamt gab unkompliziert das OK. Ein Bio-Landwirt aus Thening ackerte das Feld um, ein weiterer aus Arnschwang half beim Fräsen aus. Alle Geräte habe die Solawi noch nicht beisammen, wissen Rautenberg und Zeitzler, und auch neue Mitglieder seien noch willkommen. 15 bis 20, schätzen sie, könnten insgesamt mitmachen.
Um weitere zu motivieren, wird es am Dienstag, 23. Mai, um 18.30 Uhr eine Informations-Veranstaltung im Hotel Birkenhof dazu geben. Dabei wird näher erklärt, wie das Projekt funktioniert, was noch alles angebaut werden kann und soll, und wie mit Mulchen auch der Wasserverbrauch gering gehalten werden und die Solwai-Mitglieder dafür etwas bekommen, was es sonst nicht gibt: Gemüse, das jeder wirklich selbst angebaut und geerntet hat.
Was noch gebraucht wird
Spenden: Neben Sachspenden wie Schaufeln und Schubkarren unter Tel. 0171 75 21 721 freut sich die Solawi auch über Geld unter der Bankverbindung Lebensgärten Bayerwald e. V., GLS Bank Bochum
IBAN: DE17430609671285
522500, Verwendungszweck „Spende Grafenwiesen" – dafür gibt es eine Spendenquittung oder „Naturalien“ vom Feld.
