Wer ist „Hartmut Rock“: Kuriose Memes zur Kötztinger Stadtpolitik geben Rätsel auf

Von Stefan Weber · 6. Februar 2026 um 11:00

„In der Kommunalwahl 2026 geht es schon wieder mehr um Schlager als um Inhalte.“ Mit diesem kurzen Satz auf Instagram betritt „hardrock_statt_schlager“ am 13. Januar die Bühne der Sozialen Medien. Es handelt sich um eine Seite, auf der seitdem fast täglich kurze Clips rund um das Stadtgeschehen in Bad Kötzting im allgemeinen erscheinen. Was hat es damit auf sich?

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Eine „Meme-Seite“, wie es sie etwa auch in der Nachbarstadt Viechtach oder für den Landkreis Cham gibt. Aber: Wer verwaltet die Seite und warum wird die so kurz vor der Kommunalwahl erstellt?

Das Foto im Profil ist offensichtlich fake, einen Namen gibt es nicht. Ob CSU, Freie Wähler oder UWG – es kommen alle größeren Parteien im Stadtrat mal vor und kommen dabei mehr oder weniger gut weg.

Gut 100 Follower für die Instagram-Seite

Einen Hinweis auf den oder die Macher der Seite (die aktuell von etwas mehr als 100 Instagram-Nutzern abonniert wird) gibt es so nicht. Also bleibt nur, dem Ersteller selbst eine Nachricht zu schreiben. Dass die schon am frühen Morgen sofort gesehen wird, zeigt das Handy umgehend an. Eine Antwort gibt es allerdings nicht. Zumindest nicht sofort.

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Vielleicht, weil das Anlegen der Email-Adresse länger gedauert hat. Sieben Stunden nach der Anfrage liegt eine Antwort im Postfach bei Instagram – und es gibt natürlich ein eigenes Reel, in dem sich „Hartmut Rock“ es sich nicht nehmen lässt, zu verkünden, dass „Da Zeitungsmo“ ihm eine Nachricht geschrieben hat. Gut, damit war zu rechnen. Dafür beantwortet „Hartmut“ die Fragen per Mail mit „einem politischen Manifest oder so“.

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Eine Seite „von einem Kötztinger Bürger für die Kötztinger Bürger“ solle hardrock_statt_schlager sein. Bad Kötzting scheine „im Dornröschen-Schlaf zu sein, was viele (auch weltpolitische) Fragen“ angehe, und er glaube nicht, dass „vor allem unsere Verantwortlichen in der Stadt (...) ansatzweise für viele Probleme der Zukunft (Klimakrise, Wegfall vieler Arbeitsplätze, Energie…) gewappnet“ seien. Die Politisierung an sich ist das Ziel, heißt es in dem Schreiben: „Es wäre schön, v.a. für mich als Politikstudent, wenn sich wieder mehr an demokratisch-politischen Prozessen beteiligen würden.“ Die anstehende Wahl sei daher ein guter Anlass, denn „man kann hier am spürbarsten einschneidende Veränderungen herbeiführen“.

Schlimm, dass für Kötzting nur ein Bürgermeister-Kandidat zur Wahl steht Aber das ist nicht nur in Bad Kötzting so, sondern in vielen umliegenden Gemeinden.„Hartmut Rock“, Betreiber der Instagram-Seite „hardrock_statt_schlager“

Als Politik-Student, so „Hartmut Rock“, empfinde er es als „schlimm, dass für Kötzting nur ein Bürgermeister-Kandidat zur Wahl steht Aber das ist nicht nur in Bad Kötzting so, sondern in vielen umliegenden Gemeinden“. Der Demokratie schade die Ein-Kreuz-Möglichkeit aber auf jeden Fall. Darum wolle er auch darauf aufmerksam machen, dass es keine „starke Parteien-Arbeit“ in der Stadt gebe. „Die UWG sticht dabei heuer zumindest positiv heraus, denn die trauen sich mal, was Neues im Gegensatz zu den anderen mit ihrer Schilder-Kampagne – auch wenn die Videos schon ein wenig drüber sind.“ Einen Gegenkandidaten hätten aber weder sie noch die CSU gestellt.

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Natürlich seien es kritische Botschaften, die hinter den Memes steckten. „Wie kann es z.B. sein, dass es so viel Leerstand gibt? Kann man als Verantwortliche der Stadt das nicht besser regulieren? Wieso gibt es so wenig (Kultur-)angebote für uns junge Leute? Wo sind die vielen versprochenen Bauplätze für junge Familien, die erschwinglich sind?“, lauten seine Fragen. Oder womöglich auch ihre Fragen – denn wer wirklich hinter der Seite steckt, das bleibt ungeklärt.

Bleibt die Frage: Wer steckt nun hinter der Seite?

„Auf meiner Insta-Seite erfährt man alles, was man über mich wissen muss“, heißt es in der Antwort per Mail. Es handele sich aber nicht um eine Gruppe: „Bin nur ein Student.“ Dass die Reichweite mit gut 100 Followern nicht hoch sei, beurteile er als „Mittelprächtig – Memes über Alkohol gehen ganz gut. Vielleicht sollte ich mehr in diese Richtung denken und mehr über Brauereien schreiben. Das scheint die Bürger mehr zu bewegen, wer jetzt ihr Pfingstfest ausrichtet und bewirtet, als wie viele Bürgermeister-Kandidaten es gibt...“

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Ob die Seite nun wirklich dazu beiträgt, mehr Menschen für Politik zu interessieren? Oder ist sie doch nur ein Mittel, um Wahlkampf zu betreiben? Das wäre wohl nur eindeutig zu klären, wenn sich der Verfasser der Memes zu erkennen geben würde. Die reine Anonymität des Internets mag gut sein, um Kritik zu äußern – mehr Gewicht verleiht es ihr allerdings nicht.