Der neue starke Mann der Brücke: Warum die Wahl bei Thomas Thurow „alles umkrempeln“ könnte

Als OB-Kandidat der Brücke will Thomas Thurow für Stabilität im Regensburger Rathaus sorgen. Für sein Privatleben würde eine erfolgreiche Wahl einen gravierenden Einschnitt bedeuten. Wir haben den Optiker, Feuerwehrler und „Vereinsmeier“ da besucht, wo er verwurzelt ist: im Regensburger Norden – und in Roding.
Er hat schon mal bunter getragen. „Als mir diese Aufgabe übertragen worden ist, habe ich mir etwas Seriöses gemacht“, sagt Thomas Thurow über seine schwarze Brille und lacht los. Es ist Samstag. Da findet man den OB-Kandidaten der Brücke – das meint er mit „dieser Aufgabe“ – immer in seinem Brillengeschäft. Nicht in Regensburg, sondern im 50 Kilometer entfernten Roding. Die Wahl könnte das Leben seiner Familie auf den Kopf stellen, „alles umkrempeln“, wie Thurows Frau Margit sagt. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht.“ Die zentrale Frage: Wie geht es im Laden weiter?
„Ich mag den Beruf brutal“, schwärmt Thurow, während er am sogenannten Autorefraktometer hantiert. Im Hinterzimmer stehen Phoropter, Aufsichtsmikroskop, Sehzeichenprojektor und was nicht alles für Geräte. Auf dem Computerbildschirm ist die Großaufnahme eines Auges zu sehen. Manchmal tut es aber auch die „einfache“ Lösung, um Kunden lächeln zu sehen. „Vor Weihnachten hatte ich eine ältere Frau da, die beim Kartoffelschälen nichts mehr gesehen hat. Der Augenarzt wusste nicht mehr weiter. Ich habe die Brille ausgemessen. Es hat nichts geholfen. Dann haben wir uns eine Lampe geschnappt und sie zu ihr heimgefahren. Mehr als ein Licht brauchte sie nicht.“ Man merkt, wie sehr der 61-Jährige an seiner Arbeit hängt.
Einzug ins Internat in Regensburg: Eine Befreiung für Thomas Thurow
Geboren ist Thurow 1965 an der Schweizer Grenze in Baden, aufgewachsen bis zur zweiten Klasse in Krefeld, dann im Westerwald. Immer da, wo der Vater gerade als Diplomingenieur gearbeitet hat. Als Thurow, der älteste von drei Brüdern, zehn Jahre alt war, starb die Mutter überraschend. „Die Nacht werde ich nicht vergessen.“ Die Oma sprang drei Jahre lang ein, kümmerte sich um die Kinder. 1978 zog die Familie in den Regensburger Norden. Mit dabei eine neue Frau. „Eine richtige Stiefmutter. Das war nicht einfach“, erinnert sich der 61-Jährige. Er spricht von „wirklich schlimmen“ vier Jahren, erzählt von einer strikten Trennung zwischen Eltern und Kindern.
Als ein weiterer Umzug anstand, entschieden sich Thurow (damals 17) und einer seiner Brüder dazu, in Regensburg zu bleiben. Sie gingen im Studienseminar St. Emmeram ins Internat. Eine Befreiung. Ein Jahr später lernte Thurow seine Frau kennen und lieben, noch ein Jahr später hatte er sein Abitur in der Tasche.
Dass Thurow Optiker geworden ist: „Purer Zufall“. Er wollte nicht studieren, nicht zur Bundeswehr – und schon gar nicht weg von Regensburg und seiner Margit. Um sich eine Wohnung leisten zu können, bewarb er sich auf einen Ausbildungsplatz – ohne wirklich zu wissen, was den Beruf ausmacht. Er arbeitete im Donau-Einkaufszentrum, machte seinen Meister und landete schließlich in Roding, erst als Geschäftsführer, dann als Eigentümer. Schnell lernte Thurow die Kleinstädter lieben. „Der Oberpfälzer ist ja erst mal vorsichtig, überlegt sich: ,Meng ma den oder ned?‘ Aber das hat sofort gepasst.“ So gut, dass Thurow trotz all der Stunden, die er auf der B16 verbringt, nie überlegt hat, den Laden aufzugeben. Er hat aber auch nie überlegt, nach Roding zu ziehen. Zu sehr ist er im Regensburger Norden verwurzelt.
