Klima- und Umweltschutz ist roter Faden für den Langquaider Peter-Michael Schmalz (ÖDP)

In der gesellschaftlichen Debatte sind Umweltthemen aktuell in den Hintergrund geraten. Einen Landrats-Kandidaten ficht das nicht an: Peter-Michael Schmalz von der ÖDP sieht eine gute Umwelt-, Klima- und Energiepolitik als Schlüssel zu einem prosperierenden Landkreis – und sich als Hüter dieses Schlüssels.
Jetzt in Langquaid beheimatet, ist Peter-Michael Schmalz in Kelheim-Affecking aufgewachsen. Den Donaudurchbruch hat er als Treffpunkt vorgeschlagen, weil dort für ihn „das Herz des Landkreises Kelheim schlägt“. Die Kompromisslosigkeit freilich, mit der Schmalz in den vergangenen Jahren etwa gegen den geplanten Hochwasserschutzdamm bei Staubing oder für einen Donau-Nationalpark gefochten hat, brachte ihm auch etliche Feinde ein.
Ihm selbst wiederum waren einst die Grünen „zu radikal“, bei Themen wie Schwangerschaftsabbruch, Drogen. So habe er Anfang der 1990er die ÖDP als Alternative entdeckt, schildert der vierfache Familienvater. Für die eher konservative Öko-Partei sitzt er seit 1996 im Kreistag. Wobei er das Wort „sitzen“ wohl vermeiden würde: Im Wahl-Flyer bezeichnet sich der 63-Jährige als „die aktivste Kraft im Kreistag“, die bereits 280 Anträge und Initiativen eingebracht habe.
„Hätten wir die regionale Energiewende schon früher realisiert, hätte zum Beispiel Kelheim Fibres nicht schließen müssenPeter-Michael Schmalz, ÖDP-Landratskandidat
Den aktuellen Wahlkampf bestreitet er vor allem mit Ruf nach der Energiewende im Landkreis, hin zu klima-neutraler, regionaler Energie-Autarkie. „Hätten wir das schon früher realisiert, hätte zum Beispiel Kelheim Fibres nicht schließen müssen“, ist Schmalz hinsichtlich des Energie-Großverbrauchers überzeugt. Möglich sei so eine Autarkie, jedenfalls bilanziell: Einer rechnerischen Selbstversorgung des Landkreises stünden in der Praxis EU-weite Energieverbünde gegenüber, für die freilich das Stromnetz weiter ausgebaut werden müsste.
Und es brauche nicht nur die geforderten 1,8 Prozent der Landkreis-Fläche für Wind- und Solarenergie. Sondern zudem saisonale Energiespeicher, „und vor allem, dass man Energie einspart und effizienter nutzt“. Mit all dem verknüpft der pensionierte Polizeihauptkommissar auch seinen wirtschaftspolitischen Ansatz.
Denn die Energieerzeugung, etwa per Freiflächen-Photovoltaik, bringe langfristige Wertschöpfung für Grundstücksbesitzer, insbesondere Landwirte (denen er freilich auch gerne mehr Engagement bei der Erzeugung von Öko-Lebensmitteln schmackhaft machen würde); Außerdem hätten Firmen und Betriebe im Landkreis dann eine verlässliche Energieversorgung. Die technologie-bedürftige Branche könne zudem „viele Tausend Arbeitsplätze“ und neue Ausbildungsberufe schaffen – gerade auch am Kelheim Fibres-Gelände. Dort könne er sich „ein Energie-Cluster für Forschung und Entwicklung, Produktion und Dienstleistung“ vorstellen.
Andere Themen kommen im Wahlprogramm des ÖDP-Kandidaten am Rande vor. In der Bildung sieht er nach eigenen Worten „Nachholbedarf“: „Die Schulstrukturen im Landkreis sind ausreichend, aber ihre Nutzung hängt noch zu sehr vom Geldbeutel ab“. Hier könne er sich „Projekte gemeinsam mit der Wirtschaft“ vorstellen, um ärmere Familien zu unterstützen.
Beim heiß diskutierten Thema Krankenhäuser kann er in Kelheim mit der Caritas als Partner für St. Lukas leben; „es fehlt aber bislang die vertraglich vereinbarte Validierung“ dieser Kooperation, kritisiert er. Auch das Mainburger Haus müsse erhalten bleiben, inklusive 24/7-Notfallversorgung und den dafür nötigen Fachabteilungen.
„Das Amazon-Großprojekt zu verhindern, würde die Landkreis-Finanzen entlasten.“Peter-Michael Schmalz
All dies zu finanzieren, sei schwierig, räumt er ein. „Das Amazon-Großprojekt zu verhindern, würde die Landkreis-Finanzen jedenfalls entlasten.“ Die Ablehnung des Logistikparks ist im Übrigen eine der wenigen Gemeinsamkeiten mit dem Landratskandidaten, den Schmalz als seinen Haupt-Gegenspieler betrachtet.
Während der ÖDP-ler nämlich für den jetzigen und erneut kandidierenden Landrat Martin Neumeyer (CSU) als Umweltberater tätig ist, will er zu Christian Nerb einen „klaren Kontrapunkt setzen“. Den Freien Wähler halte er nämlich für „wenig umweltaffin“, so Peter-Michael Schmalz, der sich Jahrzehnte am früheren FW-Landrat Dr. Hubert Faltermeier abgearbeitet hatte.
Mit ihrem Kreisvorsitzenden Schmalz hat es die ÖDP auf derzeit vier von 60 Kreistagssitzen gebracht. Mehr zwar als etwa FDP oder AfD, aber weit weg von einer Gestaltungsmehrheit. An seinem Themenschwerpunkt halte er aber fest, egal ob Umweltschutz gesellschaftlich gerade en vogue sei oder nicht: „Ich glaube, dass mir der liebe Gott die Fähigkeit und die Verpflichtung gegeben hat, mich dafür einzusetzen“.
Denn Umweltkrisen hätten größte Schuld auch an humanitären Katastrophen und trieben global die Menschen zur Flucht. Dagegen müsse man auf Landkreis-Ebene etwas tun, sagt der ÖDP-Kandidat, „mit den Möglichkeiten, die wir hier haben“. Als Beispiel nennt er einen „fairen, ökologischen, sozialen Konsum“.
Zur Person
Privat: Geboren in Kelheim, lebt der einstige Donau-Gymnasiast Peter-Michael Schmalz in Langquaid, wo auch die vier Kinder der Familie aufwuchsen - und Hund „Skippy“ als „fünftes Kind, mit Fell“. Die täglichen Spaziergänge mit ihm, dazu Radeln, sind für den ÖDPler ebenso eine Auszeit von der Kommunalpolitik wie praktische Naturschutzarbeiten.
Beruf: Förster wollte er werden; Polizeihauptkommissar wurde er, nach dem FH-Studium. Immerhin bei der umwelt-affinen Wasserschutzpolizei, wo er in Regensburg vor der Pensionierung der Leiter war.
Partei: Ungefähr 1990 stieß er zur ÖDP; „den Kreisverband habe ich mit aufgebaut“, so Schmalz. Seit 1995 ist er Kreisvorsitzender und seit 1996 Kreisrat. Seit 2002 ist er auch im Langquaider Marktrat.