Priester erzählen: Wer geht im Landkreis Schwandorf überhaupt noch zur Beichte?

Mit dem Aschermittwoch ist der Spaß vorbei: Denn auf den Fasching folgt die Fastenzeit. Früher handelte es sich um eine allgemeine Zeit der Buße und Einkehr, in der die Katholiken in die Kirchen strömten, um ihre Sünden in der Beichte zu bekennen. Doch heute scheint diese Praxis immer seltener zu werden – so sieht es im Kreis Schwandorf aus.
Wer die Nittenauer Stadtpfarrkirche Mariä Geburt betritt, steht zunächst in einem stillen hohen Raum voller leerer Bänke. Die hölzernen Beichtstühle wirken im Vergleich zum modernen Altar altmodisch, wie große antiquarische Schränke. Die Seitentüren kann man mit der Hand einfach aufziehen. Dahinter sieht man eine kleine Kammer mit Teppichboden. Die Kniebank vor dem Sprechgitter weist den Besucher auf die hier vorgesehene kniende Beichthaltung hin. Die Priesterkabine ist leer.
Stadtpfarrer Holger Kruschina ist es nicht mehr gewohnt, diesen Beichtstuhl zu öffnen. Stattdessen nutzt er lieber eine neuere Variante – das Beichtzimmer. Dort kann der Gläubige um eine traditionelle Ohrenbeichte bitten, oder aber mit seinem Beichtvater auf gleicher Augenhöhe zum Beichtgespräch sitzen.

Die Stadtpfarrei Nittenau bietet ein für die heutige Zeit vielleicht typisches Bild: Zweimal wöchentlich gibt es hier eine Beichtgelegenheit, die von drei Priestern im Wechsel betreut wird. Etwa zehn Beichten nimmt Pfarrer Kruschina in einem normalen Monat ab – zu besonderen Zeiten sind es mehr. In der Fastenzeit schätzt er das Gesamtaufkommen auf etwa 200.
Von solchen Zahlen kann Stadtpfarrer Stefan Wagner in Neunburg nur träumen. Die Beichtgelegenheit bietet er nur noch einmal im Monat an, und so manches Mal bleibt er allein im Beichtstuhl sitzen. Michael Hirmer, Schwandorfer Dekan und Stadtpfarrer in Burglengenfeld, kann die Erfahrungen Wagners nur bestätigen. Auch er wartet häufig vergeblich auf seine Gläubigen. Die Anzahl der Beichten, die er in seiner Pfarrei abnehmen darf, schätzt er auf etwa 30 im Jahr.
Beichtzentren in der Region ziehen Gläubige an
Während viele Beichtstühle in der Region meist leer bleiben, scheinen einige wenige Zentren in der Region jedoch Zulauf zu erleben: „Fragen Sie die Patres vom Kreuzberg in Schwandorf oder am Miesberg in Schwarzenfeld. Dann werden Sie hören, dass dort viele Menschen Versöhnung im Sakrament der Beichte suchen“, rät Pfarrer Hirmer.
In der Tat: Im Passionisten-Kloster auf dem Miesberg in Schwarzenfeld zeigt sich ein anderes Bild als in Nittenau. Eine kleine Klingel an der Wand – die Beichtglocke – wartet hier ständig darauf, die reuigen Gläubigen in Empfang zu nehmen. Und sie läute mindestens einmal am Tag, berichtet Pater Lukas Temme, Rektor und Novizenmeister des Klosters auf dem Miesberg sowie Provinzoberer der Süddeutsch-Österreichischen Provinz der Passionisten.

Für Temme ist die Beichte nicht nur eine Pflichtübung, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Glaubenslebens. Die Beziehung zu Christus, die könne man ja nicht „in Scheibchen“ nehmen, sagt er, sondern alle Sakramente seien gleichermaßen Mittel, um Gott zu begegnen. Und nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Liebe solle man diese Begegnung immer wieder suchen. Wie die Beichte wirkt, erlebt Pater Lukas in seiner alltäglichen Praxis. Menschen, die regelmäßig kämen, entwickelten oft auch eine höhere Empfindsamkeit und Reflexion, berichtet er. Darum empfiehlt er: Beichten sollte man regelmäßig, im Idealfall alle vier Wochen.
Die, die heute zur Beichte kommen, die wollen auch beichten.Pater Lukas Temme, in Schwarzenfeld
Auch Pater Lukas muss jedoch zugeben: Die Anzahl der Beichten in seinem Kloster ist über die Jahre rückläufig. Positiv entwickelt habe sich allerdings ihre Qualität, vor allem bei jüngeren Erwachsenen: „Die, die heute zur Beichte kommen, die wollen auch beichten“, erklärt er. Der innere Wille und das Bewusstsein seien früher bei jungen Menschen nicht so ausgeprägt gewesen.
Gespräche werden länger und intensiver
Dekan Hirmer schließt sich der Beobachtung an. Er weiß zu berichten, dass Beichtgespräche heute häufig intensiver und emotionaler verlaufen. Für ihn ist das durchaus plausibel, denn die Gründe, um das Angebot aufzusuchen, findet er aktueller denn je: „Schauen Sie doch nur einmal unsere Zeit an, wie viele unversöhnte Menschen herumlaufen.“ Die Beichte sei ein Mittel zu genau dem inneren Frieden, der den Menschen in der Gesellschaft heute fehle.
Auch Holger Kruschina erklärt: „Unverarbeitete Schuld kann pathologisch werden.“ – Und kein Mensch gehe schließlich ohne Schuld durch das Leben. In der Beichte sieht er die „echte“ Möglichkeit, eigene Schuld zu verarbeiten und sein Leben zu reflektieren. Die Pfarrer im Landkreis Schwandorf wollen darum auch in Zukunft geduldig im Beichtstuhl auf ihre Schäfchen warten.