Nach Kritik am neuen Tiefkühlessen: Hat sich etwas gebessert im Klinikum Neumarkt?

Seit das Klinikum Neumarkt im Juli auf Tiefkühlkost umgestellt hat, schlägt das Thema teils hohe Wellen. Zunächst gab es Beschwerden von Eltern in der Kita des Klinikums, dann Kritik von Patienten. Das Klinikum räumte Fehler ein und gelobte Besserung. Dass dies gelungen ist, wollte das Klinikum bei einem Pressetermin zeigen.
Linsen-Bratlinge mit Gemüse in Currysauce: Es ist eines von 18 Mittagsgerichten, die sich auf der Speisekarte für gesetzlich Versicherte finden. Der Geschmack ist nach subjektivem Empfinden solide. Es ist Würze zu schmecken, das Essen ist warm, Aussehen und Konsistenz sind in Ordnung.

In den vergangenen Monaten machten etliche Menschen aber andere Erfahrungen: Geschmacklos, undefinierbar in der Konsistenz oder schlicht noch gefroren, so lauteten Kritiken am neuen Tiefkühlessen.
Hersteller Hofmanns aus Baden-Württemberg beliefert das Klinikum mit den „Cook and Freeze“-Speisen. Bei der Methode werden die gekochten Speisen schockgefrostet und vor Ort wieder erwärmt. Die Produkte für Frühstück und Mittag kommen laut Klinikum vorwiegend aus der Region.
„Wir müssen selbstkritisch sein. Dass Patienten eine noch gefrorene Suppe bekommen haben, ist ein Fehler, für den wir uns entschuldigen“ sagt Xaver Frauenknecht, Generalbevollmächtigter des Klinikums. Inzwischen habe man Angebot und Prozesse optimiert.

Zum Verständnis: Patienten bestellen am Vortag, was sie früh, mittags und abends essen wollen. Mittags gibt es Tiefkühlkost. In der Küche werden Tabletts am Fließband passgenau nach der jeweiligen Wahl des Patienten bestückt und in Wagen geladen. Diese werden in eigenen Räumen auf den Stationen an intelligente Geräte angedockt. Sie kühlen die eine Wagenseite mit Salat, Wurst, Käse etc. und erhitzen die andere Seite mit den Tiefkühlspeisen allmählich. Dann verteilen die Pfleger die Speisen auf der Station.
Was das Klinikum Neumarkt beim Essen umgestellt hat
Holger Thaun von der Service GmbH des Klinikums spricht von einem Lernprozess seit der Umstellung. Er berichtet von etlichen Stellschrauben, an denen man infolge der Beschwerden gedreht habe. Beispielsweise werden die Suppen nun heiß auf die Stationen geliefert und nicht mehr dort in einer Mikrowelle warm gemacht. Brot lagerte zuvor auf den gekühlten Produkten. Dadurch wurde es kalt, was bei Patienten den Eindruck erweckte, es sei nicht richtig aufgetaut worden. Tatsächlich werde das Brot immer frisch geliefert, sagt Thaun. Jetzt werde es anders ausgeteilt.
Das Klinikum hat die Abendessenszeit um eine Stunde nach hinten auf 17.30 Uhr verschoben und auch die Zeit, die die Tiefkühlgerichte in den speziellen Geräten erwärmt werden, nach Beschwerden angepasst. Der Kritik, dass manche Speisen wenig Geschmack hätten, begegnet das Klinikum so: Patienten bekommen auf Nachfrage Salz und Pfeffer. Gäbe man das pauschal aus, müssten alle Beutel, die in die Küche zurückgehen, laut Vorschrift weggeworfen werden.
Unterschiedliche Speisekarten im Klinikum Neumarkt
• Auswahl: Das Klinikum Neumarkt hat je eine Speisekarte für gesetzlich Versicherte und Patienten, die Wahlleistungen dazu gebucht haben. Es sei Vorgabe der privaten Krankenversicherungen, dass die Karten unterschiedliche Speisen beinhalten müssen, erklärt das Klinikum.
• Unterschiede: Ansonsten besteht der Unterschied vor allem darin, dass die Speisekarte für Patienten mit Wahlleistung ausgefeilter ist. Sie beinhaltet zudem Zwischenmahlzeiten. Außerdem gibt es eine größere Auswahl an Getränken und es finden sich darauf Markenprodukte.
Insbesondere hat das Klinikum nach eigener Angabe das Essensangebot erweitert. Es gebe mehr Abwechslung bei Käse und Wurst. Vor allem aber ist der Speiseplan mit drei Gerichten seit November einer Speisekarte mit täglich 18 Mittagsgerichten und verschiedenen Menüs für früh und abends gewichen. Man schaue, welche Gerichte gut ankommen und welche nicht, erklären die Verantwortlichen. Man passe die Speisekarte fortlaufend an.
Nach Ansicht der Verantwortlichen zeigen die Anpassungen Wirkung. Das Klinikum erreicht nun bei den routinemäßigen Umfragen unter Patienten einen laut Frauenknecht für Krankenhäuser üblichen Wert: 80 Prozent seien zufrieden mit dem Essen, 20 Prozent nicht. Auch im Bereich der Kita hätte sich die Lage beruhigt. Ein Eindruck, den Eltern im Gespräch mit unserem Medienhaus bestätigen.
Warum Krankenhaus-Essen nie wie bei Oma schmecken wird
Trotz aller Bemühungen ist für Thaun eines klar: „Das Essen wird im Krankenhaus nie so schmecken wie bei Oma.“ Zu besonders seien die Rahmenbedingungen im Klinikum. Dazu gehören die Hygiene-Auflagen. Diätische Vorgaben für einzelne Patienten stehen bisweilen dem individuellen Geschmack im Wege. Manche Patienten empfinden Speisen als zu wenig gewürzt.

In Summe ist Frauenknecht trotz des Ärgers nach wie vor von der Umstellung auf „Cook and Freeze“ überzeugt. Er spricht von einer besseren Qualität, weil schockgefrostete Speisen Vitamine besser erhielten. Zudem könne das Klinikum seinen Patienten mehr Auswahl als zuvor bieten.
Vor allem aber werden nun laut Frauenknecht die Vorgaben eingehalten, was beispielsweise die Temperatur der Speisen beim Servieren betrifft. Hinzu komme, dass das neue System unempfindlicher sei, wenn Mitarbeiter ausfallen. In Zeiten von Personalmangel ist das ein Vorteil. Rund zwölf Mitarbeiter arbeiten täglich daran, dass das Essen für die Patienten vorbereitet ist.
Und nicht zuletzt spricht Frauenknecht von deutlich reduzierten Kosten. Zuvor musste das Klinikum aber 800 000 Euro in die für die Umstellung nötige Infrastruktur investieren.