Posse um umgesägte Plakatwand am Nittenauer Marktplatz: Kripo durchsuchte Wohnung

Von Mittelbayerische Zeitung · 4. Februar 2026 um 05:00

Steht sie noch – oder wurde sie wieder einmal umgesägt? Die Wahlplakatwand am Nittenauer Marktplatz (Landkreis Schwandorf) sorgt seit geraumer Zeit bei vielen Bürgern entweder für Belustigung oder entnervtes Kopfschütteln. Mittlerweile ist die Kripo zu einer Wohnungsdurchsuchung in der Innenstadt angerückt – und der Stadtrat hat sich klar positioniert.

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In den sozialen Medien hat die Plakatwand am Nittenauer Marktplatz, egal ob sie gerade aufrecht steht oder am Boden liegt, bereits eine gewisse Berühmtheit erlangt – und viele fragen sich, warum eine banales Objekt aus Holz für derartige Aufmerksamkeit sorgt.

Das ist ein Ärgernis für den Bauhof und eine Verschwendung von Steuergeldern.Benjamin Boml, Bürgermeister

Ihren Anfang nahm die Angelegenheit laut Polizei am 5. Januar: In der Zeit von 12.45 Uhr bis 13.45 Uhr sei die hölzerne Wand, die von der Stadt Nittenau aufgestellt wurde und Platz für bis zu 24 Wahlplakate bietet, umgesägt worden, hieß es im ersten Bericht. Darin vermeldete die Polizei auch, tatverdächtig sei eine 48-jährige Nittenauerin. Sie habe sich durch die Plakattafel gestört gefühlt. Die Polizei schätzte den Sachschaden nach der ersten Sägeaktion auf rund 300 Euro.

Am Montag haben Bauhofmitarbeiter die Tafel am Nittenauer Marktplatz erneut aufgestellt. - Foto: taf

Bereits zweimal der Säge zum Opfer gefallen

Kurz darauf ließ die Stadt Nittenau die Plakattafel wieder aufstellen. Doch der Frieden am Marktplatz währte nicht lange: In der Nacht von 26. auf 27. Januar fiel die Wand erneut einer Säge zum Opfer. Laut Polizei muss die neuerliche Attacke auf die Stützen zwischen 23 Uhr und 2.45 Uhr passiert sein. Das lasse sich aus Beobachtungen von Mitarbeitern des Winterdiensts ableiten, die in diesem Zeitraum wegen des nächtlichen Schneefalls mehrfach am Marktplatz vorbeigekommen seien.

Mittlerweile ist auch die Kriminalpolizei aktiv geworden: Wie das Polizeipräsidium Oberpfalz erklärte, haben Beamte 27. Januar nach Anordnung durch die Staatsanwaltschaft Amberg „bei einer weiblichen Person in der Innenstadt in Nittenau eine Wohnungsdurchsuchung durchgeführt“. Gegen die Frau werde wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung ermittelt. Bei der Durchsuchung sei Beweismaterial sichergestellt worden. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne man darauf nicht näher eingehen.

Rund 15 Beamte waren an Wohnungsdurchsuchung beteiligt

Den Informationen der Mittelbayerischen nach soll es sich aber um eine Elektro-Stichsäge sowie Winterstiefel handeln. Neben Beamten der Kripo sollen auch Einsatzkräfte der Polizeistation Nittenau, ein Hundeführer sowie ein Einsatzzug mit sechs bis acht Beamten aus Amberg vor Ort gewesen sein – insgesamt also rund 15 Polizisten. Die Durchsuchung der betroffenen Wohnung soll rund zwei Stunden gedauert haben.

Wie es von Seiten des Präsidiums weiter hieß, habe die Frau in einem Video auf einem sozialen Netzwerk die erste Tat mit der Säge eingeräumt und die zweite Tat angekündigt. Dieses Video sei – neben den sichergestellten Gegenständen in der Wohnung – ebenfalls Teil der kriminaltechnischen Untersuchungen der Kripo Amberg. Weil die Frau Bildmaterial von der Durchsuchungsaktion der Polizei veröffentlicht habe, werde gegen sie zudem wegen des Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz ermittelt.

Nachdem die Plakatwand zum zweiten Mal umgesägt worden war, suchte Bürgermeister Benjamin Boml (FW) das Gespräch mit den Stadträten. „Das ist kein Kavaliersdelikt mehr“, sagte er. Die Plakatwand stehe – entgegen anderer kursierender Gerüchte – auf städtischem Grund. Die Stadt habe dies nochmals via GPS vermessen lassen. Allerdings stelle sich nun die Frage, ob man die Tafel erneut aufstellen solle – und so riskiere, dass sie noch häufiger umgeschnitten werde. „Das ist ein Ärgernis für den Bauhof und Verschwendung von Steuergeldern“, sagte Boml.

Räte waren sich einig: Stadt Nittenau soll nicht nachgeben

Die Räte waren sich einig. So einem Unfug dürfe man nicht nachgeben, sagte Gunther Stangl (FW). „Mein Herz schlägt für Widerstand“, erklärte er und fragte, ob man vorübergehend eine Videoüberwachung am Marktplatz einrichten könne. Das werde man auf die Schnelle nicht realisieren können, entgegnete Boml.

Auch SPD-Fraktionssprecher Florian Loibl wurde deutlich. „Eigentlich gibt der Klügere nach. Aber auch in mir regt sich Widerstand“, sagte er. Die Plakattafel komme allen Parteien zugute. Das sei wichtig, weil man am 8. März demokratische Wahlen abhalten werde. Es sei deshalb nicht richtig, der Gewalt nachzugeben.

Am Ende einigten sich die Räte darauf, für die anstehende Wahl den in der Plakatierungsverordnung festgelegten Standort am Marktplatz zu belassen – für die nächste Wahl aber Alternativen zu prüfen. Die Tatverdächtige erklärte auf Nachfrage, sie wolle sich gegenüber der Mittelbayerischen nicht äußern.

Darum gibt es die Plakatierungsverordnung

• Hintergrund: Seit 2024 ist die aktuelle Plakatierungsverordnung in Kraft. Damals war der Stadtrat der Meinung, dass man die Plakatflut eindämmen müsse, weil diese dem Ortsbild, der Verkehrssicherheit und der Umwelt schade.

• Folge: In der neuen Verordnung ist unter anderem festgelegt, dass in Nittenau und Bergham nur noch vier große Anschlagtafeln erlaubt sind – eine davon am Nittenauer Marktplatz.