Podiumsdebatte: So positionieren sich die Landrats-Kandidaten zum Klinikum Neumarkt

Wie positionieren sich die Landrats-Kandidaten zu wichtigen Themen im Landkreis Neumarkt? Das Interesse der Menschen an diesen Fragen ist überwältigend – bei der Podiumsdiskussion der MZ drängten sich am Dienstagabend die Menschen im Pfarrsaal der Hofkirche, viele mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Eine der drängendsten Fragen: die Zukunft des Klinikums.
Die Podiumsdiskussion moderierten Redaktionsleiterin Eva Gaupp und Redakteur Wolfgang Endlein, Der Kandidat der AfD hatte sich auf die Einladung zur Diskussion nicht einmal zurückgemeldet und war darum nicht vor Ort.
Um es vorweg zu nehmen: Beim Krankenhaus herrschte Einigkeit – das Klinikum sehen alle Kandidaten als unverzichtbaren Baustein für die Gesundheitsversorgung der Menschen im Landkreis. Einig waren sie sich im Grund auch darin, dass bisher vieles richtig gemacht wurde, um das Klinikum wirtschaftlich gut aufzustellen – etwa durch den Managementvertrag mit der Sozialstiftung Bamberg, die damit die Leitung übernommen hat. Kritik gab es ebenfalls durch die Bank an der Art der Kommunikation, die zuletzt dazu geführt hatte, dass sich Personal unzufrieden zeigte oder sogar kündigte.
Die großen Zauberworte: Wertschätzung und Respekt für Mitarbeiter
„Neumarkt hat seine Hausaufgaben gemacht und wir werden, so wie es ausschaut, den medizinischen Versorgungsgrad aufrecht erhalten können“, erklärte CSU-Kandidatin Katharina Ziegler. „Und das ist nicht selbstverständlich.“ Das Defizit des Klinikums habe den Landkreis bisher noch keinen Euro gekostet, da das Klinikum es selbst ausgleichen habe können. Ziegler will Neumarkt „weiter zur Top-Gesundheitsregion entwickeln“.
Die Zufriedenheit von Patienten und Mitarbeitern sei dabei „sehr wichtig“. Es brauche Wertschätzung für alle, offene Kommunikation und Menschen müssten in Entscheidungen einbezogen werden.

Für UPW-Kandidat Martin Meier ist das Klinikum in der politischen Arbeit „Priorität Nummer eins“. Das Klinikum müsse in landkreiseigener Hand bleiben, damit der Landkreis über Entscheidungen selbst bestimmen könne. Einerseits müsse man im Klinikum für die Gesundheitsversorgung sehr viel vorhalten, andererseits gebe es aktuell ein prognostiziertes Defizit von 3,5 Millionen Euro, so Meier. Es sei daher auch die Pflicht, das Defizit so gering wie möglich zu halten, damit dem Landkreis das Geld nicht an anderer Stelle fehle. Auch Meier hält die Mitarbeiter im Klinikum für „das A und O“. Ihnen müsse „Wertschätzung und Respekt“ entgegen gebracht werden.
Als richtig bezeichnete SPD-Kandidat Dirk Lippmann den Wechsel zur Sozialstiftung Bamberg. Auch er hob hervor, dass der Landkreis bisher nichts für das Defizit des Klinikums habe zahlen müssen, weil das Krankenhaus in der Vergangenheit Erträge erwirtschaftet habe und ein gutes Polster vorhanden sei. Auch Lippmann will das Klinikum unbedingt in kommunaler Hand behalten. Ein Problem für viele Kliniken sei die Bundespolitik, die die Krankenhäuser unter Wasser drücke und dann warte, wer am längsten durchhält, so Lippmann. „Wir werden das überleben.“ Denn: Der Landkreis Neumarkt habe den Umstrukturierungsprozess bereits hinter sich. Im Umgang miteinander mache „der Ton die Musik“. „Und der hat in der Vergangenheit nicht immer gestimmt.“
Wechsel zur Sozialstiftung Bamberg richtig
„Wirtschaftlich passt unser Klinikum, wir stehen ganz gut da“, positionierte sich FDP-Kandidat Sascha Renner. Ein Problem sei jedoch, dass „reihenweise die Leute das Krankenhaus verlassen“. Ohne gutes Personal aber könne ein Krankenhaus nicht funktionieren. Sein Lösungsansatz: „Zuhören, gemeinsam mit den Angestellten hinsehen, eine Art Kummerkasten aufmachen.“ Dadurch fühlten sich Mitarbeiter wertgeschätzt und diese Wertschätzung sei ein wichtiger Baustein für motiviertes Personal und ein dadurch gut funktionierendes Klinikum.
Dass es im Klinikum „viele schmerzliche Prozesse“ gegeben habe, erklärte Grünen-Kandidat Stefan Haas. Das A und O dabei sei die Kommunikation. „Aber es hilft nichts, nur zuzuhören, man muss es auch umsetzen. Aus Kommunikation muss Konsequenz folgen.“ Natürlich könne man nicht alles umsetzen, „aber man muss erklären, warum nicht“, so Haas. Am Ende des Tages müsse das Klinikum Geld verdienen – in Hinblick auf die Ausrichtung der Krankenhauslandschaft seien die letzten Jahre mit der Sozialstiftung „so schlecht nicht“ gewesen.