Stadt Regensburg hinkt ihren ehrgeizigen Klimazielen hinterher: Was ist bis 2030 zu schaffen?

Von Juliana Ried · 11. Februar 2026 um 15:00

Die Domstadt Regensburg ist neben der Spur, die zu ihren Klimazielen führen würde, das zeigte am Dienstagabend der Monitoringbericht der Energieagentur im Umweltausschuss des Stadtrats. Zur Frage, wie schlimm das ist, gingen die Meinungen auseinander. Die einen betonten, während andere ihre Ziele aufweichten, halte Regensburg an seinen überdurchschnittlich ehrgeizigen Vorgaben fest. Vertreter der Ökoparteien nannten es deprimierend bis verheerend.

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Klar wurde, dass viel davon abhängt, wie gut die Stadt private Gebäudebesitzer zum Heizungstausch animieren kann – und dass viele Mieter ihre Wärme wohl aus dem Klärwerk bekommen werden.

Bis 2030 sollen Emissionen um 65 Prozent sinken

Ludwig Friedl, der Geschäftsführer der Energieagentur, der den Bericht vortrug, nannte die Jahre, die vor Regensburg liegen, „zunehmend anspruchsvoll“. Die Stadt nahm sich vor, die CO2-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent zu reduzieren, ausgehend vom Jahr 1990. „Es fehlen von heute bis dahin 36,9 Prozent Reduktion.“ 2024 – auf dieses Jahr bezog sich der Bericht – brachte ein Minus von fünf Prozent. Bis 2030 soll die Stadtverwaltung klimaneutral sein, bis 2035 soll die gesamte Stadt dieses Ziel erreicht haben. 3,8 Milliarden Kilowattstunden Energie wurden 2024 verbraucht. Das waren 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die größte Verbrauchergruppe ist mit 50,5 Prozent die Wirtschaft, gefolgt von den privaten Haushalten mit 33,6 Prozent. Friedl nannte das eine „große Nummer, wo sehr viel drinsteckt“. Er bezog das vor allem auf die Wärme, denn Regensburg hat mit um die 90 Prozent einen sehr hohen Öl- und Gasanteil, weil es bisher nur wenig Wärmenetze gibt. Die Stadt selbst verbraucht nur ein Prozent der Energie, andere öffentliche Einrichtungen benötigen 14,9 Prozent. Für die Wirtschaft seien seit Jahren Großprojekte in Planung, die aber noch keine Effekte zeigten. „Die Vorbereitung dauert länger, als wir uns alle wünschen und als wir auch geplant hätten.“ Der Spatenstich für den Solarpark im Energieareal Ost sei aber nun erfolgt, er war am Dienstag.

Bei der Wärmeplanung sei Regensburg „sehr weit vorne“, so Friedl. Im April soll sie veröffentlicht werden. Diesbezüglich sei das städtische Klärwerk „eine riesige Ressource“. Die Wärme aus dem Abwasser reiche für die Industrie und große Teile der Stadt. Wer sich einem Wärmenetz anschließen könne und wer sich selbst um seine Heizung kümmern müsse, werde sich ab dem Frühjahr zeigen. „Da brauchen wir eine große Beratungs- und Informationskampagne.“ Baumaßnahmen für die Netze könnten theoretisch in zwei Jahren beginnen, so beantwortete Friedl eine Frage von Christian Janele (CSB).

Die städtischen Gebäude sind ein „Schmerzpunkt“ für die Grünen

ÖDP-Fraktionschefin Astrid Lamby stellte fest, in den vergangenen Jahren habe es bei den Treibhausemissionen eher eine „Wellen- als eine Abwärtsbewegung“ gegeben, das sei „verheerend“. Trotz der vielen positiven Projekte gelte für das Reduktionsziel: „Wenn kein Wunder geschieht, werden wir das nicht erreichen können.“ Grünen-Vizefraktionschefin Helene Sigloch nannte die Zahlen „jedes Mal deprimierender. Es geht schon voran, aber viel zu langsam.“ Ein „Schmerzpunkt“ seien die städtischen Gebäude. Das Sanierungsziel sei „nicht mehr zu schaffen“. Die Grünen forderten, mit dem Klimabericht müsse sich der ganze Stadtrat beschäftigen, er stelle den Haushalt auf. Auch sie stimmen nun aber einem Investitionsprogramm zu, in dem zwei große Sanierungsvorhaben fehlen, darauf wies Umwelt-Bürgermeister Ludwig Artinger (Freie Wähler) hin.

Brücke-Fraktionschef Thomas Thurow zeigte sich dagegen hoffnungsvoll, dass man die Ziele annähernd im Auge behalte: „Wir haben große Hebel.“ Die Vorgaben dürften nicht verwässert werden, anders als von EU, Bund und Freistaat. Hans Holler (SPD) gab ihm Recht: „Die Ziele sind hochgesteckt, aber mit Sicherheit wichtig.“ Auch sei nach drei Jahren „ein gutes Stück geschafft“. Bürgermeister Artinger bekräftigte, die Stadt halte – „im Gegensatz zu anderen Körperschaften“ – an ihrem Plan fest. „Es ist ein langer Prozess, der aber jetzt in einem Stadium ist, wo es beginnt, Früchte zu tragen.“ Die CSU äußerte sich nicht zum Thema.