Drogengeld der Heroinbande war im Besteckkasten der Eltern in Regensburg versteckt

Von André Baumgarten · 23. Februar 2026 um 17:00

Wussten Vater und Mutter vom Boss der Heroinbande in Regensburg von nichts? Das Amtsgericht spricht das Ehepaar trotz belastender Kommunikation frei – weil die EncroChat-Nachrichten der Dealer in diesem Fall nicht verwertbar sind.

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Sie versorgten Süchtige in und um Regensburg über Jahre mit Stoff. Im April 2022 wurde dieser Sumpf um die sogenannte Heroinbande dann ausgehoben. Die Verantwortlichen sind längst verurteilt. Ein Ende aber ist noch lange nicht in Sicht: Jetzt standen die Eltern des verurteilten Bandenbosses vor Gericht – wegen 35 000 Euro im Besteckkasten, die bei der Groß-Razzia in ihrer Wohnung gefunden wurden. Wem das damals sichergestellte Geld gehört, hat auch der neue Prozess nicht geklärt – für das Ehepaar gab es einen Freispruch, weil belastende Chats über Kryptohandys nicht verwertbar sind.

In der Kommunikation zwischen den beiden Bandenbossen via „EncroChat“, einem Anbieter speziell verschlüsselter Handys, die bei Verbrechern besonders beliebt waren, geht es Mitte Mai 2020 um die Übergabe von 51 000 Euro an den Vater. Sie schreiben hin und her, wo der beste Ort dafür sein könnte. Das Haus der Eltern in Regensburg auf jeden Fall nicht. Dass das Geld übergeben wurde, bestätigte der eine dem anderen im Chat später.

Verurteilter Boss der Drogenbande als Zeuge geladen

Deshalb wurde der 57-jährige Vater von einem der Männer angeklagt – wegen Geldwäsche. Und mit ihm die ein Jahr ältere Ehefrau. In ihrer Küche lagen, versteckt unter dem Besteckkasten, 35 000 Euro. Als Beamte des Zollfahndungsamts in München im April 2022 das Geld fanden, habe das Ehepaar überrascht gewirkt, sagte ein Ermittler. Und die Eltern gaben spontan an, nichts von den 123 Hundertern und 454 50-Euro-Scheinen gewusst zu haben.

Ein Kompagnon ihres Sohnes (stehend, die Hand zeigt das Victory-Zeichen) war als Zeuge geladen, zog es aber vor zu schweigen. Der 40-Jährige ist als zweiter Boss der Heroinbande fast zur Höchststrafe verurteilt worden - Foto: Baumgarten

Abgesehen von der DNA des Ukrainers, der mit an der Spitze der Heroinbande stand und im Zeugenstand die Aussage verweigerte, und der eines Mitangeklagten, gab es am sichergestellten Geld nur Fingerabdrücke einschlägig bekannter Dealer und Konsumenten. Spuren des angeklagten Ehepaars dagegen fanden sich keine. Ermittler fanden auch das eingeschaltete Handy des Sohnes bei ihnen. Rückschlüsse ließen sich daraus aber nicht ziehen.

Anklage will Bewährungsstrafen, Verteidiger fordern Freisprüche

Es mag naheliegen, dass die Eheleute wussten, womit der Sohn den Lebensunterhalt verdient. Doch Beweise gab es dafür nicht. Strafverteidiger Tim Fischer, der die Frau vertrat, fand deutliche Worte für die Forderung der Anklage nach Freiheitsstrafen. Dr. Florian Münch, der Anwalt vom Vater des Drogenbosses, mahnte, dass auch die Staatsanwaltschaft ihre Hypothesen öfter hinterfragen sollte. Beide Anwälte forderten jeweils Freispruch für ihre Mandanten.

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Dem schloss sich Richter Patrick Tschech am Ende an. Ein Tatnachweis scheitere schon an der Nicht-Verwertbarkeit der Chats. Der Bundesgerichtshof habe klare Regeln definiert, die den Fall der Eltern des Drogenbosses nicht umfassen – die Vorwürfe sind schlicht nicht schwer genug. Eine Auslegung der inhaltlich durchaus belastenden Chats sei daher auch für den Fund im Besteckkasten nicht von Belang. Es gebe keinerlei Anhaltspunkte, dass sie vom Geld wussten. Daher gab es Freispruch auf ganzer Linie.