„Billigster Grieche Deutschlands“ gibt auf: Die Gyros-Box in Nittenau macht dicht

Christos Misailidis bezeichnet sich selbst als „billigsten Griechen Deutschlands“. Vor gut einem Jahr hatte er noch versucht, die Zukunft seines Lokals in Nittenau mit einem neuem Konzept zu sichern. Doch jetzt zieht der Gastronom die Reißleine und schließt seine „Gyros-Box“ endgültig. „Wir haben monatelang gekämpft. Jetzt habe ich keine Kraft mehr“, sagt er.
Im Mai 2019 war Misailidis von Steinberg nach Nittenau gekommen und hatte in der Hauptstraße die „Taverna Metropolis“ eröffnet. Der Gastwirt stammt ursprünglich aus Thessaloniki in Nordgriechenland und betrieb das Lokal in Nittenau zusammen mit seiner Frau Ana Kondratievi, mit der er zwei Töchter hat. Die Corona-Pandemie und die steigenden Preise infolge des Ukraine-Kriegs machten ihm aber das finanzielle Überleben bald schon schwer.
Ich bin der billigste Grieche in ganz Deutschland. Trotzdem war ich nicht gut genug besucht, um meine Rechnungen zahlen zu können.Christos Misailidis, Gastwirt
Ende 2024 entschied sich Misailidis deshalb, einen neuen Weg einzuschlagen: Aus der Taverna Metropolis wurde die Gyros-Box. Doch nicht nur der Name des Lokals änderte sich: Misailidis verkleinerte die Speisekarte, um auch mit weniger Personal alles frisch zubereiten zu können. Während er selbst seine Gäste bediente, arbeitete seine Frau in der Küche und bereitete die Speisen zu.
Gerichte mit Grillfleisch von der Karte gestrichen
Darüber hinaus wurden Gerichte mit Grillfleisch von der Karte gestrichen. So versuchte Misailidis, die Stromkosten zu senken, weil dadurch der Grill nicht mehr durchgehend laufen musste. Außerdem war die Gyros-Box zwei Monate lang nur unter der Woche geöffnet, um in dieser Zeit herauszufinden, welcher Tag sich am besten als Ruhetag eignete.
Doch alle Bemühungen des Ehepaars fruchteten letztlich nicht. Die Tage der Gyros-Box sind gezählt: Voraussichtlich Ende Januar solle endgültig Schluss sein, so Misailidis. Diese Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen. Doch letztlich müsse er angesichts der finanziellen Lage kapitulieren. „Ich bin der billigste Grieche in ganz Deutschland. Trotzdem war ich nicht gut genug besucht, um meine Rechnungen zahlen zu können“, so Misailidis im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Doch schließlich müsse er für sich und seine Familie Geld verdienen.
Wirt muss sich neu orientieren
Dass er sein Lokal aufgeben muss, ist für den Gastronomen eine belastende Entscheidung. „Es ist für mich eine Katastrophe“, sagt er. Er sei damals nach Nittenau gezogen und habe alles versucht, um seine Lokal aufzubauen und immer wieder zu beleben. Doch auch das neue Konzept der Gyros-Box habe in Nittenau langfristig finanziell nicht funktioniert – obwohl er laut eigenen Aussagen große Portionen zu günstigen Preisen angeboten habe, ohne an Qualität zu verlieren.
Wie geht es für Misailidis nun weiter? Aktuell fährt er täglich nach Neutraubling. Dort betreibe seine große Tochter einen Imbiss, wo er nun mitarbeite, sagt Misailidis. Einen Nachmieter für das Lokal in Nittenau gebe es bis dato noch nicht. Er hoffe, dass sich das bald ändere. Der Abschied von seinen Nittenauer Gästen fällt dem Gastwirt trotz aller finanzieller Schwierigkeiten schwer. „Wir bleiben für immer Freunde“, sagt er.