Landkreis Schwandorf schließt sich 2027 dem Regensburger Verkehrsverbund an

Der Landkreis Schwandorf wird zum 1. Januar 2027 komplett in den Regensburger Verkehrsverbund (RVV) integriert. Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sollen künftig von einer einfacheren Tarifstruktur profitieren.
Das Thema der Verbundintegration beschäftigt den Kreisausschuss schon eine ganze Weile und wird bereits seit 2019 diskutiert. Nachdem die Sinnhaftigkeit eines solchen Schrittes mittels einer Studie geprüft worden war, beschloss das Gremium damals: Eine volle Integration in den RVV solle angestrebt werden.
Dem Eintritt in den Verbund stimmte der Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik, Sport und Kultur am Montag schließlich final zu. „Damit wächst ein Raum zusammen, der zusammengehört“, sagte Josef Weigl, Geschäftsführer des RVV, an die Kreisräte gewandt. „Mit der Verbunderweiterung erreicht der Landkreis Schwandorf ein lang verfolgtes Ziel“, freute sich auch Landrat Thomas Ebeling (CSU).
Die Situation im ÖPNV werde mit diesem Schritt deutlich verbessert, hieß es vonseiten der Kreisräte. Ulrike Pelikan (Grüne) sprach beispielsweise die zahlreichen Pendler aus dem Landkreis nach Regensburg an. Die Autobahn sei ausgelastet und die geplante Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels verschärfe die Situation auf den Straßen nochmals, sagte sie. „Vor diesem Hintergrund brauchen wir einen starken Verbund.“
Ab dem Jahr 2027 kein Tarifdickicht mehr
Für die Fahrgäste bedeutet der Verbund einheitliche und somit übersichtliche Tarife. Bisher gelten im Landkreis Schwandorf vorwiegend der RVV-Tarif im südlichen Landkreisgebiet sowie der Tarif Oberpfalz Nord im nördlichen Landkreisgebiet. An den Landkreisgrenzen gibt es zudem Überschneidungen mit dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) oder der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Cham (VLC).
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Auch die Kombination von Bus und Schiene soll sich einfacher gestalten. Wie es in der Beschlussvorlage heißt, wird im RVV ab 2027 der Verbundtarif für alle Angebote des allgemeinen ÖPNV und des Schienenpersonennahverkehrs (Regionalzüge) im Sinne eines Gesamtsystems gelten. Das heißt: In allen Nahverkehrszügen auf RVV-Gebiet gilt künftig einheitlich der RVV-Tarif.
Auch können ab 2027 Vertriebsaufgaben gemeinsam angegangen und moderne Systeme umgesetzt werden. Josef Weigl sprach hier zum Beispiel ein verbundweites Check-in/Check-out-System an, das in den Fahrzeugen umgesetzt werden könne. Das bedeute auch eine Entlastung für den Busfahrer, so Weigl.
Weitere Partner sind im Boot
Außer dem Landkreis Schwandorf kommen noch weitere Partner hinzu. Dabei soll sich das Verbundgebiet, wie Weigl erklärte, ab 1. Januar 2027 auf die Stadt und den Landkreis Regensburg, den Landkreis Schwandorf, die Stadt Straubing und den Landkreis Straubing-Bogen erstrecken. Die Beschlüsse der anderen Städte und Landkreise werden derzeit ebenfalls vorbereitet, wie der Beschlussvorlage zu entnehmen ist. Auch den Landkreis Cham würde der RVV laut Weigl gern mit ins Boot holen, doch dort sei derzeit noch kein zustimmender Beschluss gefasst worden.
Wie es in der Beschlussvorlage heißt, wird der RVV zum 1. Januar 2027 organisatorisch neu geordnet und als Aufgabenträgerverbund ausgestaltet. Entscheidungen werden im Verbund gemeinsam getroffen und Einnahmen aufgeteilt. Die Geschäftsanteile der neu gestalteten RVV GmbH sollen sich ab 2027 wie folgt verteilen: Stadt Regensburg: 51 Prozent, Landkreis Regensburg: 31 Prozent, Landkreis Schwandorf: neun Prozent, Stadt Straubing: fünf Prozent, Landkreis Straubing-Bogen: vier Prozent.
Mit der Verbunderweiterung kommen auch Ausgaben auf den Landkreis zu. Dabei rechnet man im Jahr 2027 mit Nettokosten von rund 1,5 Millionen Euro. Einkalkuliert wurde hier bereits eine erwartete Förderung von 200.000 Euro.
Die erhöhten Kosten für das erste Jahr würden sich unter anderem durch die Anschaffung des Check-In/Check-Out-Systems sowie die Validatoren für die bargeldlose Abwicklung der Fahrkartenverkäufe und -prüfung ergeben. Daneben seien auch dauerhafte Kosten zu tragen. Diese ergeben sich laut Beschlussvorlage durch Tarifharmonisierungsverluste, Regiekosten für Personal, Marketing und Vertrieb sowie für das verbundweit geltende 365-Euro-Ticket.
Pläne für Bahnhalt Freihöls beschlossen
Auch bei einer weiteren Entscheidung ging es am Montag um die Pendler. Der Bahnhalt in Freihöls, einem Ortsteil von Fensterbach, hat die Kreisräte dabei bereits in der Vergangenheit intensiv beschäftigt. Hintergrund ist, dass die Deutsche Bahn ihren Betrieb ab 2030 auf neue Neigetechnik-Fahrzeuge umstellen will.
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Wie bereits in vergangenen Ausschusssitzungen diskutiert wurde, können die modernen Züge jedoch Bahnsteige mit einer Höhe von unter 38 Zentimetern nicht mehr bedienen. In Freihöls liegt die Bahnsteighöhe aber derzeit bei 20 Zentimetern. Die Bahn will den Bahnsteig auch aufgrund der geringen Nachfrage nicht auf eigene Kosten erhöhen. Im ersten Halbjahr seien im Schnitt elf Fahrgäste pro Werktag am Bahnhalt Freihöls aus- oder eingestiegen.
Laut der Kostenschätzung des zuständigen Bahn-Tochterunternehmens, der DB Infra Go AG, würde eine Erhöhung des Bahnsteigs auf 38 Zentimeter knapp 313.000 Euro kosten (Variante 1). Für einen Vollausbau (Variante 2) wären es sogar fast 5,4 Millionen Euro. Variante 1 stellt dabei eine Übergangslösung dar – Der Halt kann auch nach 2030 genutzt werden, doch spätestens nach Ausbau der Metropolenbahn ist dann Schluss. Die Beförderung müsse dann mit Bussen geschehen.
Beschlossen wurde nun, den Ausbau des Bahnsteigs gemäß der Variante 1 umzusetzen. Dies gilt laut Beschlussvorlage unter dem Vorbehalt, dass sich die Gemeinde Fensterbach an der Maßnahme mit einem Drittel der geschätzten Kosten beteiligt.
Weitere Themen aus dem Ausschuss
■ Abfallwirtschaft: Für eine Informationskampagne zur richtigen Entsorgung von Lithium-Ionen-Akkus stellt der Kreis 5000 Euro bereit. Den Antrag hatte die CSU Fraktion gestellt. Dabei soll auf die Gefahren durch falsche Entsorgung aufmerksam gemacht werden.
■ Müllanlieferung: Der Landkreis will den Zweckverband Müllvertretung auffordern, die Anlieferung durch die Schiene aufrecht zu erhalten. Einen Antrag hatte die ÖDP gestellt. Laut Landrat Thomas Ebeling wird eine Verlagerung auf die Straße vom ZMS weiterhin nicht angestrebt.