Neue Unterlagen aufgetaucht – Prozess gegen junge Intensivtäterin (21) in Regensburg wird neu aufgerollt

Mit ihrer Mädchen-Gang soll die junge Frau die Altstadt in Regensburg unsicher gemacht und zwei Jugendliche ausgeraubt haben – ihr Verteidiger fordert nun erfolgreich ihre forensische Begutachtung. Papiere, die ihm erst vor zwei Tagen zugingen, deuten auf Drogenabhängigkeit. Alle Zeugen werden deshalb erneut aussagen müssen.
Bedrohung, Körperverletzung, räuberischer Diebstahl, Beleidigung, versuchte Gefangenenbefreiung, Angriff auf Vollstreckungsbeamte und Raub – was sich bei einer 21-Jährigen in vier Monaten an Straftaten ansammelte, ist kaum zu glauben. Der Prozess gegen die junge deutsche Intensivtäterin ist am Freitag aber geplatzt. Strafverteidiger Jörg Meyer hat neue Unterlagen vorgelegt, weshalb die junge Frau nun begutachtet werden muss. Dabei geht es auch um die Strafe.
Anni (Name geändert) soll Teil einer aggressiven Mädchen-Gang gewesen sein, die im August zwei 17-Jährige mitten in der Altstadt abgezogen hatte. Nicht zum ersten Mal, wie Polizeibeamte durchblicken ließen. Der Raub in der Maxstraße aber war der vorläufige „Höhepunkt“ des wilden Treibens. Fast täglich, berichteten mehrere Zeugen an Tag eins im Prozess, sei die 21-Jährige auffällig geworden. Das ist auch der Grund, warum Anni schon seit längerem im Visier der Behörden stand und noch immer steht.
Angeklagte greift immer wieder zu roher Gewalt
Im Kampf gegen die ausufernde Kriminalität im Regensburger Bahnhofsumfeld war bei der Staatsanwaltschaft eine neue Stelle geschaffen worden, die sich Monate lang überwiegend mit jungen Migranten beschäftigte. Längst widmet sich Spezialstaatsanwalt Maximilian Wimmer, der aktuell zuständig ist, auch Fällen wie Anni – jung, weiblich, deutsch und hochgradig auffällig. Auch gegen Leute wie sie soll hart durchgegriffen werden. Auch, weil die gebürtige Regensburgerin immer wieder gewalttätig wurde – einmal sprühte sie Pfefferspray in ein haltendes Auto, sie stahl, beleidigte und drohte oder versetzte Ordnungshütern Tritte.
Alkohol und Drogen spielten bei vielen angeklagten Taten wohl eine Rolle. Eigentlich grundlegend im Leben der jungen Regensburgerin, die nach MZ-Recherchen in prekären Verhältnissen groß werden musste: Ihre Mutter soll früh verstorben, der Vater selbst seit vielen Jahren Konsument harter Drogen gewesen sein. Wie man seinen Alltag bestreitet, eine feste Struktur schafft, Probleme gewaltlos löst, vor allem aber, wie man ohne Suchtmittel auskommt – das alles soll Anni bisher nie gelernt haben.
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Im neu vorliegenden Gutachten, das Verteidiger Meyer aus dem Betreuungsverfahren angefordert hatte und das er nun an das Schöffengericht weitergab, ist von einer akuten Substanzkonsumstörung die Rede. „Deswegen meine ich, dass in unserem Verfahren ein Gutachten angezeigt ist“, betonte er am Freitag. In diesem Punkt konnte auch der Vertreter der Anklage nicht widersprechen. Daran sei „wohl kein Vorbeikommen“. Ehe das Gericht sich kurz beriet, bejahte Anni auf Nachfrage von Richterin Weber, dass sie therapiewillig sei und bei dem Gutachten auch mitwirken werde.
Wenige Minuten später verkündete Weber die Aussetzung des Verfahrens. „Dann müssen wir noch mal alles von neuem verhandeln“, ergänzte sie. Der Prozess muss also neu aufgerollt werden. Alle Zeugen werden wieder aussagen müssen. Was im Verfahren bislang Thema war, inklusive des Teil-Geständnisses der 21-Jährigen direkt zu Beginn, ist alles nichtig.
Gutachten könnte Weg in eine Therapie ebnen
Wie Richterin Weber erklärte, solle das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen in etwa acht Wochen vorliegen. Was bedeutet, dass der Prozess voraussichtlich im Mai oder Juni neu starten könnte. Sollte ein Hang festgestellt werden, stünde Anni der Weg in ein Therapie offen – so wie sie es bereits selbst forciert. Eine Einrichtung hat sie sich bereits ausgesucht. Doch bislang fehlt eine Kostenzusage dafür. Eine solche wäre bei einer gerichtlich angeordneten Maßregel, wie einer Entzugstherapie, aber auch nicht mehr nötig.