Früherer Regensburger OB holt sich „gutes Gefühl“ vor dem nächsten schweren Gang

Von Rainer Wendl · 11. Februar 2026 um 16:58

Am 11. März beginnt ein neuer Prozess gegen den früheren Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Vorab schilderte er seine Sicht der Dinge und holte sich Rückendeckung von Anhängern.

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Knapp vier Wochen vor der Kommunalwahl spricht Joachim Wolbergs im gut gefüllten Leeren Beutel: Wäre in den letzten zehn Jahren alles normal verlaufen, würde es dabei um seine zweite Wiederwahl zum Oberbürgermeister Regensburgs gehen. Doch für das frühere Stadtoberhaupt ist seit Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn am 14. Juni 2016 überhaupt nichts normal verlaufen. Deshalb dreht sich die Rede am Dienstagabend nicht um Stadtpolitik, sondern um sein Verfahren, in dem es ab 11. März vor dem Landgericht München I zu einem erneuten Prozess kommt.

Zu erwarten ist ein schwerer Gang für Wolbergs, dementsprechend dankbar zeigt er sich vorab für die Unterstützung. „Das gibt mir ein gutes Gefühl“, sagt er am Anfang der knapp 100-minütigen Veranstaltung zu den Interessierten im Leeren Beutel. Darunter befinden sich viele langjährige Anhänger sowie aktuelle Weggefährten von der Brücke, nahezu ausnahmslos also Zeitgenossen, die es gut mit ihm meinen.

Zwei Gäste werden besonders begrüßt

Besonders begrüßt werden zwei Gäste: Ilse Danziger, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, und den frühere Bürgermeister Jürgen Huber. Der Neubau der Synagoge und des Jüdischen Gemeindezentrums gehöre zu den Dingen aus seiner Amtszeit, auf die er stolz sei, betont Wolbergs und sagt über Danzigers Anwesenheit: „Das bedeutet mir sehr viel.“

Hubers Präsenz nutzt er, um die massiven menschlichen Härten seines Verfahrens zu verdeutlichen. Als der damalige Bürgermeister 2018 schwer erkrankt war, habe er ihn besuchen wollen, erzählt Wolbergs. Die Ermittler hätten ihm dies verwehrt und stattdessen empfohlen, einen Brief zu schreiben – natürlich mit behördlichem Kontrollblick vor dem Abschicken.

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Viele Besucher des Abends hören Schilderungen dieser Art nicht zum ersten Mal. Unter die Haut gehen sie trotzdem wieder, zum Beispiel bei Oleg Kuzenko. „Ich kenne die Geschichte von Anfang an“, sagt der Künstler im Nachgang und echauffiert sich: „Das alles ist sehr bitter und dauert jetzt schon zehn Jahre. Er ist doch kein Mörder!“

Allen Respekt! Was der Wolbergs zehn Jahre aushalten musste, das ist filmreif.Zuhörerin im Leeren Beutel

Caritas-Streetworker Ben Peter, am Dienstag ebenfalls unter den Zuhörern, erinnert sich an Wolbergs bereits in dessen Zeit als Sozial-Bürgermeister (2008 bis 2014). „Da konnte ich gut mit ihm zusammenarbeiten, er war offen für meine Ideen.“

Die juristischen Verfahren kannte Peter, der auf der Brücke-Liste für den Stadtrat kandidiert, bislang nur aus der medialen Berichterstattung. Sein Fazit nach dem Abend im Leeren Beutel: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er etwas Unrechtes getan hat. Ich finde ihn glaubwürdig. Er kann einem auch leid tun.“

Eine lokalpolitische Note bekommt die Veranstaltung übrigens erst gegen Ende, als Wolbergs bereits mit stehenden Ovationen für seine Ausführungen beklatscht wird.

Für seine Anhänger ist er ein Held

Da räumt der frühere OB ein, dass dieser Abend mitten im Wahlkampf schädlich für die Brücke sein könnte. Umgehend ergreift der von ihm als „mein Chef“ und „der nächste Oberbürgermeister“ eingeführte Spitzenkandidat Thomas Thurow das Wort und stellt mit Blick auf den Vereinsgründer klar: „Die Brücke ist sein Baby, wir sind ihm sehr verbunden. Der Wahlkampf ändert nichts daran.“

Wenig später beschließt Wolbergs den Abend seiner umfassenden Unschuldsbeteuerung. „Es tut mir leid, ich habe sie totgeredet“, meint er und erntet „Nein!“-Rufe sowie erneuten Applaus. Da steht die aus Burglengenfeld angereiste Dietlinde Hochmuth auf: „Allen Respekt! Was der Wolbergs zehn Jahre aushalten musste, das ist filmreif“, sagt sie und vergleicht Wolbergs’ Standhaftigkeit mit der des legendären Schwandorfer Landrats Hans Schuierer.

Dessen Widerstand gegen die WAA ist tatsächlich Stoff für einen Kinofilm geworden, der mittlerweile 95 Jahre alte Schuierer hat seinen größten Kampf längst gewonnen. Der von Wolbergs dauert an, obwohl es offenbar auch Möglichkeiten einer Einigung gegeben hätte. Warum hat er die ausgeschlagen? „Ich bin so erzogen. Ich habe mein Leben lang für andere gekämpft. Jetzt kämpfe ich für mich selber.“