Braucht Berching die Verkehrsüberwachung? Das sagen die Bürgermeisterkandidaten dazu

Von Bernhard Neumayer · 12. Februar 2026 um 05:00

Die einen finden sie notwendig, andere ärgern sich über sie: die Verkehrsüberwachung. Seit vier Jahren kontrolliert der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz die parkenden Autos in Berching. Jetzt ist es Zeit, darauf zu schauen, wie sich die Zahlen entwickelt haben.

Neu entfacht hat die Debatte ein Anwohner, der bei der Podiumsdiskussion des Neumarkter Tagblatts am Montagabend von einer „ganz bescheidene Parksituation“ in Berching gesprochen hat. Es gebe zu wenige Parkflächen, vor allem rund um die Kulturhalle.

Diese Grafik zeigt die Anzahl der Ordnungswidrigkeiten in Berching sowie die Anzahl der Überwachungsstunden im Laufe der vergangenen vier Jahre. Seit 2022 überwacht der Zweckverband den parkenden Verkehr in Berching. - Foto: Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz

Teilweise würden Anwohner aus ihrer Einfahrt nicht mehr heraus oder nicht mehr in ihren Hof hineinfahren können, weil Autos auf dem Bürgersteig die Zufahrt blockierten, monierte der Mann. „Da braucht es eine Lösung“, forderte er von den drei Bürgermeisterkandidaten bei der Fragerunde am Ende der Podiumsdiskussion im Hotel Post.

„Wir brauchen zusätzliche Parkplätze“, antwortete Lothar Bierschneider von den Freien Wählern dem Anwohner. Der Bürgermeisterkandidat sehe die Kommune in der Pflicht, ein Parkraumkonzept zu erstellen. Parkmöglichkeiten auf der Homepage der Stadt zu veröffentlichen, reiche nicht aus. „Die Besucher des Weihnachtsmarktes wissen gar nicht, wo sie parken können und wo nicht“, sagte Bierschneider. Bei der Parkraumüberwachung des Zweckverbandes forderte er, dass diese angepasst werden müsse. Man müsse „mit Augenmaß“ überwachen. Wer allerdings Rettungswege oder Zufahrten für Anwohner zuparkt, müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Da war sich Bierschneider mit den anderen beiden Bürgermeisterkandidaten – Dietmar Zeller (Bürgerliste) und Peter Hollweck (CSU) – einig.

„Es sind zu wenig Parkplätze in Berching vorhanden“

Auch Hollweck sieht ein Problem in Berching: Es gebe zu wenige Parkplätze. „Darauf bin ich im ganzen Gemeindebereich angesprochen worden“, sagte Hollweck am Montag. Und die Flächen, die man hat, müsse man besser nutzen. Er brachte zum Beispiel ins Spiel, dass die Stadt bei Großveranstaltungen sich mit Eigentümern arrangieren könnte, damit diese ihre Fläche als Parkplatz zur Verfügung stellen.

Zur Verkehrsüberwachung hat Hollweck eine klare Meinung: „Es gibt Regeln, an die wir uns halten müssen.“ Dabei spiele es keine Rolle, ob ein Fahrer seinen Wagen vier oder acht Zentimeter zu weit außerhalb von Stellflächen geparkt habe. „Das ist nicht schön, aber das ist so.“ An die Regeln müsse man sich gewöhnen. Und die Überwacher bräuchten Vorgaben, an die sie sich halten müssen.

Auf die Frage, ob Berching die Parkraumüberwachung braucht oder nicht, antwortete Zeller am Montagabend: „Wenn eine Grundstückseinfahrt zugeparkt wird, dann ist das ein Beleg dafür, dass wir die Überwachung brauchen.“ Und sie sei vor vier Jahren auch nicht willkürlich eingeführt worden. „Sie war notwendig.“

Aber so wie sie momentan gehandhabt werde, sei sie nicht zielführend. „Wenn bewusst an Tagen wie dem Weihnachtsmarkt aufgeschrieben wird, dann führt das nicht zu mehr Akzeptanz bei den Bürgern“, sagte Zeller. Wenn er Bürgermeister werden würde, würde er sich andere Lösungen überlegen, sofern es mit dem aktuellen Partner nicht funktioniere.

Seit 12. Januar 2022 kontrolliert der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz mit Sitz in Amberg im Auftrag der Stadt die parkenden Autos in Berching. Haben Autofahrer ihre Parkscheibe eingestellt? Parken sie innerhalb der Stellflächen oder parken sie Zufahrten, Rettungswege oder Gehsteige zu? Unter anderem darauf haben die Verkehrsüberwacher in Berching ein Auge. Morgens, mittags, abends – sowohl unter der Woche als auch an Sams-/Sonn- und Feiertagen. Vor allem dort, wo es Beschwerden gebe, werde kontrolliert, sagt die Stadt. Überwacht werden parkende Autos aber auch unabhängig von Problemstellen.

Die meisten Ordnungswidrigkeiten (252) wurden nach Angaben des Zweckverbandes 2025 in der Bahnhofstraße registriert, gefolgt vom Reichenauplatz (171) und Pettenkoferplatz (147). Die Zahlen seien aber unter Vorbehalt, da das letzte Quartal in der Statistik noch nicht final abgeschlossen sei, betont der Zweckverband.

Weniger Überwachung, weniger Verstöße in Berching

Parkscheibenverstöße in einer Zone mit eingeschränktem Haltverbot (612 Fälle) notierten die Überwacher im vergangenen Jahr am häufigsten, Halten und Parken auf dem Gehweg (102) sowie auf der linken Fahrbahnseite (100) dagegen deutlich weniger.

Grundsätzlich hat die Anzahl der Ordnungswidrigkeiten im Lauf der vergangenen vier Jahre in Berching zwar abgenommen – allerdings wurde 2025 auch deutlich seltener kontrolliert als noch 2022 und 2023 (siehe Grafik), weil die Stadt die Zahl der Überwachungsstunden heruntergeschraubt hat.

Setzt man diese beiden Komponenten in Relation, hat sich der Durchschnittswert der notierten Ordnungswidrigkeiten pro Stunde nur marginal verändert: 2022 waren es 2,10 Fälle pro Stunde, 2025 waren es 2,12. In den Jahren dazwischen wurden mehrere Fälle (2,69 bzw. 2,66) pro Stunde aufgeschrieben.

Ob die Parkraumüberwachung in Berching nun sinnvoll ist oder nicht, darf jeder selbst entscheiden.

Verkehrsüberwachung in Berching in Zahlen

• Anzahl der Ordnungswidrigkeiten: 2014 (im Jahr 2022), 1806 (im Jahr 2023), 1399 (im Jahr 2024) und 1191 (im Jahr 2025)

• Anzahl der Überwachungsstunden: 959,3 (2022), 671,72 (2023), 525 (2024) und 562,04 (2025)

• Notierte Fälle pro Stunde: 2,10 (2022), 2690 (2023), 2,66 (2024) und 2,12 (2025)

• Höhe der Verwarnungs-/Bußgelder: 42.210 Euro (2022), 42.439 Euro (2023), 35.525 Euro (2024)und 32.337 Euro (2025)

• Kosten für die Verkehrsüberwachung für die Stadt: 70.440 Euro (2022), 53.718 Euro (2023), 41.792 Euro (2024) und 41.540 Euro (2025)

• Defizit für die Stadt: -28.230 Euro (2022), -11.279 Euro (2023), -6266 Euro (2024) und -9202 Euro (2025)