Schlagabtausch der Bürgermeisterkandidaten: Neue Visionen und alte Baustellen

Eigentlich waren die Themen für die Podiumsdiskussion des Neumarkter Tagblatts mit den Bürgermeisterkandidaten im Hotel Post in Berching abgesteckt: Finanzen, Kulturfabrik, Pettenkoferhaus, die Förderung des Ehrenamts, am Rande die Schule. Wäre da nicht die „Vision 2050“ von Freie-Wähler-Kandidat Lothar Bierschneider gewesen – just am Tag der Podiumsdiskussion veröffentlicht und gespickt mit ganz viel Zündstoff.
Erneuter Aufschub beim Bau der Berchinger Schule?
Entsprechend leidenschaftlich verteidigte Bierschneider vor rund 300 Zuhörern seine Vision dann auch: Die Grund- und Mittelschule raus zur Realschule, Mensa und Turnhalle jedoch stehenlassen und zu einem Treffpunkt für Jung und Alt entwickeln. Anstelle der Schule könnte ein Betreutes Wohnen entstehen. Der TSV Berching soll neben die Flachsröste ziehen, am Volksfestplatz könnte eine Mehrfachturnhalle gebaut werden. Wäre da nicht die 18 Jahre währende Vorgeschichte zum Thema Grund- und Mittelschule. Dementsprechend verwarfen seine Kontrahenten im Rennen um das Amt des Bürgermeisters, Peter Hollweck von der CSU und Dietmar Zeller von der Bürgerliste, Bierschneiders Vision 2050 als unrealistisch.

Zeller machte deutlich, dass die Baugenehmigung für die Sanierung der Schule unmittelbar bevorstehe, angesichts einer Bauzeit von sieben bis acht Jahren dürfe nun keine Zeit mehr verschwendet werden. Er zeigte sich überzeugt, dass weder der alte noch der neue Stadtrat einem Baustopp jemals zustimmen werde.
Hollweck pflichtete ihm bei, erklärte, am aktuellen Standort der Schule festhalten zu wollen, und mahnte an, mit vorhandenen Flächen sparsam umzugehen. Ihm schweben auf den freien Flächen eher ein Discounter und ein Drogeriemarkt vor – beides bereits ein lang gehegter Wunsch der Berchinger.
Wo muss die Stadt Berching den Rotstift ansetzen?
Unbequem war für die Kandidaten die Frage nach Einsparpotenzialen in den städtischen Finanzen. Denn wer in den kommenden Jahren viel Geld ausgeben möchte – zum Beispiel für die Schule – müsse an anderer Stelle sparen, sagte Moderator Neumayer und fragte die Kandidaten, wo sie in Zukunft den Rotstift ansetzen würden. Dietmar Zeller brachte Gebühren für die Nutzung städtischer Räumlichkeiten für Vereine und Gruppen ins Spiel, sobald die Stadt vernünftige Räume anbieten könne. Mit dem Verweis darauf, dass es keine Denkverbote mehr geben dürfe, um die Einnahmenseite der Stadt auf Vordermann zu bringen, seien mehr Gewerbeflächen notwendig. Als Beispiel nannte er den Bereich zwischen Pollanten und Mühlhausen.

Peter Hollweck stimmte dem Vorschlag von Zeller zu den Gebühren für Vereine zu und warnte vor einer Erhöhung der Gewerbesteuer. Es müsse unter allen Umständen verhindert werden, dass Unternehmen abwandern. Man könne bei der Ausweisung neuer Gewerbegebiete auf interkommunale Zusammenarbeit setzen und Synergien schaffen.
Auch Bierschneider schloss eine Erhöhung der Gewerbesteuer mit Verweis auf die günstigeren Nachbarn aus. Er regte an, bei Bauprojekten den Bauhof stärker mit einzubeziehen anstatt Leistungen extern zu vergeben. Bei den Gebühren für Vereine legte Bierschneider sich nicht eindeutig fest. Zwar sprach er davon, die Schule kostenfrei zur Verfügung zu stellen, die Vereine unterstützen zu wollen und mit den Vereinen das Gespräch zu suchen. Jedoch sprach auch er von einem „bestimmten Anteil durch das Ehrenamt“.
Wo kommen Gruppen, Vereine und Jugend unter?
Ähnlich wie bei der Grundschule hat auch die Kulturfabrik in Berching eine wechselvolle Vorgeschichte. Zeller bezeichnete sie als „30-jähriges Provisorium“ mit zu vielen Unwägbarkeiten. Daher sprach er sich für ein Zentrum an der Europahalle für die Jugend, Vereine und Gruppen aus – betonte jedoch, dass es sich um einen „zweckmäßigen“ Bau handeln müsse, der nicht in Konkurrenz zur Kulturhalle stehen dürfe. Das Stichwort „zweckmäßiger Bau hinter der Europahalle“ für Jugend und Vereine griff auch Hollweck auf. Jedoch werde er zuerst versuchen, die Kulturfabrik noch zu retten und einen Teilabriss, bzw. eine energetische Sanierung in Abstimmung mit den Anwohnern, zu prüfen.

Dieser Bau hinter der Europahalle werde dann auch den Gruppen zur Verfügung stehen, die derzeit ihre Treffen im Pettenkoferhaus abhalten. Alles, was die Gemeinde in der Sache Pettenkoferhaus nun erreichen müsse, sei Zeit, sagte Zeller: Die Kirche könne mit Unterstützung der Stadt das Pettenkoferhaus so lange weiter betreiben, bis die Vereine in dem neuen Domizil untergebracht seien und dann erst verkaufen, so Zellers Vision, die erst geprüft werden müsse.
Lothar Bierschneider hingegen kündigte an, einen Kauf des Pettenkoferhauses durch die Stadt noch einmal angehen zu wollen. Denn er bezweifelte, dass sich eine Sanierung der Kulturfabrik noch rentiert, sprach sich für einen Abriss aus und erklärte, dass das Pettenkoferhaus kurzfristig als Übergangslösung gebraucht werden könnte. Als langfristige Alternative brachte er seine Vision 2050 erneut ins Spiel: Die Jugend könnte übergangsmäßig in Räumen der evangelischen Kirche unterkommen, bis die alte Turnhalle und Mensa der Grundschule umgebaut sind. Diese seien dann der Ersatz für die Kulturfabrik.