Bei Nittenau droht Gefahr am Schulweg: Tempolimit und zweites Bushäuschen für Überfuhr gefordert

Von Cornelia Lorenz · 4. Februar 2026 um 17:00

Die Situation für Schulkinder am Bushäuschen bei Überfuhr macht Eltern aus Stefling sorgen: Die Sichtverhältnisse beim Überqueren der Staatsstraße 2149 sind nach Meinung vieler sehr schlecht. Die CSU-Fraktion im Nittenauer Stadtrat hat deshalb ein zweites Bushäuschen und ein Tempolimit beantragt. Doch die Realisierung ist problematisch.

Florian Hummel (CSU) erläuterte seinen Ratskollegen bei der jüngsten Sitzung, warum die geforderten Maßnahmen dringend nötig seien. „Die Bürger aus Stefling-West haben mir deutlich mitgegeben, dass gerast wird und man Angst beim Überqueren der Straße hat“, sagte er.

Konkret geht es beim CSU-Antrag um den Kreuzungsbereich der St 2149 und der Abzweigung zur Überfuhrer Brücke. Hier endet der Radweg, weshalb Radfahrer die Fahrbahn queren müssen. Im Zuge der Errichtung der neuen Fahrradbrücke in Marienthal werde die Zahl der Querungen durch Radfahrer vermutlich noch zunehmen, sagte Hummel.

Haltestellen an der St 2149 sind nicht beleuchtet

Darüber hinaus gebe es je Fahrtrichtung eine eigene Bushaltestelle, weshalb auch Schulkinder die Straße häufig überqueren müssten. Zudem seien die Haltestellen nicht beleuchtet. „Dadurch, dass vermehrt Kinder aus dem Bereich Überfuhr und Stefling diese Bushaltestellen für den Schulbus nutzen und zukünftig nutzen werden, ist ein erhöhtes Risiko gegeben und die Verkehrssicherheit unbedingt zu erhöhen“, forderte Hummel.

Gerade bei schlechtem Wetter oder morgendlicher Dunkelheit könnten die Kinder die Entfernung und Geschwindigkeit herannahender Autos äußerst schlecht einschätzen. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h zwischen der Abzweigung zum Naturfriedhof bis Stefling in beide Fahrtrichtungen sei deshalb eine wichtige Maßnahme für mehr Sicherheit. Zwar falle die St 2149 in den Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach. Dennoch solle sich die Stadt Nittenau für das Tempolimit einsetzen.

Kinder müssen die Fahrbahnseite wechseln

Außerdem forderte Hummel die Errichtung eines zweiten Bushäuschens, damit die Kinder bei Regen nicht mehr die Fahrbahnseite wechsel müssten, um trocken zu bleiben.

Ich bin schon überrascht, dass man ein paar Tage nach der Ablehnung des Haushalts 2026 jetzt auf einmal ein neues Bushäuschen verlangt.Benjamin Boml, Bürgermeister

Bürgermeister Benjamin Boml (FW) reagierte mit Verwunderung auf den CSU-Antrag. „Ich bin schon überrascht, dass man ein paar Tage nach der Ablehnung des Haushalts 2026 jetzt auf einmal ein neues Bushäuschen verlangt“, sagte er. Die CSU hätte seiner Meinung nach diese Forderung in die Haushaltsberatungen einbringen sollen.

Dennoch äußerte der Rathauschef Verständnis für den Inhalt des CSU-Antrags. „Wir beide sind dort ein Jahrzehnt lang in den Bus eingestiegen und kennen die Situation vor Ort sehr gut“, sagte er, an Hummel gewandt. Nach seinem Amtsantritt 2020 habe er bereits einmal versucht, in dem Bereich ein Tempolimit anzustoßen, damals auf einen Antrag eines Anwohners aus Stefling-West hin.

Behörde sah keine Häufung von geschwindigkeitsbedingten Unfällen

Auch eine Verkehrsschau habe damals stattgefunden – allerdings ohne das von der Stadt und den Anwohnern gewünschte Ergebnis, so Boml weiter. Die Untere Verkehrsbehörde am Landratsamt habe damals argumentiert, dass es auf der St 2149 keine Häufung von geschwindigkeitsbedingten Unfällen gebe und die Sichtweiten ausreichend seien - weshalb ein Tempolimit als „nicht gangbar“ bewertet worden sei.

Wie der Bürgermeister weiter erläuterte, habe man im Rathaus nun aber nochmals bei Polizei und Landratsamt nachgefragt – und die Auskunft bekommen, dass sich an der Situation vor Ort in Sachen Tempolimit nichts geändert habe. In jüngster Zeit hätten sich dort keine geschwindigkeitsbedingten Unfälle ereignet.

Teil des Hangs müsste abgetragen werden

Außerdem beschrieb Boml einige Probleme, die ein neues Bushäuschen mit sich bringen würde. Mit der Aufstellung des Häuschens allein sei es nicht getan. Weil man damit 7,50 Meter vom Straßenrand wegrücken müsse, befinde sich der potenzielle Standort auf Privatgrund, den man erst einmal erwerben müsse. Außerdem müsste laut Boml ein Teil des Hangs abgetragen werden, um die Anforderungen an die Sicht zu erfüllen, was weiteren Grunderwerb bedeute. Darüber hinaus müssten Telefonleitungen umgebettet werden. „Mit 7000 Euro für ein neues Bushäuschen ist es nicht getan“, lautete das Fazit des Rathauschefs.

Im Gremium war man sich einig, dass die Situation bei Überfuhr dringend verbesserungswürdig sei. Christoph König (Grüne) betonte, die Gefährlichkeit der Stelle sei nicht anzuzweifeln. Im Antrag der CSU fehle ihm aber das Thema Beleuchtung. Angeblich seien Kinder vom Busfahrer bereits aufgefordert worden sein, ihre Handys einzuschalten, damit man sie besser sehen könne. „Das ist eine untragbare Situation“, sagte er. Er hoffe, dass nicht erst ein schwerer Unfall passieren müsse, bis hier etwas geschehe.

Werner Götzer (SPD) verwies auf eine andere Verkehrsschau, bei der man sich mit Rasern an der Lohbügler Straße in Fischbach beschäftigt habe. Auch hier habe es am Ende geheißen, dass ja noch nichts passiert sei. „Es ist aber wichtig, Unfälle zu vermeiden“, so Götzer. Gunther Stangl (FW) fragte in die Runde, ob immer alles so bürokratisch sein müsse und man denn unbedingt die 7,50 Meter Abstand von der Straße einhalten müsse. „Man könnte das Bushäuschen doch ein wenig verschieben“, sagte er.

Unterschriftenaktion könnte Behörde hellhörig machen

Thomas Hochmuth (CSU) rief dazu auf, sich weiter für ein Tempolimit einzusetzen. „Steter Tropfen höhlt den Stein, man muss bei den Ämtern vorstellig werden“, sagte er. Auch sei es sinnvoll, mit den Bürgern von Stefling zu reden und eventuell eine Unterschriftenaktion ins Leben zu rufen. „Manchmal werden die Ämter dann hellhörig“, sagte Hochmuth.

Am Ende einigten sich die Räte darauf, dass die Verwaltung Details zur nötigen Abtragung der Böschung, zur Beleuchtung und zum Bushäuschen prüfen und das Ergebnis im Stadtrat vorstellen soll.