Pflegenotstand und Reform: So plant der neue Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder

Von Marion Neumann · 18. Februar 2026 um 11:00

Seit Jahresbeginn steht Dr. Martin Baumann an der Spitze eines Großkrankenhauses: Gemeinsam mit Geschäftsführerin Sabine Beiser leitet er das Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg mit den Standorten Prüfeninger Straße und KUNO Klinik St. Hedwig. Im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung spricht er über Neubaupläne, Sparmaßnahmen und den Pflegenotstand – und ob ihm die geplanten Umstrukturierungen in der Krankenhauslandschaft manchmal schlaflose Nächte bereiten.

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Herr Dr. Baumann, Sie sind seit 19 Jahren bei den Barmherzigen Brüdern tätig, haben bereits in Regensburg gearbeitet und Verantwortung für die Krankenhäuser St. Barbara in Schwandorf sowie das Klinikum St. Elisabeth in Straubing übernommen. Die neue Position ist für Sie also kein Sprung ins kalte Wasser?

Martin Baumann: Es ist schon eine neue Herausforderung. Ein Maximalversorger dieser Größe hat eigene Strukturen, die man erst einmal verstehen muss. In den ersten Wochen geht es für mich vor allem darum, in vielen Gesprächen zuzuhören, um später die richtigen Prioritäten zu setzen. Es hilft allerdings enorm, dass ich die Grundstrukturen und viele Menschen noch von früher kenne. Das erleichtert das Ankommen in diesen besonders unsicheren Zeiten.

Jetzt haben Sie es bereits angesprochen: Die Krankenhausreform, Personalmangel und unklare politische Rahmenbedingungen machen die Lage für Krankenhäuser schwierig. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Baumann: Wir stehen vor einer großen Reform, die auch dringend nötig ist. Ein „Weiter so“ funktioniert nicht. Das System ist zu teuer und ineffizient. Als Maximalversorger mit exzellenter Medizin und menschlichen Zuwendung sind wir gut aufgestellt, doch gleichzeitig steigen die Kosten in allen Bereichen – Energie, Personal, Medizintechnik – während die Erlöse nicht im gleichen Tempo mitwachsen. Den Spagat zwischen Spitzenmedizin und wirtschaftlicher Stabilität auszutarieren, ist aktuell eine der wichtigsten Aufgaben für mich.

Ein großes Thema ist auch der Pflegenotstand. Wie stellen Sie sicher, dass ausreichend Personal vorhanden ist und Mitarbeiter nicht überlastet werden?

Baumann: Das ist eine zentrale Aufgabe unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen werden erfreulicherweise alt und bringen dann aber oft mehrere chronische Erkrankungen mit – ein Fortschritt der Medizin, der unsere Arbeit aber auch komplexer macht. Dazu kommt, dass viele erfahrene Pflegekräfte in den Ruhestand gehen und gleichzeitig zu wenig junge Menschen nachkommen. Diese Lücke müssen wir durch Ausbildung, attraktive Arbeitsbedingungen und ausländische Fachkräfte schließen. An unserem Krankenhausstandort in der Prüfeninger Straße planen wir deshalb ein großes Bildungszentrum. Wir wollen unseren Nachwuchs fachlich optimal ausbilden und Herzensbildung vermitteln. Denn trotz aller Herausforderungen bleibt die Pflege einer der schönsten Berufe der Welt.

Wenn Sie sagen, dass die Pflege einer der schönsten Berufe der Welt ist, sprechen sie ja aber aus der Außenperspektive. Wie häufig kommen Sie denn tatsächlich mit Pflegekräften ins Gespräch?

Baumann: Ich versuche, so viel wie möglich direkt mitzubekommen. Die Realität ist aber auch, dass Gespräche zumeist mit Führungskräften im Pflegebereich stattfinden. Durch die Größe des Hauses komme ich nicht mehr so herum, wie ich es gerne würde. Trotzdem höre ich genau hin, wo die echten Probleme liegen. Der Arbeitsalltag von Pflegekräften hat sich stark verändert und ist anspruchsvoller geworden. Das liegt zum Teil auch an der enormen Zunahme von Bürokratie, die dem Patienten nicht direkt nützt. Trotzdem möchte ich an dem Beruf auch das Positive sehen: Man wird fachlich gefordert, entwickelt sich weiter und sieht sofort, wie wertvoll die Arbeit ist. Wer Sinn in seinem Beruf sucht, findet hier Erfüllung.

Ihr Vorgänger Dr. Andreas Kestler war Mediziner, Sie kommen aus der Gesundheitsökonomie. Legen Sie den Fokus stärker auf Wirtschaftlichkeit?

Baumann: Ich bin Gesundheitsökonom, klar – aber Wirtschaftlichkeit ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir unseren Auftrag erfüllen: Menschen versorgen und beste Medizin bieten. Patienten erwarten zurecht exzellente medizinische Behandlung und menschliche Zuwendung. Das geht nur mit solider wirtschaftlicher Basis. Ich bin der Meinung, dass Geld dahin fließen sollte, wo es den Menschen am meisten nutzt.

Trotz ungewisser politischer Rahmenbedingungen haben die Barmherzigen Brüder in Regensburg große Pläne: Neben dem Bau des Bildungszentrums, den Sie schon erwähnt haben, ist auch der Umzug der KUNO Klinik St. Hedwig an den Standort in der Prüfeninger Straße ein Zukunftsthema. Wie laufen die Planungen?

Baumann: Es liegt auf der Hand, dass die KUNO Klinik St. Hedwig auch baulich integriert werden sollte. Dort wird hochspezialisierte und universitäre Frauen- und Kinderheilkunde angeboten, die wir hier effizient einbinden wollen – das macht auch wirtschaftlich Sinn. Natürlich ist der Umzug eine große finanzielle Herausforderung. Deshalb starten wir erst einmal einen geordneten Planungsprozess, Schritt für Schritt. Trotz der unsicheren politischen Lage ist unser Ziel klar: Hochleistungsmedizin sowie Qualität erhalten und die christlichen Ordenswerte weiterhin erlebbar machen.

Die unklaren Rahmenbedingungenbereitet Ihnen also keine schlaflosen Nächte?

Baumann: Die Unplanbarkeit ist die größte Herausforderung. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir das meistern. Im Krankenhausverbund der Barmherzigen Brüder mit Schwandorf, Straubing, München und Passau arbeiten wir eng zusammen. Im Haus in Regensburg beeindruckt mich das Miteinander, vom Chefarzt bis zur Pflegekraft. Die Werte des Trägers mit dem Menschen im Mittelpunkt und die wirtschaftliche Vernunft sind dabei ein klarer Kompass für unsere Entscheidungen.