Statt der Schüler durften die Profis ran: Standing Ovations für Musiklehrer in Schwandorf

Von Clara Lietzmann · 2. Februar 2026 um 17:41

Diesmal standen nicht die Schüler, sondern die Lehrer auf der Bühne beim Konzert der Musikschule Schwandorf: Eine bunte Mischung an Stücken präsentierten sie dem Publikum und deckten dabei eine Vielfalt an Epochen und Weltregionen ab.

Organisator Lorenz Trottmann führte als Moderator lässig und locker durch den Abend, an dem statt Anzug und Krawatte eher Jeans angesagt waren. Die einzelnen Solo- und Ensemblebeiträge hatte er zusammen mit seinen Kollegen in nur kurzer Zeit auf die Beine gestellt. Die etwa 80 Zuhörer in der Spitalkirche waren am Ende begeistert.

Den Startschuss in das Programm gab eine musikalische Herrenrunde mit Rolli Bohnes an der E-Gitarre, Stefan Bauer am Schlagzeug, Alexander Svidnitsky am Kontrabass sowie Lorenz Trottmann am Klavier. Mit ihrer jazzlastigen Caféhaus-Stimmung setzten sie einen immer wiederkehrenden Akzent.

Kontrastiert wurde der eher moderne Auftakt jedoch bereits im zweiten Stück von Bettina Grünemeyer, Barbara Schorr und Stefanie Waegner, die ein Barockwerk mit Blockflöte, Violine und Cello, begleitet vom Cembalo präsentierten. Den durchgehenden Wechsel zwischen den Epochen unterstrich Lorenz Trottmann, indem er immer wieder das Klavier gegen seinen barocken Vorgänger eintauschte. Bemerkenswert war auch ein Klavierstück von Tchesnokov, bei dem sich gleich drei Musiker zugleich an den großen Flügel wagten.

(Fast) jeder durfte mal mit jedem spielen

Die Solisten des Abends setzten unterschiedliche Schwerpunkte, die aber überwiegend zeitgenössisch waren. Für einen Höhepunkt des Abends sorgte der rumänische Violinist Vlad Ebert: Aus seiner Heimat brachte er zwei Tänze des Virtuosen Grigoras Dinicu mit, die ein beeindruckendes Tempo vorlegten und das Publikum zu begeistertem Applaus hinrissen. Auch zwei spanische, an den Flamenco angelehnte Werke sowie ein armenisches Stück sorgten für internationales Flair.

Gleich drei gemeinsame Stücke präsentierte die Jazzrunde mit Rolli Bohnes, Stefan Bauer, Alexander Svidnitsky und Lorenz Trottmann. - Foto: Clara Lietzmann

In den Ensemblestücken musizierten die Lehrer in verschiedenen Konstellationen und präsentierten heitere bis ernste barocke Klänge sowie böhmische Romantik bis hin zu zeitgenössischer Musik. Mit einer feierlichen Arie, vorgetragen von Polina Danielova, fand auch der Gesang Eingang ins Programm.

Den Musikern merkte man den Spaß am gemeinsamen Zusammenwirken an. Die Pause bot allen Gästen Gelegenheit, sich auszutauschen und bei einem Getränk ungezwungen ins Gespräch zu kommen.

Nach der Pause startete ein Ensemble von fünf Musikern in die moderne Popmusik durch. Ihre Darbietung eines durchaus tanzbaren Ed Sheeran-Medleys begleitete das Publikum mit erheiterten Reaktionen. Jazzige Töne kehrten dann wieder mit dem bekannten Hit „Somewhere Over The Rainbow“ zurück, der in seiner Fassung als Jazz-Standard präsentiert wurde. Für das große Finale des Konzerts brauchten die Lehrer mit einem Ensemble von neun Musikern den ganzen Bühnenraum. Der Samba-Klassiker „Brazil“ bildete einen fulminanten und würdigen Abschluss des Abends. Das Publikum belohnte die Künstler mit Standing Ovations.

Mit leidenschaftlich vorgetragenen rumänischen Tänzen begeisterte Vlad Ebert. - Foto: Clara Lietzmann

Nachdem Organisator Trottmann sich bei seinen Kollegen für ihre Mitarbeit und die Aufopferung ihrer Freizeit bedankt hatte, ergriff auch Musikschulleiter Peter Neff das Wort. Nicht nur von dem Konzert selbst, sondern auch den Gesprächen in der Pause zeigte er sich angetan.

Der Musikschulleiter träumt von einem Orchester

Natürlich verfolgt die Musikschule mit dem Lehrerkonzert mehr Ziele, als nur einen Abend lang zu unterhalten. Das Konzert ist für die Verantwortlichen eine gute Möglichkeit, für die eigene Arbeit zu werben und junge Leute für die Musik zu begeistern. Neffs Vision ist es, neben kleineren Ensembles auch ein eigenes Orchester mit der Musikschule aufzubauen.

Momentan fehle es noch an ausreichend Nachwuchs, vor allem in der Riege der Streicher, erklärte er im Gespräch mit der MZ. Auch einen gewissen Zeitgeist-Trend beobachtet er, dass die anspruchsvollen Streichinstrumente immer seltener erste Wahl für junge Menschen seien. Dennoch freut er sich darüber, dass die Musikschule wächst.

Die Mitwirkenden

Solisten: Anna Berwanger (Harfe), Alexander Svidnitsky (Kontrabass), Johannes Kellermann (Trompete), Stefanie Waegner (Violoncello), Lorenz Trottmann (Posaune), Vlad Ebert (Violine)

Ensemblemusiker: Rolli Bohnes (E-Gitarre), Stefan Bauer (Schlagzeug), Alexander Svidnitsky (Kontrabass), Lorenz Trottmann (Klavier, Cembalo, Posaune), Bettina Grünemeyer (Blockflöte)m Barbara Schorr (Violine), Polina Danilova (Klavier, Gesang), (Graham Buckland (Klavier), Vlad Ebert (Violine), Stefanie Waegner (Violoncello), Boris Velikovski (Oboe), Johannes Kellermann (Trompete)

Moderation: Lorenz Trottmann