Einmal hatten wir einen überfluteten Keller. Als ich knietief im warmen Wasser stand, merkte ich, dass der Sicherungskasten der Tauchsieder war.Thomas Thurow
Ortswechsel. Am frühen Mittwochnachmittag steht Thurow am Feuerwehr-Gerätehaus in Wutzlhofen. Seit 1989 ist er aktiver Floriansjünger. Lange Zeit war er Atemschutzträger. So manch ein Einsatz hat Spuren hinterlassen. Er zählt Brände auf, die Todesopfer gefordert haben, und die Serie an brennenden Stadeln, für die ein Feuerteufel gesorgt hat. „Einmal hatten wir einen überfluteten Keller. Als ich knietief im warmen Wasser stand, merkte ich, dass der Sicherungskasten der Tauchsieder war.“ Der Gedanke an die eigenen Kinder war es, der Thurow vorsichtiger hat werden lassen.
1994 kam die erste Tochter zur Welt, zwei Jahre später folgte ihre Schwester. Über sein Engagement im Elternbeirat kam Thurow zur Politik. Weil am Thanhof eine Müllverbrennungsanlage gebaut werden sollte, gegen die der Elternbeirat mobil machte, lernte Thurow den damaligen Stadtrat Norbert Hauner kennen. „Ihm habe ich vertraut. So bin ich zur SPD gekommen.“ 2008 kandidierte Thurow das erste Mal für den Stadtrat, seit 2014 ist er dessen Mitglied.
Mit Ernst Zierer „durch dick und dünn“ – und zur Brücke
Thurow ist ein echter „Vereinsmeier“. Siedlervereinigung, Obst- und Gartenbauverein, Jugendblasorchester, mehrere Regensburger Sportvereine: „Das öffnet einem Augen und Ohren“. Seit 2019 ist Thurow in noch einem Verein Mitglied: Einen Tag vor dem Urteil im ersten Wolbergs-Verfahren schlossen sich er und Ernst Zierer – „mein bester Freund, durch dick und dünn“ – der Brücke an. Und jetzt, weil Wolbergs nicht mehr als OB-Kandidat antreten darf, ist Thurow der starke Mann des Wählervereins und kandidiert bei der Kommunalwahl 2026 als Oberbürgermeister-Kandidat von Regensburg.
So ganz kann er sich noch nicht vorstellen, dass sein Arbeitsweg bald nicht mehr nach Roding, sondern ins Alte Rathaus führen könnte. „Lust darauf hätte ich schon! Mal sehen, was der 8. März bringt.“
Und das Brillengeschäft? „Der Laden läuft weiter. Wir haben eine junge Meisterin gefunden.“
Zur Person: Das ist Brücke-OB- Kandidat Thomas Thurow
• Wer? Thomas Thurow (61)
• Was? OB-Kandidat der Brücke, Stadtrat und selbstständiger Augenoptiker
• Wichtigstes Ziel nach der Wahl? „Eine stabile Koalition. Eine, die nach innen und außen wirkt – nicht so wie die letzte. Und einen Koalitionsvertrag, auf den sich alle Partner verlassen können.“
• Warum sollen wir Sie wählen? „Weil Regensburg so schön bleiben muss, wie es ist. Bunt, mit sozialem Zusammenhalt und einer Willkommenskultur. Ich will die Wirtschaft weiterentwickeln. Das ist die Voraussetzung für alle sozialen Themen.“
• Das Foto? Entstand am Feuerwehr-Gerätehaus in Wutzlhofen. „Hier herrscht Kameradschaft, hier passiert viel Ehrenamt. Es ist der Ort, an dem die Maschinen stehen, mit denen Menschen geholfen wird.“