Der Bahnsteig ist zu niedrig: Hält die Bahn künftig nicht mehr in Freihöls?

Für die Erneuerung von Bahnsteigen ist eigentlich die Deutsche Bahn verantwortlich. Nicht so beim Bahnhalt in Freihöls, einem Ortsteil von Fensterbach. Hier will sich die Bahn aus ihrer Zuständigkeit ziehen. Das stößt auf Unverständnis bei den Kreisräten.
Ab 2030 will die Deutsche Bahn ihren Betrieb auf neue Neigetechnik-Fahrzeuge umstellen. Bahnsteige mit einer Höhe von unter 38 Zentimetern können dann nicht mehr bedient werden. In Freihöls liegt die Bahnsteighöhe derzeit bei 20 Zentimetern. Die Bahn will die Bahnsteighöhe in Freihöls aber nicht erhöhen – und begründet dies auch mit der geringen Nachfrage. Im ersten Halbjahr seien im Schnitt elf Fahrgäste pro Werktag am Bahnhalt Freihöls aus- oder eingestiegen.
Der Bahnhalt Freihöls liegt an der Strecke Schwandorf – Amberg und wird vor allem von Kindern genutzt, die nach Amberg zu weiterführenden Schulen fahren. Damit die Schüler auch künftig ab Freihöls mit dem Zug fahren können, sollen der Landkreis und die Gemeinde Fensterbach die Umbaukosten übernehmen. Andernfalls würde die Bahn nicht mehr in Freihöls halten.
Erhöhung des Bahnsteigs würde mehr als 300.000 Euro kosten
Laut der Kostenschätzung des zuständigen Bahn-Tochterunternehmen, der DB Infra Go AG, würde eine Erhöhung des Bahnsteigs auf 38 Zentimeter knapp 313.000 Euro kosten (Variante 1). Für einen Vollausbau (Variante 2) wären es sogar fast 5,4 Millionen Euro.
Bei einem Abstimmungstermin mit Vertretern aller Seiten habe man sich darauf verständigt, die Möglichkeit der Umsetzung der Variante 1 zu prüfen, wurde jetzt im Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik, Sport und Kultur informiert. Das Fahrgastpotenzial rechtfertige laut Bayerns Bauminister Christian Bernreiter (CSU) weder jetzt noch zukünftig einen Vollausbau.
Fehlende Wendemöglichkeit für Busse in Freihöls
Mit einer Umsetzung der Variante 1 könnte der Bahnhalt Freihöls auch mit den neuen Neigetechnik-Fahrzeugen bedient werden. Allerdings endet dies spätestens nach dem Vollausbau der Metropolenbahn. Sobald die Bahn den Halt in Freihöls nicht mehr bedient, müsse die Beförderung über ein alternatives Buskonzept abgewickelt werden, hieß es im Ausschuss. Die Schwierigkeit sei dabei, dass es in Richtung Amberg keine geeignete Wendemöglichkeit in Freihöls gebe. Daher müsste voraussichtlich eine Wendemöglichkeit geschaffen oder der Fahrtenverlauf geändert werden.
Es kann nicht sein, dass die Bahn einfach die Verantwortung an den Landkreis und die Kommune abschiebt.Marianne Schieder, SPD-Kreisrätin
Bei den Kreisräten sorgte die Information für Kopfschütteln. „Es kann nicht sein, dass die Bahn einfach die Verantwortung an den Landkreis und die Kommune abschiebt“, kritisierte SPD-Kreisrätin Marianne Schieder. Auch CWG-Kreisrätin Christina Bauer sieht die Deutsche Bahn in der Pflicht. Joachim Hanisch (FW) meinte, dass sich die DB vielleicht wenigstens an den Kosten beteiligen könnte, wenn sie sie schon nicht komplett tragen wolle. Er schlug vor, auch den Einsatz von Taxis samt den dafür anfallenden Kosten zu prüfen.
Der Ausschuss votierte letztendlich einstimmig dafür, dass die Verwaltung die Kosten für das notwendige Buskonzept ermitteln solle. Gleichzeitig soll mit der Gemeinde Fensterbach über die Finanzierung für den Ausbau des Bahnsteigs gesprochen werden. Die Ergebnisse sollen dem Ausschuss erneut vorgelegt werden. Der Fensterbacher Gemeinderat hatte sich jüngst für einen weiteren Zughalt in Freihöls ausgesprochen, ohne damit aber eine feste finanzielle Zusage zu verbinden.