Bayerwald-Sterne lösen sich auf – Bandmitglied aus Hohenwarth spricht über die Gründe

Von Sabrina Kauer · 8. Februar 2026 um 05:00

47 Jahre lang brachten die Bayerwald-Sterne das Publikum im Landkreis Cham und darüber hinaus zum Mitsingen, Tanzen und Feiern. Nun geht eine Ära zu Ende. Wenn die Freiwillige Feuerwehr Blaibach am 14. Februar ihren Faschingsball feiert, tritt die bekannte Stimmungs- und Partyband aus dem Bayerischen Wald ein letztes Mal auf. Mitglied Jürgen Kuchler (56) erklärt, wieso.

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Am 30. April 1979 gaben die Bayerwald-Sterne im Pongratz-Saal in Gleißenberg ihr Debüt, ist in einem Zeitungsartikel von damals zu lesen, dessen Kopie Jürgen Kuchler zuhause aufbewahrt. Max Lankes aus Lixenried, Alois Feiner aus Gleißenberg, Hans Högerl aus Rußmühle, Sepp Augustin aus Schachten und Willi Freimuth aus Rittsteig hatten die Band gegründet und verfügten „über ein umfangreiches Repertoire, das vom Oberkrainer-Sound bis zur modernen Tanzmusik reicht“, heißt es in dem Artikel weiter.

Sie haben die Bayerwald-Sterne 1979 gegründet: Willi Freimuth, Sepp Augustin, Hans Högerl (hinten v. l.), Alois Feiner, Max Lankes (vorne v. l.). - Foto: Bayerwald-Sterne/Archiv

Seit 20 Jahren ist Jürgen Kuchler Teil der Bayerwald-Sterne

Der Oberkrainer-Stil (Klarinette, Trompete, Akkordeon, Bariton, Gitarre) sowie angesagte Lieder, zu denen gerne getanzt wird, stehen bei den Bayerwald-Sternen bis heute auf dem Programm. Doch hat sich laut Kuchler in Sachen Besetzung in den vergangenen Jahrzehnten einiges getan. Derzeit bestehe die Band aus ihm selbst, Jürgen Kuchler (Hohenwarth), Michael Amberger (Lohberg), Franz Wurzer (Rinchnach), Zbysek Bruj (Pilsen) und Leon Freide (Schorndorf), der mit seinen 20 Jahren der Jüngste in der Gruppe ist.

In dieser Besetzung lösen sich die Bayerwald-Sterne nun auf: Michael Amberger, Jürgen Kuchler (hinten v. l.), Leon Freide, Zbysek Bruj, Franz Wurzer (vorne v. l.). - Foto: Bayerwald-Sterne

Dass Jürgen Kuchler ein Musiker durch und durch ist, macht sein Proberaum in seinem Haus in Hohenwarth-Ansdorf deutlich: Etliche Trompeten, Baritone, Gitarren und ein Keyboard stehen oder liegen aufgereiht im Zimmer. CDs und Fotos spiegeln die Leidenschaft zur Musik wider.

Der Schritt, dass die Sterne jetzt sterben, ist schon nicht ohne. Aber dass ich aufhöre, fällt mir persönlich gar nicht schwer.Jürgen Kuchler, Bandmitglied der Bayerwald-Sterne

Wie Kuchler sagt, hat er mit 15 Jahren angefangen, zu musizieren. Seit 41 Jahren spiele er in Bands; die vergangenen 20 Jahre verbrachte er bei den Bayerwald-Sternen. Doch mit dem Faschingsball am kommenden Samstag ist es vorbei; die bekannte Band verabschiedet sich von der Bühne.

„Der Schritt, dass die Sterne jetzt sterben, ist schon nicht ohne. Aber dass ich aufhöre, fällt mir persönlich gar nicht schwer“, sagt Kuchler. Auch wenn es ihm nach wie vor Spaß mache, aufzutreten, „aber alles drum rum, die Energie, nach der Arbeit noch zu üben, die habe ich momentan nicht mehr“, sagt er. 40 bis 50 Auftritte im Jahr, das tägliche Proben, die vielen Termine und der damit einhergehende Stress – „Man richtet sein ganzes Leben nach diesem Hobby aus“, so Kuchler. Das sei der Grund, wieso der 56-Jährige seine musikalische Karriere nun an den Nagel hängt. Nicht nur Jürgen Kuchler, auch Franz Wurzer wolle sich von der Bühne verabschieden. Hätte die Band für die beiden Scheidenden geeignete Nachfolger gefunden, wäre es mit der Gruppe weitergegangen.

Das Problem: „Es ist schwierig, in der heutigen Zeit Musiker zu finden, die das so machen möchten und können“, sagt der 56-Jährige. Um die musikalische Qualität der Bayerwald-Sterne aufrecht zu erhalten oder gar zu verbessern, müsse viel Zeit und Arbeit in den Nachwuchs gesteckt werden. „Das möchte keiner mehr investieren“, sagt Kuchler und fügt an: „Wir hätten es schon versucht, dass es mit den Sternen weitergeht.“

Der Oberkrainer-Stil stirbt langsam aus

Ein weiteres Problem sei aber, dass der Oberkrainer-Stil langsam aussterbe. „Früher war es ein Ansporn, weil die Leute es angenommen haben. Heute ist es noch im Lamer Winkel oder im Hohenbogenwinkel gefragt. In Kötzting kannst du vielleicht noch ein paar solcher Lieder spielen und wenn du nach Cham kommst, ist das gar nicht mehr gefragt“, erklärt Jürgen Kuchler. Wenig verwunderlich also, dass kaum Musiker für eine Band dieser Art nachkommen.

Zurückblicken können die Bayerwald-Sterne auf Auftritte in ganz Deutschland, Tschechien und Österreich. In ihrer Anfangszeit haben die Bayerwald-Sterne in der Alpenrepublik auch eine CD produziert, weiß Kuchler. Unzählige Male hätten sie Oberkrainer wie „Auf der Autobahn“ oder „Trompeten-Echo“ gespielt. „Es gibt Stücke, die man das ganze Leben lang schon spielt. Es gibt auch Lieder, die man selbst nicht so gerne mag. Aber als Musiker schaut man da drüber hinweg, weil die Leute es hören wollen“, so der Hohenwarther, der bereits einige Anfragen von Bands, die ihn gerne hätten aufnehmen wollen, abgelehnt hat. Trotzdem falle es ihm schwer, seine Instrumente zu verkaufen. „Ich möchte am liebsten nichts hergeben“, sagt Kuchler und lacht.

Für Vereinsfeste, Bälle, Festivals oder Hochzeiten – „Ich habe es jetzt schon oft erlebt, dass man auf Hochzeiten von den Eltern und auch wieder deren Kindern spielt, da merkt man, man wird alt“, sagt Kuchler – müssen von nun an andere Bands gebucht werden. Für den Familienvater steht fest: „Es war wirklich super und eine schöne Zeit, von der ich keine Sekunde missen möchte. Ich habe auch nicht gesagt, dass ich für immer und ewig das Spielen aufhöre. Aber alles hat ein Ende und jetzt freue ich mich auf die Zeit, die kommt.“