Grundstücksverhandlungen für die Regensburger Nordspange: „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“

60 Eigentümer sollen für das Mega-Projekt Nordspange in Regensburg Flächen abtreten. Für die Gärtnerei Hauner ist das existenzbedrohend. Sie braucht unbedingt Ersatz. Aber das Tauziehen mit den Behörden dauert.
Gärtnermeister Gerhard Hauner war einer der sieben Kläger gegen die Nordspange. Nach mehr als zehn Jahren beschäftigt ihn das Mega-Projekt, für das der Bayerische Verwaltungsgerichtshof im Herbst 2024 grünes Licht signalisierte, immer noch. Jetzt geht es um mehr als 3000 Quadratmeter seines Betriebs an der Lappersdorfer Straße, die er abtreten soll. Wird die Sallerner Regenbrücke realisiert, soll sie nach einer Schleife über den Fluss bei der Gärtnerei andocken. Heute liegen dort die Gewächshäuser und der Parkplatz. Dass diese Beschneidung für den florierenden Betrieb existenzgefährdend ist, räumt auch einer der Bauherren, das Staatliche Bauamt, ein.
„Das befindet sich alles in einer heiklen Phase“
Seit Monaten geht es um die Ausgleichsflächen. Es sei keine Bewegung in Sicht, sagt Hauner am Freitag. „Ein angrenzendes landwirtschaftliches Grundstück mit etwa 1000 Quadratmetern könnte die Stadt kaufen, macht es aber nicht.“ Der 59-Jährige sagt frustriert: „Um passende Ausgleichsflächen müssen wir uns wohl selbst kümmern.“

Die Kommune habe ihm ein Gartengrundstück östlich der Gärtnerei, das so groß wie die „Enteigungsfläche“ sei, als Ersatz angeboten. „Auf der anderen Seite der neuen Straße.“ Dort könne er aber mit dem Lastwagen nicht auf sein Betriebsgelände fahren, weil die Brücke an der Stelle so niedrig verlaufen werde. „Das befindet sich alles in einer heiklen Phase“, sagt Hauner, dessen Gärtnerei insgesamt 13.000 Quadratmeter umfasst.
Der Gärtnermeister sagt, er erfahre aus der Zeitung, was das Staatliche Bauamt vorhat. Dass das so unprofessionell ablaufe, verstehe er nicht. „Die wollten mich informieren.“
Knapp 60 Grundstücksbesitzer sollen für die 300 Meter lange Brücke, die Erweiterung der Nordgaustraße als Zubringer und den Lappersdorfer Kreisel Flächen abtreten. Bei Privatleuten, die etwa an der Lappersdorfer Straße und Nordgaustraße wohnen, geht es meist um ein paar hundert Quadratmeter. Beim kleinsten Deal handelt es sich um 25 Quadratmeter.
Es sind keine Enteignungen beabsichtigt.Johannes Maidorn, Kommunikation Nordspange
Für den Grunderwerb zuständig sind Stadt, Landkreis und Staatliches Bauamt. Es gehe um Grundstücke, die dauerhaft in Anspruch genommen werden und um Flächen, die lediglich während der Bauzeit benötigt werden, beispielsweise für die Baustelleneinrichtung, sagt Johannes Maidorn von der Projektkommunikation Nordspange. „Im Bereich des Lappersdorfer Kreisels und der Sallerner Regenbrücke handelt es sich um vier Eigentümerinnen und Eigentümer, die von dauerhaftem Grunderwerb betroffen sind.“ Für die Erweiterung der Nordgaustraße werden 20 Grundstücksflächen dauerhaft benötigt. „Von diesen 20 wurden nach aktuellem Stand neun bereits erworben“, sagt Maidorn. Bei den gegenwärtig laufenden Detailplanungen wird konkretisiert, inwiefern und in welchem Umfang die Flurstücke betroffen sind, die vorübergehend während der Bauzeit beansprucht werden.
Inzwischen hat sich das Angebot verbessert
Die Stadt Regensburg und das Staatliche Bauamt stehen mit den Eigentümern in Kontakt. „Es sind keine Enteignungen beabsichtigt von Stadt und Staatlichem Bauamt“, betont Maidorn. Im Gegensatz zu Gerhard Hauner sagt der Sprecher für mehrere beteiligte Behörden: „Wir verhandeln über Entschädigungsansprüche. Da geht ganz viel voran.“ Mehr verrät Maidorn nicht. Es handle sich um Inhalte, die nicht in die öffentliche Debatte gehörten. „Herr Hauner wird eine Entschädigung bekommen. Es wird für ihn akzeptabel sein.“
Der Gärtnermeister sagt, zunächst hätten ihm die Behörden rund sieben Euro für den Quadratmeter angeboten. Es handelt sich um eine Retentionsfläche für den Regen. Das lehnte die Familie ab. Ein Fachmann hat ein Gutachten erstellt, das auch den Verdienstausfall durch die Reduzierung der Gärtnereifläche berücksichtigt. Deshalb liegt Hauner inzwischen ein besseres Angebot vor. Der Unternehmer braucht aber auch ein Ersatzgrundstück. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht.“ Die Gärtnerei beschäftigt mehr als 30 Mitarbeiter. „Sie fragen, was jetzt los ist“, sagt Hauner, der auch auf dem Gelände wohnt und deshalb den Verkehrslärm durch die Brücke fürchtet.
Dr. Thomas Troidl, Fachanwalt für Baurecht, vertritt die Unternehmerfamilie. „Wir brauchen von den Vorhabenträgern vollen Einsatz. Das erwarte ich vom Staatlichen Bauamt und der Stadt“, sagt er. Die Verhandlungen seien nicht einfach. „Es muss bei Privatleuten eine Bereitschaft da sein, ein Grundstück zu veräußern.“ Troidl betont: „Wir sind hartnäckig und bleiben am Ball.“